„Bild“-Artikel zu Veranstaltung in Tübingen: Angeblicher Rassismus gegen Weiße: Boris Palmer meldet sich zu Wort

Kritisiert den Artikel der „Bild“: Tübingens OB Boris Palmer.
Carolin Albers/Archiv- Boris Palmer kritisiert „Bild“ wegen Artikel über Rassismus-Veranstaltung.
- „All Mics on us“ gibt Menschen in Tübingen Raum, Diskriminierung zu teilen.
- „Bild“ behauptet fälschlich, Veranstaltung schließe Weiße aus und nutze Steuergelder.
- Palmer ruft zur Mäßigung auf und betont Verständnis füreinander.
- Appelliert an „BILD“ für mehr Faktentreue.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bei der Veranstaltung „All Mics on us“ (28. März, 19 Uhr) bei den Wochen gegen Rassismus können Menschen in der Münzgasse 13 in Tübingen davon erzählen, wie sie Diskriminierung erlebt haben und was das für sie im Alltag bedeutet. Das Mikrofon auf der Bühne soll dabei denen offen stehen, die aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft Rassismus erlebt haben. Die Boulevardzeitung titelte dazu: „Anti-Rassismus-Woche schließt Weiße aus“ – und behauptete, die Veranstaltung werde mit Steuergeldern finanziert. Was nicht stimmt – und auch anderes im Text ist nicht richtig.
Nun hat sich auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zu dem Text geäußert – und zur Mäßigung aufgerufen. Auf Facebook schreibt er, man solle den „Kulturkampf beenden“.
Zunächst wirft er linken Gruppen vor, mit ihrem „Wokismus“ angefangen und überzogen zu haben: So hätten sich immer mehr Menschen genervt von ihrem Anliegen abgewandt. Eine Folge sei der Wahlsieg Donald Trumps in den USA. Was der dort jetzt tue, sei „ziemlich gruselig“. Dann aber schlägt Palmer versöhnliche Töne an: „Also sollten wir versuchen, diesen Kulturkampf bei uns nicht bis zum Ende auszufechten, sondern wieder mehr Verständnis füreinander zu entwickeln.“ Und er stellt fest: „Die BILD-Zeitung liegt deshalb mit einem aktuellen Artikel weit daneben.“
Ziel der Veranstaltung sei es, „marginalisierten und unterrepräsentierten Gruppen eine Bühne zu bieten, die sie sonst nicht immer bekommen“. Das sei auch durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gedeckt, wenn dadurch bestehende Nachteile ausgeglichen werden sollen. Und führt das dann folgendermaßen aus: „Wenn es erlaubt ist, dass eine Verbindung andere Verbindungen zu einer Festveranstaltung einlädt und dabei nur farbentragende männliche Studierende anwesend sein dürfen, dann darf ein linksalternatives Szeneprojekt auch eine Veranstaltung machen, bei der nur People of Color ans Mikrofon dürfen, um von ihren Erfahrungen zu erzählen. Man muss beides nicht gut finden, aber daran ist nichts irgendwie falsch oder illegitim.“
Palmer beendet seinen Text mit einem Appell – und einem Seitenhieb gegen das Boulevardblatt, mit dem er sonst gerne spricht: „Also Leute, lasst uns abrüsten. Leben und leben lassen! Und verehrte BILD, ein wenig mehr Faktentreue wär schon auch nicht schlecht.“


Von einer Offenen Bühne für BIPOC-Menschen in Tübingen fühlt sich ein „Bild“-Autor diskriminiert. Dabei könnte er dort bestimmt noch einiges lernen.