Tübinger durch und durch
: Stadtrat Bernd Gugel überraschend gestorben

Der 62-jährige Unterstädter war Tübinger durch und durch und vor allem in der Politik, im Sport und bei der Feuerwehr über Jahrzehnte außerordentlich engagiert.
Von
Holger Weyhmüller
Tübingen
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(ohne Überschrift): Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Bernd Gugel      23. August 2018
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Ur-Tübinger, Lokalpatriot, Stadtrat, Feuerwehrmann, Bademeister und Sportler durch und durch: Bernd Gugel ist am Donnerstag überraschend gestorben.

Anne Faden/Archiv
  • Der 62-jährige Tübinger Bernd Gugel ist überraschend gestorben – ein vielseitig engagierter Lokalpolitiker, Extremsportler und Feuerwehrmann.
  • Gugel prägte Tübingen politisch und sportlich, z. B. als Triathlon-Abteilungsleiter und Stadtrat für AL/Grüne seit 2009.
  • Sein Engagement reichte von der Kommunalpolitik bis zur Geschichte und Ausstattung der Tübinger Feuerwehr.
  • Beruflich zuletzt Bademeister, war Gugel im Freibad wie in der Stadt ein geschätztes Bindeglied und Vorbild.
  • Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine große Lücke – Freunde und Weggefährten würdigen ihn als inspirierend und herzlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bademeister, Feuerwehrmann, Stadtrat, Triathlet, Langläufer, Taucher, Wanderer, Skifahrer – und allem voran ein überzeugter, leidenschaftlicher Tübinger. „Bernd hat mal zu mir gesagt, er habe die Blutgruppe T – T wie Tübingen“, erinnert sich Christian Mickeler, langjähriger Freund und politischer Weggefährte Bernd Gugels. Gugel sei „ein echter Bua aus der Unterstadt“, so der Tübinger Allgemeinarzt und Stadtrat von AL/Grüne, „und er hat so viel erreicht und ist so weit gekommen in seinem Leben – all dies hat er geschafft ohne Abitur oder Hochschulabschluss. Das hat ihn stolz und glücklich gemacht.“ Der 62-Jährige habe vor allem politisch und sportlich unfassbar viel angestoßen, sich in Dinge geradezu gestürzt. „Ich habe mich immer gefragt, woher der Kerle die Kraft dafür nimmt. Und jetzt ist sie ihm ausgegangen.“ Am vergangenen Donnerstag ist Gugel überraschend gestorben, wenige Tage vor seinem 63. Geburtstag.

„Verlust ist menschlich und politisch furchtbar“

„Der Verlust ist menschlich und politisch furchtbar“, beklagt Boris Palmer. Beide hatten nicht nur eine enge politische Verbindung, sondern auch eine private Freundschaft. Gugel und Tübingens Oberbürgermeister kennen sich seit Jahrzehnten, seit Palmer seinem Vater auf dem Wochenmarkt zur Hand ging. „Er hat meinen Söhnen immer wieder das Feuerwehrhaus gezeigt, er hat mir das Langlaufen beigebracht, zudem hat uns das Radfahren verbunden.“ Für seine Extremsportneigung habe er Gugel immer bewundert. In besonderer Erinnerung ist ihm eine Alpenüberquerung geblieben, bei der Gugel innerhalb von 24 Stunden die Strecke Tübingen–Comer See bewältigte.

„Bernd war leutselig, freundlich, ist auf Leute zugegangen – einfach ein toller Mensch.“ Er sei „seit ich OB bin ein entscheidendes Bindeglied zwischen den Grünen und den Gôgen gewesen und war eine der verlässlichsten Stützen für mich, weshalb er auch schon mal als ‚Palmerling‘ verunglimpft wurde.“ Gugel habe die konkreten Alltagssorgen der Menschen in die Kommunalpolitik eingebracht. Dass er bei der jüngsten Kommunalwahl als männlicher Stimmenkönig hervorgegangen ist, „das hat ihn zu Recht sehr stolz gemacht“. Seit 2009 saß Gugel für AL/Grüne im Stadtparlament, war Mitglied im Aufsichtsrat der Sporthallen GmbH, im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WIT), im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau (GWG), im Ausschuss für Planung, Verkehr und Stadtentwicklung und im Ausschuss für Energie, Umwelt und Klimaschutz. Quasi überall sei Gugel dabeigewesen: „Ich habe, nachdem ich die Nachricht über seinen Tod erhalten hatte, eine Stunde lang auf seinem Facebook-Account gelesen – er war einfach immer da.“

„Eine meiner größten Facebook-Inspirationen“

Der Sport hat Gugel unfassbar viel gegeben – und er gab mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften zurück. Zwischen 2004 und 2016 etwa war der Ur-Tübinger Abteilungsleiter Triathlon beim Post-SV Tübingen. In diese Zeit fielen der Aufstieg des Herrenteams in die Erste Landesliga und der erste Tübinger City-Triathlon im Jahr 2015. „Ohne die Vision, das Engagement und die Leidenschaft von Bernd Gugel würde es weder unsere Triathlon-Abteilung, noch den Tübinger Triathlon in ihren jetzigen Formen geben“, betont Armin Müller, Vorstand Triathlon beim Post-SV, „sein Tod ist ein unglaublicher Verlust.“ Ohne es damals zu wissen, inspirierte Gugel auch Müller, selbst sportlich aktiv zu werden. „Bernd war eine meiner größten Facebook-Inspirationen“, erinnert sich der Tübinger Unternehmer – durch das Lesen der regelmäßigen und teils sehr ausführlichen Einträge von Gugels sportlichen Unternehmungen. Davon gab es zahllose.

Vorbild und „herzensguter Mensch und Freund“

Ebenso mit ganzer Energie und Leidenschaft engagierte sich Gugel seit Jahrzehnten für die Feuerwehr. Damit führte er die Tradition seiner weit verzweigten Familie fort: Großvater, Brüder, Onkel, Vettern und viele weitere Verwandte waren oder sind ihr verbunden – als Unter- und Weststädter selbstverständlich der Abteilung Stadtmitte. Als 15-Jähriger trat er dem Spielmannszug bei. Eine Jugendabteilung gab es damals noch nicht, sie wurde erst 1985 gegründet: „Ich war Pfeifer, obwohl ich ganz unmusikalisch bin“, blickte Gugel launig beim Besuch der TAGBLATT-Redaktion im Jahr 2006 zurück, als er „Gast der Woche“ war. Später wurde der Brandmeister auch Leiter der Tauchergruppe, machte sich überdies mit großer Hingabe und viel Beharrlichkeit um die Historie der Abteilung verdient und füllte das Amt des Sportbeauftragten der Feuerwehr im Landkreis aus.

„Sein Tod bestürzt uns zutiefst“, sagt Feuerwehr-Kommandant Steffen Kratzel, „die Tübinger Feuerwehr verliert mit ihm einen zuverlässigen und hoch engagierten Kameraden.“ Eine Herzenssache sei für Gugel die Aufarbeitung der Geschichte der Tübinger Feuerwehr sowie der Erhalt der historischen Gerätschaften und des Feuerwehrarchivs gewesen. „Für viele von uns war er ein Vorbild, vor allem aber war er ein herzensguter Mensch und Freund. Wir sind in tiefer Trauer und unsere Gedanken sind bei Bernd und seiner Familie.“

Freibad als Wohnzimmer

Wer im Sommer das Tübinger Freibad oder im Winter das Hallenbad Nord besuchte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dort auf Gugel getroffen sein: Der gelernte Drucker orientierte sich im Jahr 2013 beruflich um – und wurde Bademeister. Auch diese Aufgabe füllte er wie alles andere auch mit großer Leidenschaft aus. „Das Freibad“, sagt Jens Walter, Abteilungsleiter Schwimmbäder bei den Stadtwerken Tübingen (SWT), „war ohne Übertreibung sein Wohnzimmer. Er hat sich hier unglaublich wohlgefühlt. Er hat sich immer so auf den Sommer im Freibad gefreut, das glaubt man gar nicht. Die Art und Weise, wie er offen auf Menschen zuging, wird fehlen.“