Beton, so wertvoll wie Gold: Wohnraumbündnis spürte bei einer Fahrradtour den Ursachen für hohe Mieten nach

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Nicht gesetztErste Station war eine Ferienwohnung in der Burgsteige, die über die Plattform Airbnb vermittelt wird – für 64 Euro die Nacht. Solche Angebote lassen auch die Mieten in der Gegend steigen, erklärte Paul Rodermund den Teilnehmern. Gibt es mal keine Nachfrager für die Unterkünfte, dann stehen diese leer: „In besonders beliebten Vierteln verdrängen Touris Anwohner, weil sich mit den Ferienwohnungen in der Regel mehr Geld machen lässt.“ Die verdrängten Anwohner waren auch Thema in der Altstadt. In der Langen Gasse lasse sich mit Wohnraum viel Geld verdienen: „Aus diesem Grund entschließen sich viele Eigentümer, die Wohnung zu sanieren, um sie entweder zu extrem viel teureren Preisen weiterzuvermieten oder als Luxuseigentumswohnungen zu verkaufen“, sagte Roxana Hashemi.
An die zwölf Stationen hatte die Tour insgesamt: In der Gartenstraße wurde auf ein seit Jahren leerstehendes Haus hingewiesen. Dann wurde Halt gemacht am Neckarbogen. In dem Neubaugebiet sei nur hochpreisiger Wohnraum entstanden: „Trotz 58 neuer Wohnungen innenstadtnah ist keine mit Sozialbindung darunter“, sagte Amann. Beim Au-Brunnen, dem nächsten Stopp, kritisierte Martin Fleischer die vieldiskutierten Pläne für ein Gewerbegebiet. Das Projekt sei ein weiterer Puzzlestein einer neoliberalen Stadtentwicklung. „Bewusst oder unbewusst befördert man damit das schnelle Wachsen der Stadt durch Zuzug – unbekümmert davon, ein wirklich soziales und bezahlbares Leben in Tübingen zu ermöglichen“, sagte er. Der Stadt machte er auch beim nächsten Halt am Güterbahnhof einen Vorwurf. Als das Areal der Bahn zum Verkauf stand, habe die Stadtverwaltung nicht von ihrem Vorverkaufsrecht Gebrauch gemacht. „Insofern entsteht dort nun nur 20 Prozent sozialer Wohnraum und ein hoher Anteil von hochpreisigen Eigentumswohnungen“, sagte Fleischer.
Gegen Ende der Tour holte Marc Amann einen Tiefkühl-Karton eines bundesweiten Pizza-Herstellers hervor und fragte, was das mit Tübingen zu tun habe? Die Firma habe mit ihrer Immobiliensparte in der Weststadt gebaut: „Um Gewinne und Kapital zu verwerten und Rendite zu erwirtschaften legt ein Nahrungsmittelunternehmen sein Geld in Immobilien an – Betongold“. Wieder gehe es beim Wohnraum nicht darum, ein Grundbedürfnis der Allgemeinheit zu sichern.
Die letzte Station der Tour war der Sitz eines großen Immobilienfonds. Für Amann ist das der Ort, wo in Tübingen am offensichtlichsten aus Wohnraum Profit geschlagen werde. Billig Immobilien kaufen und sie teuer verkaufen, das sei das alleinige Prinzip: „Da ist Wohnraum reine Ware.“