100-Millionen-Finanzspritze vom Land
: Geldsegen aus Stuttgart für das Tübinger Uniklinikum

Die Landesregierung hat ein Sanierungsprogramm für die Uniklinika im Land geschnürt – mit rund 100 Millionen für Tübingen.
Von
Lorenzo Zimmer
Tübingen

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Nicht gesetzt

Dem Ärztlichen Direktor des Tübinger Uniklinikums Michael Bamberg ist die Freude über die Kunde aus Stuttgart deutlich anzumerken: „Das ist ein tolles Weihnachtsgeschenk!“ Die Sorgen seien erhört worden – am Mittwoch kam die Nachricht von der Landesregierung. Sie wird – vorbehaltlich der Zustimmung ihres Finanzausschusses – in den kommenden zwei Jahren 400 Millionen Euro in die Universitätsklinika in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen stecken.

Dieser Entscheidung waren im Laufe des Jahres mehrere Hilferufe und offene Briefe an Presse und verschiedene Vertreter der Landesregierung vorausgegangen: „Der Investitions- und Sanierungsstau an den Universitätsklinika und Medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs bedroht die Leistungsfähigkeit der Einrichtungen existentiell. Wir brauchen ihre Hilfe!“, hieß es im Mai dieses Jahres in einem gemeinsamen Schreiben der Uniklinika in Freiburg, Heidelberg und Tübingen.

Bamberg hatte auch persönliche Kontakte nach Stuttgart genutzt, um seinen und den Nöten seiner Kollegen besonderen Nachdruck zu verleihen: „Es gab konstruktive Gespräche mit Finanzministerin Edith Sitzmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer“, berichtet der Tübinger Klinikchef. „Sie haben sich unsere Sorgen ernsthaft angehört und jetzt reagiert.“ Wichtig sei in diesem Zusammenhang die konstruktive Zusammenarbeit beider Regierungsparteien – Grüne und CDU – gewesen: „Auch der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion hat vor wenigen Tagen in einer Rede das Investitionspaket ausdrücklich erwähnt“, erinnert sich Bamberg. Dies sei ein erstes positives Signal gewesen: „Da hat der Verbund aus Grünen und CDU offenbar sehr gut funktioniert“, so Bamberg.

Ursprünglich hatten er und seine Kollegen ein auf fünf Jahre angelegtes Programm mit 100 Millionen Euro jährlich gefordert. Die jetzt in Aussicht gestellte Finanzspritze ist in der geforderten Höhe, allerdings zunächst nur auf zwei Jahre angelegt: „Das ist kein Dämpfer“, so Bamberg. Finanzministerin Sitzmann habe in Gesprächen bereits angedeutet, in zwei Jahren erneut diskussionsbereit zu sein: „Ab 2020 kommt die Schuldenbremse, aber ich hatte schon den Eindruck, dass allen Beteiligten klar ist, dass das nicht in zwei Jahren abrupt abgebrochen werden kann“, berichtet Bamberg.

400 Millionen Euro in zwei Jahren für vier Uniklinika bedeuten 50 Millionen Euro pro Jahr und Klinikum. Das Geld soll möglichst brüderlich unter den vier Uniklinika aufgeteilt werden: „Welches Geld wann wohin geht, hängt auch davon ab, wie baureif welche Projekte wann sind“, so Bamberg. Es solle schon darauf geachtet werden, dass die Summe gerecht verteilt wird: „Aber es darf nicht sein, dass die Kohle dann irgendwo auf der Kante liegt, weil die Planungen für dieses oder jenes noch nicht weit genug sind.“

In Tübingen werde das Geld nicht nur in das Klinikum fließen (siehe Infobox): „Es geht auch um Forschungsbauten“, sagt Bamberg. Damit ist nicht nur das Tübinger Universitätsklinikum der Empfänger der guten Nachrichten kurz vor Weihnachten. Das bereits seit langem angedachte und geforderte Lehr- und Lernzentrum der Medizinischen Fakultät der Tübinger Universität rückt mit den Nachrichten aus Stuttgart ein ganzes Stück näher.

Was in Tübingen mit dem Geld passieren soll

Die Uniklinika im Land hatten für die kommenden fünf Jahre einen Investitionsbedarf von rund 3 Millarden Euro errechnet. Auch in Tübingen sei „viel zu tun“, betont Klinikchef Michael Bamberg. Er hat eine Prioritätenliste, der zufolge mit dem Geld hauptsächlich Gebäude saniert und Abteilungen modernisiert werden sollen.

Neubau Pathologie: Für die pathologische Abteilung mitsamt Forschungsflächen im Bereich der Humangenetik sind rund 35 Millionen Euro eingeplant.

Lehr- und Lernzentrum: Das mit 65 Millionen Euro veranschlagte Großprojekt der Medizinischen Fakultät der Universität hat eine Finanzierung aus Landesmitteln und eigenem Geld von Uni und Klinikum. Rund 25 Millionen Euro der neuen Mittel sollen aber in den Neubau einer Pflegeschule fließen, die in das Zentrum eingebaut wird.

OP-Säle: Der Zentral-OP des Uniklinikums wird saniert –die Finanzierung vom Land war dafür bereits geregelt. Doch als Ausweichmöglichkeit braucht das Klinikum Interimscontainer, die als OP-Säle genutzt werden können. Die Kosten für vier solche Container: 7,7 Millionen Euro.

Hautklinik: Hier gehe es, so Bamberg, um Brandschutz und die Sanierung des OP-Bereichs. Kostenpunkt: 9 Millionen Euro.

Zahn-, Mund- und Kieferklinik: Mit den Mitteln des Landes sollen hier Fassaden und Unterrichtsräume sowie ebenfalls OP-Säle erneuert werden: „Dort gibt es sehr viel Lehre, das ist dringend nötig“, so Bamberg.

Alle Bereiche: Allen Abteilungen des Klinikums werde die neue Zentralsterilisationseinheit in der ehemaligen Zentralküche zu Gute kommen, so Bamberg. Dafür sind rund 18 Millionen Euro veranschlagt. Weitere 6 Millionen Euro sind für den Ausbau der IT-Abteilung vorgesehen.