Am Dienstag beginnt das Abitur: Endspurt im Lernmarathon – das rät der beste Abiturient im Land (Note: 0,67)

Jan Schick rät zu Lernplänen mit festen Time-Slots: Mathe morgens von sieben bis neun zum Beispiel.
Jessy Stapf- Jan Schick, bester Abiturient 2024 in Baden-Württemberg, gibt Tipps zur Prüfungsvorbereitung.
- Fakten: Schick erzielte 0,67 Notenschnitt; arbeitet nun als Software Engineer.
- Lernstrategien: Pomodoro Technik, Active Recall, Lernpläne mit festen Time-Slots.
- Empfehlungen: Früh anfangen, gezieltes Lernen und Entspannung kombinieren.
- KI bei Vorbereitung: sinnvoll als Coach und Sparringspartner.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jan Schicks Abi-Note hat eine Null vor dem Komma. Mit einem Schnitt von 0,67 war er vergangenes Jahr der Beste im ganzen Land. In fast allen Fächern schaffte Schick 15 Punkte. Der ehemalige Schüler des Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasiums weiß also, wie so ein Abi zu schaffen ist – und auch, ob KI bei der Vorbereitung das Mittel der Wahl sein sollte: Der 20-Jährige arbeitet inzwischen als Software Engineer bei einem Berliner Start-up, das ihn nach einem viermonatigen Praktikum fest einstellte. Für ihn passe diese Mischung aus Arbeit und Learning bei Doing, sagt er. Der KI-Bereich verändere sich in einer Geschwindigkeit, „da kommt kein klassisches Studium hinterher“.
Herr Schick, was war für Sie bei der Abi-Prüfung vergangenes Jahr die größte Hürde?
Das Zeitmanagement ist ein wichtiger Punkt. Ich habe immer sehr ausführlich geschrieben und konnte mir dadurch zum Beispiel meine Spanischklausur am Ende nicht mehr durchlesen. In den fünf Stunden muss man liefern. Dabei fällt es Jugendlichen heute schwer, die Aufmerksamkeit so lange zu halten. Von Social Media sind wir Kurzform-Inhalte gewohnt und unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer.
Zahlt sich der sehr gute Notenschnitt für Sie aus?
Auf jeden Fall. Er öffnet sehr viele Türen, auch bei der Arbeit – und dann zählt, wie man den Raum betritt. Aber: Ich studiere nicht und habe es in nächster Zeit auch nicht vor. Es gibt also keinen NC, bei dem der Abi-Schnitt eine Rolle spielen würde. Das Thema Lernen beschäftigt mich aber weiterhin. Ich bin zum Beispiel mit Professor Thomas Schutz hier in Berlin in regelmäßigem Austausch. Er ist Mikro- und Molekularbiologe und Lerntherapeut. Wir sind uns einig, dass sich in der Bildung einiges ändern muss. Das diskutieren wir auch in unserem gemeinsamen Interview-Buch „Lern dich glücklich III“.
Würden Sie Ihre Schulzeit wieder so verbringen? Oder alles doch etwas lockerer angehen?
Ich war nicht der klassische Streber. Mein Wochenplan war voll mit außerschulischen Aktivitäten, Fußballspielen zum Beispiel. Ich habe es relativ locker genommen und mir keinen Druck gemacht. Ich bin überzeugt, dass der gute Schnitt auch dadurch zustande kam. Vor dem mündlichen Abi war Neckarfest und Europameisterschaft. Es muss nicht sein, dass man fünf Stunden am Tag büffelt.
Hatten Sie Lernroutinen?
Man muss unterscheiden zwischen gezieltem Lernen und beiläufigem Lernen. Ich war seit der ersten Klasse aufmerksam, interessiert, habe Hausaufgaben gemacht und dadurch „unbewusst“ eine sehr gute Basis aufgebaut. Es gibt Strategien und Tipps, die beim Lernen helfen können. Für mich hat die „Pomodoro Technik“ gut funktioniert. Arbeits- und Pausenintervalle wechseln sich dabei ab. Oder die Methode „Active Recall“, bei der das, was bereits gelernt wurde, proaktiv aus dem Gedächtnis abgerufen werden soll. Das Prinzip ist also: nicht nur durchlesen, sondern das Gehirn immer wieder herausfordern.
Welchen Lernvorlauf hatten Sie vor dem Abi? Oder brauchten Sie das nicht?
Mit gezieltem Lernen war ich sehr spät dran. Vor Englisch habe ich eine Woche vorher voll durchgepowert. Das geht aber nicht, wenn man keine Grundlage hat. Vor der Prüfung habe ich mir einen Kalender genommen und Time-Slots für bestimmte Fächer reserviert – Mathe, morgens von sieben bis neun zum Beispiel. Man sollte auf jeden Fall so früh wie möglich anfangen zu lernen.
752 Tübinger Abiturienten
An den allgemeinbildenden Gymnasien laufen die schriftlichen Abiturprüfungen von 29. April bis 21. Mai. Zum Auftakt am Dienstag werden von 9 bis 14.15 Uhr Deutschklausuren geschrieben. Die mündlichen Prüfungen sind vom 30. Juni bis 9. Juli. An den beruflichen Gymnasien hat das schriftliche Abitur bereits begonnen. Die letzten Klausuren sind am 30. April, mündlich wird an den beruflichen Schulen vom 30. Juni bis 7. Juli geprüft.
Im Regierungsbezirk Tübingen gibt es laut Regierungspräsidium 8085 Abiturkandidatinnen und -kandidaten, 5047 an allgemeinbildenden Schulen und 3038 an Beruflichen Gymnasien.
An Tübinger Schulen legen 752 Schülerinnen und Schüler die Prüfungen ab. Am Wildermuth-Gymnasium sind es 122, am Gymnasium der Geschwister-Scholl-Schule 115. Das Kepler-Gymnasium hat 88 Anwärter, das Uhland-Gymasium 82, im Carlo-Schmid-Gymnasium sind es 71.
An der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule wollen 48 Schülerinnen und Schüler das Abitur ablegen, an der Waldorfschule 39, an der Gewerblichen Schule sind es 56, an der Mathilde-Weber-Schule 70. Fehlen noch die Wilhelm-Schickard-Schule mit 41 und das IB Bildungszentrum mit 20 Abiturprüflingen.
Sie sind perfektionistisch veranlagt, sagen Sie. Mut zur Lücke war dann kein Thema?
Ich musste natürlich auch priorisieren. Bei den Klausuren hat man ja zum Glück in der Regel die Wahl zwischen mehreren Aufgaben. Ich habe mir vorab überlegt, was aus Sicht des Lehrers ein gutes Thema im jeweiligen Zusammenhang sein könnte. Auch die Verbindung zu großen Themen, die die Welt beschäftigen, herzustellen, ist sicher gut. Man sieht dann übrigens auch mehr Sinn darin, sich mit dem Stoff zu beschäftigen.
Was raten Sie Abiturienten auf den letzten Metern? Ist jetzt überhaupt noch etwas zu machen?
Man sollte auf jeden Fall versuchen, übergeordnete Konzepte zu verstehen. Gezieltes „Hardcore-Lernen“ am besten mit bestimmten Lernmethoden kombinieren: Karteikartenschreiben zum Beispiel und eine gute Lernumgebung schaffen. Ich bin vor den Prüfungen am Abend spazieren gegangen, habe mich gesund ernährt und ausreichend geschlafen. Wichtig ist auch: cool bleiben. Es ist nicht alles im Leben, man sollte sich keine schlaflosen Nächte machen und dann übermüdet in die Prüfung gehen. Für mehr Motivation habe ich mir in Englisch zum Beispiel schöne Songtexte zum Thema gesucht, also ein bisschen „Out of the box“ gearbeitet. Ein Tipp an die, die viel mit dem Ipad arbeiten: Fünf Stunden mit dem Füller zu schreiben war eine ziemlich große Umstellung und sollte geübt werden. Auch meine Handynutzung habe ich in dieser Zeit gezielt eingeschränkt, um nicht abgelenkt zu sein.
Sie arbeiten mittlerweile im KI-Bereich. Wie und wo ist KI bei der Prüfungsvorbereitung eine sinnvolle Option?
KI kam erst in meinem letzten Schuljahr auf. Ich habe sie selten eingesetzt, weil ich das Gefühl hatte, es selbst besser zu machen. Es ist wichtig, dass man Erlerntes übt. Um sein Wissen zu prüfen, kann KI sinnvoll sein, also quasi als Gegenüber und Sparringspartner. Oder auch als Coach. Es ist eine Riesenmöglichkeit, man braucht aber unbedingt einen guten Wissensfilter, um zu prüfen: stimmt das? Man muss sich aktiv mit dem Wissen auseinandersetzen.
Abitur 2025 in Baden-Württemberg
Im Zeitraum vom 29. April bis zum 9. Juli müssen die Schülerinnen und Schüler ihre Kenntnisse unter Beweis stellen. Alle Infos zu den Prüfungsterminen und einzelnen Fächern gibt es hier:


