50 Mitarbeitende in Kirchentellinsfurt betroffen
: Porsche zieht bei Cellforce endgültig den Stecker

Nach dem Aus für die Batterien-Produktion im August 2025 will der Autobauer nun den Standort komplett aufgeben.
Von
Benjamin Breitmaier,
Thomas de Marco
Kirchentellinsfurt
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Kirchentellinsfurt,  bei der Batteriefabrik Cellforce droht Arbeitsplatzabbau.

Noch im Dezember behauptete das Unternehmen, dass der Standort in Kirchentellinsfurt für die Forschung aufrecht erhalten werde. Jetzt gibt der Autobauer den Standort ganz auf.

Klaus Franke/Archiv
  • Porsche gibt den Standort Kirchentellinsfurt auf – Tochter Cellforce wird vollständig geschlossen.
  • Der Konzern richtet sich neu aus und beendet auch Porsche E-Bike Performance sowie Cetitec.
  • Insgesamt sind rund 500 Beschäftigte betroffen, in Kirchentellinsfurt etwa 50 Mitarbeitende.
  • Die Batteriezell-Produktion war im August 2025 gestoppt worden, viele Jobs fielen bereits weg.
  • Fördermittel flossen zuvor in Millionenhöhe, ob sie zurückkommen, ist laut Bericht unklar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Automobilhersteller Porsche schließt sein Tochterunternehmen Cellforce mit Sitz in Kirchentellinsfurt komplett: Wie der Konzern am Freitagmittag mitteilt, richtet er sich strategisch neu aus und trennt sich deshalb von Tochtergesellschaften. Neben der Cellforce Group GmbH sollen auch Porsche E-Bike Performance in Ottobrunn sowie Cetitec in Pforzheim nicht mehr weitergeführt werden. Insgesamt betrifft diese Entscheidung rund 500 Beschäftigte.

Für Cellforce bestehe keine ausreichend tragfähige Perspektive mehr, meldet Porsche. Die Geschäftsleitung werde daher Gespräche mit dem Betriebsrat zur Schließung des Unternehmens in Kirchentellinsfurt aufnehmen. Davon seien rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Noch am 4. Dezember hatte es beim Autobauer geheißen, Cellforce konzentriere sich künftig auf die Forschung und Entwicklung von Batteriezellen. Vorgesehen sei es, die Forschung und Entwicklung als eigenständige Einheit weiterzuführen.

Produktion wurde schon im August 2025 gestoppt

Zuvor hatte Porsche im August 2025 die als Batteriezell-Leuchtturmprojekt bezeichnete Produktion bei seiner Kirchentellinsfurter Tochter gestoppt, noch bevor sie richtig gestartet war. 200 von 280 Beschäftigten verloren seinerzeit ihren Job – obwohl bereits 46,5 Millionen Euro Fördermittel in das Projekt geflossen sind. Die Entlassungen waren zum 30. November 2025 rechtskräftig geworden. Schon damals häuften sich die Hinweise, dass die Porsche-Tochter das Gelände ganz aufgeben könnte. Das ist nun passiert: Der Konzern trennt sich auch von den restlichen Beschäftigten.

Zuvor hatte Cellforce-Mitarbeiter bereits gemutmaßt: Der Standort Kirchentellinsfurt werde geschlossen und die Mitarbeiter mittelfristig nach Bietigheim verlegt. Alles werde für diesen Umzug vorbereitet. In Kirchentellinsfurt würden zudem hochpreisige Chemikalien und Arbeitsmaterial vernichtet, die für die Produktion der Batteriezellen nötig gewesen wären. Werkzeuge und Werkbänke würden verkauft.

Die Schließung hat auch eine politische Komponente

Porsches abrupte Kehrtwende hatte schon damals auch eine politische Komponente. Cellforce wurde vom Bund und dem Land Baden-Württemberg mit 60 Millionen Euro gefördert. 47 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits erhalten. Davon stammen 32,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln und 14 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt. Ob diese Mittel jemals wieder zurückfließen, ist bis dato unklar. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Anne Zerr aus Reutlingen kritisierte bereits im September 2025: „Es ist skandalös, dass Konzerne sich öffentliche Fördergelder sichern können, um dann ihre Projekte sang- und klanglos einzustampfen. Porsche muss für die Verschwendung von Steuermitteln geradestehen.“

Als die Produktion im Dezember geschlossen wurde, hatte Kirchentellinsfurts Bürgermeister Bernd Haug verständnislos auf die Vorgänge bei Cellforce reagiert. Für die Produktion von Batterien hatte das Unternehmen eine stärkere Stromleitung benötigt, die unterirdisch verlegt wurde. Dazu wurde ein Powerhaus gebaut, das den Energiebedarf des Unternehmens sichern sollte. Der Aufbau einer Fabrik habe deutlich größere bürokratische Hürden als der Bau eines einfachen Hauses, betonte Haug seinerzeit.