Spitzenforschung: Die Tübinger Uni bleibt „exzellent“

„Lasst uns zusammen jubeln für die Presse“, sagte Uni-Rektorin Karla Pollmann in der Alten Aula, stieg von der Bühne und stellte sich zu den Uni-Mitarbeitenden.
Klaus Franke- Tübingen, Karlsruhe, Heidelberg behalten Exzellenztitel mindestens bis 2033.
- Tübingen erhält Status erneut; zuvor 2012 und 2019 gefördert.
- Exzellenzunis bekommen 10–15 Mio. Euro jährlich plus Cluster-Mittel.
- Tübingen hat sechs Exzellenzcluster; neun Anträge eingereicht.
- Entscheidung zu Freiburgs Neuantrag fällt am 2. Oktober dieses Jahres.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als die Musik verklungen ist, steht Karla Pollmann auf der Bühne. Sie wartet, bis sie die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der geladenen Gäste hat. Die Alte Aula in der Münzgasse ist gut gefüllt am Mittwochabend: Verwaltungsangestellte, Clustersprecher, Ehrensenatoren. Dann reißt die Uni-Rektorin in ihrer unnachahmlichen Art mit einem Mal die Arme nach oben: „Tübingen hat's geschafft“, ruft sie. „Bravo! Das ist ein ganz besonderer Tag für unsere Universität.“ Eine Geste wie ein Schauspiel.
Wieviel Geld es gibt, weiß man erst im Herbst
Viel Zeit zum Einstudieren aber hatte Pollmann nicht. Erst kurz vor der offiziellen Verkündung der Exzellenzkommission um 18 Uhr erfuhren die Rektoren von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) online von ihrem Exzellenzstatus. Eine echte Überraschung hingegen dürfte die Entscheidung nicht gewesen sein, die Voraussetzungen waren ideal: Schon im Mai vergangenen Jahres hatte die Tübinger Universität kräftig abgeräumt. Sie bekam sechs Exzellenzcluster, mit neun Anträgen hatte sie sich beworben. Keine andere Universität in Deutschland hat so viele ureigene Anträge durchgebracht. Mindestens zwei Cluster sind erforderlich, um sich überhaupt um den Exzellenzstatus zu bewerben, der neben Prestige auch eine Menge Geld bedeutet: Exzellenzuniversitäten erhalten durch die Förderlinie in den nächsten sieben Jahren zusätzlich zu ihren Exzellenzclustern (bis zu zehn Millionen Euro) zwischen zehn und 15 Millionen Euro jährlich.
Auf welchen Betrag sich die jährliche Förderung aber genau beläuft, erfährt die Universität erst im Herbst. Denn neben den Exzellenzuniversitäten, die sich um die Weiterbewilligung beworben hatten, möchten sieben weitere Universitäten und vier Verbünde im Rahmen der zweiten Wettbewerbsrunde eine der bis zu fünf neuen Exzellenzuniversitäten werden. Dazu erläuterte DFG-Präsidentin Prof. Katja Becker in der offiziellen Pressekonferenz um 18 Uhr, dass der Pool der fünf Plätze nicht ausgeschöpft werden müsse. Sollte dies nicht der Fall sein, erhielten die verbleibenden Exzellenzuniversitäten jeweils höhere Mittel. Die Ortsbesuche im Neuantragsverfahren finden laut DFG zwischen April und Juni 2026 statt. Am 2. Oktober sollen die Ergebnisse der Neubewerbungen vorliegen.
Das Geld, das die Uni Tübingen ab Januar 2027 bekommen wird, ist, wie Pollmann später im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, ziemlich frei einsetzbar für Forschung und Lehre. „Wir sind aber mit fünf Zielen in die neue Förderphase gegangen“, sagt sie, heißt: Bei der knapp zweitägigen Vor-Ort-Begutachtung, bei der ein international besetztes Expertenkomitee überprüft, ob die Hochschulen die Voraussetzungen für die dauerhafte Förderung erfüllen, musste auch ein Plan vorgelegt werden, wofür ein Großteil des Geldes verwendet werden wird. Zu diesen „fünf Zielen“, die die Uni-Leitung formuliert hat, gehört neben dem Ausbau der schon bestehenden interdisziplinären Forschungsplattformen und der noch intensiveren Vernetzung verschiedener Fächer auch der Ausbau der internationalen Netzwerke und Partnerschaften, insbesondere mit dem Globalen Süden.
Es sind viele einzelne Aspekte – von Karriereförderung bis Diversität und Gleichstellung –, die Pollmann auf der Bühne aufzählte, als sie von der „besonderen Verantwortung“ sprach, die Universitäten gerade jetzt hätten: Jetzt, in einer von „Umweltveränderungen, geopolitischen Verschiebungen und technologischem Fortschritt“ sich wandelnden Welt. Angesichts dieser Umbrüche komme der Universität als Ort der Wissenschaft „eine umfassendere gesellschaftliche Verantwortung zu“. Pollmann: „Wir sehen uns als eine gesellschaftliche Akteurin, die sich nicht nur auf Wissenschaft konzentriert, sondern auch Orientierung geben will. Die nicht nur forscht, sondern auch zu Lösungen beitragen wird.“ Die finanzielle Förderung des Bundes und der Länder erlaube es, an das bislang Geleistete anzuknüpfen und die Universität entlang der innerhalb der Exzellenzstrategie selbstgesetzten Ziele weiterzuentwickeln.
Der Dank am Ende galt besonders dem Forschungsdezernat, das den Evaluationsprozess akribisch vorbereitet hatte. „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Mitarbeitenden im Forschungsdezernat haben sehr hart gearbeitet und sich weit über das Selbstverständliche hinaus für das große Ziel engagiert“, sagte Pollmann und alle Anwesenden schauten sich unter heftigem Applaus zu Andrea Schaub um, der Leiterin des Forschungsdezernats, die als das Gesicht hinter dem Exzellenzerfolg der Universität Tübingen gilt.
Zehn Exzellenzstandorte bleiben Exzellenzuniversitäten
Von den seit November 2019 geförderten Universitäten, bei denen die formalen Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind, werden alle Standorte weiterhin gefördert. Neben der Universität Tübingen sind das: die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die BUA bestehend aus Freier Universität (FU) Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die 2019 als Exzellenzuniversität ausgewählte Universität Konstanz trägt diesen Titel ab 2027 nicht mehr: Die Universität hatte ein Exzellenzcluster verloren und verfügt nicht länger über die formal nötigen zwei Cluster für den Titel der Exzellenzuniversität.

