Unabhängig von Tech-Riesen
: Großes Interesse an Dino-Lösung aus Hall

Das „C't“-Magazin und „Der Spiegel“ würdigen die Pionierleistung der Stadt in Baden-Württemberg, die bereits Anfang der 2000er von Windows auf Linux gewechselt war.
Von
Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall
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Schwäbisch Hall - Altstadt im Winter - Schnee bedeckt die Dächer - Drohne - Luftbild - Vorne ist die Kirche St. Michael zu sehen

Die Stadt Schwäbisch Hall im Winter.

Thumilan Selvakumaran
  • Schwäbisch Hall wechselte Anfang der 2000er von Windows zu Linux – aus Kostengründen.
  • Heute arbeiten rund 800 Mitarbeitende mit Ubuntu, Gnome, LibreOffice, Nextcloud.
  • Microsoft Office nur bei nötigen API-Anbindungen, etwa zu SAP, im Einsatz.
  • Höfner: 95 % der Arbeit reicht LibreOffice; wenige Kompatibilitätsprobleme.
  • „C’t“ und „Der Spiegel“ würdigen Hall als „Dino“; Schleswig-Holstein vollzog 2025 den Abschied.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Welt hat sich durch Trump, Putin und andere Machthaber rasant verändert. Gerade die Abhängigkeit von den USA, nicht nur militärisch, sondern auch von den großen Techunternehmen, wird in Deutschland heiß diskutiert. Ohne Microsoft, Google und Co. läuft in vielen Institutionen und Betrieben allerdings nichts mehr. Dass es auch (weitestgehend) ohne geht, beweist die Stadt Schwäbisch Hall bereits seit Anfang der 2000er. Damals war die politische Lage freilich noch eine andere und die Entscheidung, lieber auf Open-Source-Software zu setzen, hatte ganz profane Gründe: Die Stadt steckte in einer Finanzkrise, nachdem die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihre Gewerbesteuern nicht mehr in der Kocherstadt abführte. Statt teure Windows-Lizenzen zu zahlen, wurden die Betriebssysteme auf Linux umgestellt.

Dieser Schritt verschafft der Stadt auch noch rund 25 Jahre später in den Szenekreisen Ruhm. Denn landauf, landab wird wieder stärker über die Unabhängigkeit von den US-amerikanischen Tech-Riesen diskutiert. Das „C’t“-Magazin würdigte den damaligen, pionierhaften Schritt der Haller Stadtverwaltung jetzt in einem Interview mit dem städtischen IT-Chef Michael Höfner. Rund 800 Mitarbeiter arbeiten innerhalb der Stadtverwaltung heute mit Ubuntu mit Gnome, LibreOffice, Nextcloud inklusive Collabora und weiteren Open-Source-Anwendungen. Mitarbeiter erhielten nur dann Microsoft Office, wenn dies aufgrund der Anbindung an APIs, etwa von SAP-Software, unumgänglich sei.

95 Prozent der Arbeit über LibreOffice

Das Magazin „Der Spiegel“ und „C't“ nennen die Stadt als „Dino unter den Open-Source-Anwendern in der Verwaltung“. In den Magazinen wird Höfner zitiert, dass LibreOffice, also die kostenlose Alternative zu Microsoft Office, von den Anwendern „sehr gut akzeptiert“ werde. Es sei aber wichtig gewesen, in den Anwendungen standardmäßig die Reiter-Ansicht zu aktivieren, „weil dies Features einfacher zugänglich macht“. Weiter heißt es in den Beiträgen, dass Kompatibilitätsprobleme mit Microsofts Formaten im Alltag kaum eine Rolle spielten: „Es kommt zwar mal vor, dass ein Format verrutscht, aber das ist meistens mit zwei oder drei Klicks behoben.“ Makros gehörten unter anderem aus Sicherheitsgründen ohnehin nicht zur Strategie. In unvermeidbaren Fällen öffne man Microsoft-Dokumente mit Makros in der IT-Abteilung auf einem isolierten System und konvertiere diese dort.

Auch der Funktionsumfang von LibreOffice sei für 95 Prozent der User „vollkommen ausreichend“, meint der IT-Leiter im Gespräch mit „C't“. Von Impress wünschten sich Nutzer zwar gelegentlich schönere Animationen, „aber das ist für mich verschmerzbar“. Support-Tickets zu LibreOffice machten höchstens fünf Prozent des Gesamtvolumens aus. Insgesamt ist Höfner, trotz der Nachteile im Hinblick auf Integration, zufrieden: „Ich verstehe es, wenn Verwaltungen Microsoft wählen, aber wir zeigen seit vielen Jahren, dass es auch anders geht.“ Er wolle weiterhin „so viel Open-Source-Software nutzen wie möglich, und zwar so plattformunabhängig wie möglich“. Das gelinge in Schwäbisch Hall auch aufgrund der relativ großen IT-Abteilung „mit Experten, die aus Überzeugung für uns arbeiten“.

Die Stadtverwaltung schreibt, dass für 95 Prozent der täglichen Arbeit LibreOffice „völlig ausreichend“ sei. Die Software werde „von unseren Mitarbeitern sehr gut angenommen“. Hall ist heute aber längst nicht mehr ein Unikum, was Verwaltungen mit Open Source betrifft. Das Land Schleswig-Holstein hat den Abschied von Microsoft jahrelang vorbereitet und im Oktober 2025 vollzogen. Daneben gibt es inzwischen weitere Kommunen und Institutionen.

Was bedeutet Open Source?

Open-Source-Software bezeichnet Programme, deren Quellcode öffentlich zugänglich sind. Das ist der wesentliche Unterschied zu normaler Software, deren Codes streng gehütete Geheimnisse der jeweiligen Unternehmen sind. Bei Open-Source-Software kann jeder den Code ansehen, verändern und verbreiten. Das schafft Transparenz. Üblicherweise ist die Nutzung auch kostenlos.