Sprayer in Tübingen: Boris Palmer: „Beweislage ist ziemlich eindeutig“

Schon lange ist in Tübingen von OB Boris Palmer eine Prämie für Zeugen ausgelobt, die die Behören auf die Spur von illegal sprayenden Leuten bringen. Im aktuellen Fall in der Tübinger Mühlstraße könnte sie greifen.
Jan Woitas/dpa- Tübingen setzt eine Prämie gegen illegale Sprayer ein – nun könnte sie zum zweiten Mal greifen.
- Ein mutmaßlicher Sprayer wurde am Samstag am Europaplatz festgenommen.
- Zeugen meldeten, dass er mit zwei Unbekannten Graffiti angebracht haben soll.
- Der 21-Jährige widersetzte sich der Polizei und wurde in Gewahrsam genommen.
- OB Boris Palmer lobt den Einsatz und hofft auf Abschreckung der Szene.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Die Beweislage ist ziemlich eindeutig“, so OB Boris Palmer gegenüber unserer Zeitung: „Trotzdem kann es jetzt noch ein bisschen dauern, bis das Verfahren beendet ist.“ Wenn der mutmaßliche Sprayer vom Samstag (wir berichteten) tatsächlich aufgrund der Zeugen in der Mühlstraße gefasst und verurteilt würde, könnte die von der Stadt ausgelobte Prämie für Hinweisgeber auf Sachbeschädigung greifen – zum zweiten Mal seit ihrer Einführung 2019. Das teilte Palmer gleich am Montagmorgen als Reaktion auf die Ereignisse vom Wochenende mit: „Mutige Menschen haben einige dieser Schmierfinken erwischt. Das ist die Belohnung von 5000 Euro wert“, so Palmer zunächst auf Facebook: „Ich würde sagen, das war ein dicker Fisch, der da ins Netz gegangen ist.“
Am frühen Samstagmorgen hatte ein 21-jähriger Mann aus Unterjesingen Polizeibeamten auf dem Tübinger Europaplatz heftigen Widerstand geleistet. Die Polizisten waren alarmiert worden, nachdem Zeugen den Beschuldigten sowie zwei weitere Unbekannte auf der Mühlstraße beobachtet hatten: Dort hätten sie mit Spraydosen sogenannte Graffiti-Tags angebracht. Als die Passanten die Sprayer zum Aufhören aufforderten, hätten die drei die Zeugen bedroht, worauf diese eine städtische Nacht-Streife informiert hätten. Später kam es auf dem Europaplatz zu einem Handgemenge mit zwei Polizeistreifen und einem Polizeihund (wir berichteten), bevor der Beschuldigte in Gewahrsam genommen wurde.
Die Polizei hatte offenbar ausreichend einschlägiges Material bei dem 21-Jährigen gefunden. Bei einer Verurteilung überweise die Stadt die Belohnung flugs an die Zeugen, „die Kriterien sind dadurch für uns sehr einfach überprüfbar“, so Palmer. Und ein Ziel sei durch die jüngste Festnahme und Berichterstattung schon erreicht: „Die öffentliche Debatte ist sensibilisiert für das Thema.“ Es gehe darum, die Szene „unter Druck“ zu setzen und immerhin dafür zu sorgen, dass es sich einige Sprayer zweimal überlegen, das Risiko einzugehen. Deshalb appellierte er auch bei Facebook am selben Tag: „Weitere Geschädigte bitte gerne bei mir melden. Das sollte alles zur Anzeige gebracht werden.“

Graffiti in der Tübinger Mühlstraße: Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei gestellt. Zeugen könnten von OB Boris Palmer eine Belohnung ausbezahlt bekommen, sollte der Beschuldigte verurteilt werden.
Moritz SiebertIn jüngerer Zeit hatte Palmer immer mal wieder das Thema illegale Sprayer auf die Tagesordnung gebracht, im vergangenen Herbst hatte er die Belohnung für Hinweisgeber sogar mithilfe eines Spenders in einem Fall auf 10.000 Euro verdoppelt, nachdem das Haus der Museumsgesellschaft besprüht worden war. Städtisches Geld geflossen ist allerdings nur einmal, als eine Gruppe Jugendlicher ermittelt worden war, die auf einem Spielplatz in Lustnau gesprayt hatten. Seit 2019 gibt es eine Prämie für Zeugen in Tübingen, die zunächst 2500 Euro, nun 5000 Euro beträgt. Die Idee selbst, so Palmer, habe er übrigens vom Tübinger Alt-Bürgermeister Eugen Schmid geklaut.


