Training für Treppenlauf in Hall: Beißen und kämpfen – bis die Lunge brennt

Jürgen Schmidt liegt auch im Training zum Diak-Treppenlauf in der Schwäbisch Haller Altstadt vorn.
Tobias Würth- 394 Stufen beim Benefiz-Treppenlauf im Diak am 14. Juli, Training in Schwäbisch Hall.
- Jürgen Schmidt will eigenen Rekord brechen; gewann sechsmal.
- Lauftraining trotz Regen, diverse Teilnehmer motiviert.
- Lauforganisator Assenheimer betont: Mitmachen für alle.
- Nächstes Training am 30. Juni, Anmeldung noch möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Nieselregen finden sich 17 Läufer am Montagnachmittag am Frosch ein. Der Dachvorsprung des Hospitals bietet nur wenig Wetterschutz. Doch schon startet das Training im Haller Froschgraben für den 8. Benefiz-Treppenlauf im Diak-Klinikum, der am 14. Juli die Läufer außer Atem bringen wird. 394 Stufen, 65 Höhenmeter und dabei 17 Stockwerke. Die Messlatte liegt hoch.
„Es geht ums Mitmachen und Dabeisein. Jeder kann mitlaufen“, versichert Markus Assenheimer, der den Treppenlauf organisiert. Er trägt ein T-Shirt, auf dem viele Höhenmeter und Stufen aufgelistet sind, die er bei Wettkämpfen bewältigt hat.
Miteinander warm werden
Sandra Franz von der Pflegeschule leitet das Aufwärmprogramm. Ganz hinunter zum Boden mit den Armen und wieder schwungvoll nach oben. Man duzt sich. Man beäugt sich. Schüler sind dabei und Rentner.
„Leider gibt es in der Innenstadt keine 394 Stufen am Stück“, erläutert Assenheimer. Leider, leider müsse man daher leichte Joggingeinheiten einlegen, in denen man sich erholen kann, bis es zum nächsten Treppenmonster geht. „Das ist doch ein Vorteil“, denkt man sich als Trainingsneuling.
Der Lord der Stufen
Jürgen Schmidt macht sich warm. Der muskulöse Mann hat den Treppenlauf sechsmal gewonnen. Einmal kamen die beiden Schnellsten zeitgleich ins Ziel und Jürgen Schmidt hat seinen ersten Platz abgetreten. Im Jahr 2016 konnte Jürgen Schmidt den Weltrekordler im Treppenlauf, Thomas Dold, schlagen. Dieses Jahr will er seinen eigenen Rekord um rund drei Sekunden unterbieten und mit 2:19 Minuten ins Ziel kommen.

Beweisfoto: Alle kommen oben auf der Campus-Terrasse an und können noch lachen.
Tobias Würth„Ob das dann ein Sieg ist, ist egal.“ Beim Diak-Treppenlauf sprinten internationale Spezialisten mit, die Punkte für den Towerrun-Wettbewerb sammeln. „Schon krass. Die fahren stundenlang nach Hall, um für nur gut zwei Minuten im Wettkampf zu sein“, erläutert Assenheimer.
Paul Mittnacht von der WGL Schwäbisch Hall hat sich angemeldet. Der Nachwuchsstar ist einer der wenigen Sportler, die dem bisherigen Lokalmatador den Sieg streitig machen könnten. „Cool“, kommentiert Jürgen Schmidt, „dann habe ich Konkurrenz.“

Training zum Diak-Treppenlauf in der Schwäbisch Haller Altstadt.
Tobias WürthEs gehe darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. „Ab dem zehnten Stockwerk: beißen, kämpfen. Dann brennt die Lunge, brennen die Oberschenkel. Einfach weiter. Weiter, weiter, weiter“, rät Schmidt, der Laufschuhe in fantasievollen Farben trägt.
Sportlerin in Jeans
Bringt es überhaupt etwas, neben einem solchen High-Speed-Triathleten, der demnächst sein Höhentraining in den Alpen beginnt, in der Haller Innenstadt zu dilettieren? „Hier läuft eine Frau in Jeans mit“, sagt Assenheimer. Ihm geht es darum, den Sport in die Breite zu bringen. Das Training mitten in der Stadt betrachtet er als Werbung für die Aktion.
Also los. Eine kleine Aufwärmrunde führt rund ums Haus der Bildung. „Wenn man kalt losrennt, holt man sich auf den ersten Stufen gleich eine Verletzung“, mahnt Assenheimer. Die Sportler bahnen sich den Weg zwischen den Kunden im Kocherquartier hindurch. Musikschulleiter Florian Schellhaas steht unter einem Torbogen des ehemaligen Gefängnisses, beobachtet den Nieselregen, nickt an der E-Zigarette ziehend den Läufern zu.
Schnell erreichen die Hobbysportler die vermeintlich kleine Treppe des Froschgrabens, die hoch zur Gelbinger Gasse führt. Locker gemeistert. Ohne große Probleme geht es weiter zur Landratsamtstreppe. Auch kein Problem.
Diva der Treppen
Kurze Laufstrecke rüber zum Hafenmarkt und runter zum Hällisch-Fränkischen Museum. Von ganz unten geht es nach ganz oben ins Schwalbennest am Neubau. Gut, dass sich am Zwinger-Bollwerk ein kleiner Stau bildet. Man kann unbemerkt durchschnaufen. Kleine Dehneinheit mit Blick über die Stadt.
Nun steht die Diva aller Treppen auf dem Programm: 53 Stufen vom Marktplatz hoch zu St. Michael. Die gelbe Nummerierung, aufgezeichnete von den Freilichtspielen, zeigen den Lauffortschritt an. Am besten am Anfang drei Stufen nehmen und dann zwei. So lautet der Experten-Tipp. Die Treppenabsätze im Diak weisen ungerade Stufenzahlen auf. Um im Rhythmus zu bleiben, muss das durch eine ungerade Zahl an Stufen pro Abschnitt ausgeglichen werden. Jede Stufe einzeln zu nehmen, empfiehlt sich nicht: Die Trittfrequenz wäre dabei zu hoch.
Die Gruppe bleibt auch dank der kurzen Verschnaufpausen erstaunlich geschlossen zusammen. Die Königin aller Haller Stufenansammlungen wird gleich viermal erklommen. „Hier kann ich mein Trauma bewältigen“, sagt die Läuferin, die öffentlich nur mit ihrem Vornamen Lella auftauchen will. „Ich habe vor einigen Jahren mit meinen Kindern, die damals um die neun Jahre alt waren, den Treppenlauf gemacht. Ich dachte, ich komme locker hoch.“ Die Kinder hätten fröhlich pfeifend die Stufen genommen. „Ich wollte im Haupthaus links abbiegen. Da stand so ein Krankenbett und ich wollte mich gleich dort hineinlegen. Aber ich kam oben an.“ Sie sei heute deutlich fitter. Man müsse sich der Herausforderung stellen, meint die 49-Jährige.
Speed zum Ende hin
Eine Kerngruppe von besonders Ambitionierten schart sich auf dem Marktplatz um Jürgen Schmidt. Los geht es mit einem sportlichen Sprung über die steinerne Rathaus-Balustrade. „Schnell über den Marktplatz rennen“, gibt Schmidt die Taktik vor. Die ersten Stufen werden noch locker genommen. „Jetzt durchziehen“, ruft Schmidt bereits auf halber Höhe. Keiner kann mithalten. „Die Große Treppe kann manchmal schon eine Bitch sein“, sagen sich Schauspieler bei den Freilichtspielen. Jeder erhält seinen Trainingseffekt auf den Stufen, die bei Nässe besonders „bitchy“ wirken.
„Wir müssen jetzt ganz runter, um wieder ganz rauf zu gehen“, ist zu hören. Es geht vom Epinalsteg weiter über die Schiedgrabenbrücke, die nie enden wollende schmale Treppe am Neubau hoch zur Jugendherberge. „Blutsteigle“ steht auf dem Schild. Blut, Schweiß, Tränen. Hechel! „Schneller“, ruft ein Sportkamerad. Und tatsächlich: Da geht noch was.
Handlauf hilft
Im lockeren Trab erreicht die Gruppe den Campus Schwäbisch Hall. Dreimal die fünf Stockwerke hoch zur Dachterrasse. Und dabei gibt es dort einen Aufzug! Assenheimer erläutert den Sinn: „Hier kann man das Treppenlaufen mit Geländer üben.“ Denn den entscheidenden Boost holen sich die Sprinter durch das Ziehen am Handlauf. Der schmeichelt im Campus wunderbar ovalförmig den Händen. Dumm nur, dass sich die Treppe der Hochschule schier unendlich lange gegen den Uhrzeigersinn hochwindet. Das ist nichts für Rechtshänder.
Oben sind alle glücklich, genießen den Blick über die Stadt beim Dehnen. Die Sonne zeigt sich langsam hinter den Wolken. Die Gruppe absolviert im einstündigen Training weit mehr als doppelt so viele Stufen, wie für den Treppenlauf vorgesehen sind. Man würde den Wettkampf also locker schaffen. „Jetzt sollte man sich zum Lauf anmelden“, wirbt Assenheimer. Noch sind Plätze frei.
Training und Hauptlauf
Beim nächsten und letzten Training steh am Ende noch ein Schmankerl bereit: Nach den Altstadttreppen geht es im lockeren Laufschritt hinüber zum Diak, um dort zumindest 14 der 17 Stockwerke der Original-Wettkampfstrecke zu bewältigen. Treffpunkt ist am 30. Juni am Frosch im Froschgraben um 17 Uhr.
Anmeldung zum 8. Benefiz-Treppenlauf am 14. Juli, 18 Uhr und Information unter: diak-treppenlauf@diak-klinikum.de; Telefon 0791/ 753-2094. Noch sind Plätze für Einzelläufer und Staffeln frei.

