Redakteurin wagt Selbsttest in Obersontheim
: „Abhängen“ mit der Feuerwehr

Als Erwachsene bei der Einsatzabteilung der Feuerwehr einsteigen? Geht! Schritt eins ist hierbei meist die Teilnahme an einer Übung. Ein Selbsttest gibt einen Einblick.
Von
Alisa Grün
Obersontheim
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Brandaktuell 2026: Redakteurin Alisa Grün wagt den Selbst-Test und nimmt an einer Übung der Feuerwehr Obersontheim teil.

Im Ernstfall kann es sein, dass sich die Einsatzkräfte selbst retten müssen, also aus einem Fenster abseilen. Das durfte Redakteurin Alisa Grün ausprobieren: „Den eigenen Körper über den Fensterrahmen zu hieven und sich mit ganzem Gewicht in Seil und Gurt zu hängen, kostet Überwindung!“

Ufuk Arslan
  • Selbsttest bei Übung der Freiwilligen Feuerwehr Obersontheim: Fokus auf Selbst- und Personenrettung.
  • Abseilen aus dem Fenster und Arbeiten auf der Leiter wurden unter doppelter Sicherung geübt.
  • Atemschutz zeigte hohe körperliche Anforderungen – Ausrüstung ist deutlich schwer.
  • Feuerwehr bietet Spezialisierungen wie Atemschutz oder Absturzsicherung, Aufgaben sind klar verteilt.
  • Einstieg ab 18 ohne Vorkenntnisse: 70 Stunden Grundausbildung, Ausrüstung und Kosten trägt die Gemeinde.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ja, da hänge ich nun in den Seilen – an einer Hauswand in Mittelfischach, an einem Samstagabend, in Feuerwehrmontur. Meine Füße baumeln in luftiger Höhe, während ich mich darauf konzentriere, das Seil in meiner rechten Hand nicht loszulassen. Beziehungsweise – nur nach und nach, Zentimeter für Zentimeter, bis ich genügend Spielraum habe, um mit aller Kraft meine Beine gegen die Wand zu stemmen und mich langsam dem sicheren Boden zu nähern. Was für ein Kraftakt, diese Selbstrettung. Ich setze den ersten Fuß auf den Asphalt. Der zweite folgt. Endlich kann ich meine rechte Hand wieder öffnen und das Seil lockern. Das Adrenalin strömt durch meine Adern – obwohl nicht mal eine echte Gefahrenlage gegeben ist. Breit grinsend wende ich mich den anderen Kameradinnen und Kameraden zu, die mir mit Daumen nach oben signalisieren, dass ich die Selbstrettung aus dem oberen Stockwerk der Küblersäle gemeistert habe.

Wie fühlt es sich an, in der Einsatzkleidung zu stecken?

Doch warum das Ganze? Ich nehme an diesem Abend an einer regulären Übung der Freiwilligen Feuerwehr Obersontheim teil, um herauszufinden, wie es ist als Erwachsene bei den Brandschützern einzusteigen. Zwar schreibe ich schon seit einigen Jahren für „Brandaktuell“, kenne demnach die Materie „Feuerwehr“ im Landkreis, dennoch hatte ich bislang keine Vorstellung, wie es sich anfühlt in der Einsatzkleidung zu stecken, geschweige denn darin die Aufgaben einer Einsatzkraft zu bewältigen.

„Wer bei der Feuerwehr einsteigen möchte, macht eigentlich erstmal genau das: an einer Übung teilnehmen und damit für sich selbst prüfen, ob man das machen möchte“, erklärt mir Kommandant Daniel Finster. Da lohne es sich natürlich, wenn, wie an diesem Abend, aufwendigere Themen geübt werden. Nur weil die Presse dabei ist also eine Highlight-Übung veranstalten? Von wegen! Auf die Kameradinnen und Kameraden wartet mehrmals im Monat solch eine Einheit, jedes Mal mit einem anderen Thema, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt – da bedarf es keiner großen Worte.

Das merke ich, als wir noch am Feuerwehrhaus Obersontheim auf die unterschiedlichen Fahrzeuge verteilt werden – je Fahrzeug eine Einsatzgruppe. Heute sind wir etwa 40 Mann und Frau, die an der Übung teilnehmen. Mir wird im Löschfahrzeug (LF 20) der Platz des Melders zugewiesen. „Jede Funktion hat ihren festen Platz. Da gibt es also keine freie Sitzwahl und alle anderen drumherum wissen auch, welche Aufgabe die jeweilige Person hat“, macht mir mein Gruppenführer Tobias Gutheiß deutlich. Zu neunt fahren wir zu dem ausgedienten Wirtshaus, das als Übungskulisse dient.

Dort angekommen steht zuerst der Punkt „Tragbare Leitern“ auf der Agenda. Während ich noch mit der ungewohnten Schutzkleidung zu kämpfen habe – Latzhose, dicke Jacke, Handschuhe, Helm, immerhin überraschend leichte Stiefel, dafür aber ein mächtiger Gürtel samt Axt, die nun an meiner Taille baumelt – heben die anderen bereits die Leitern vom Dach unseres Fahrzeugs. Schnell werde ich eingewiesen, wie ich mitzutragen habe, wo ich stehen sollte und worauf zu achten ist, damit jederzeit alle in Sicherheit sind. Routiniert wird so die Leiter am Rahmen des Fensters im ersten Stock positioniert.

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Einmal jährlich erscheint Brandaktuell als Jahresmagazin des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall in Zusammenarbeit mit der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe. Darin enthalten sind aktuelle Themen, die die Feuerwehren im Landkreis beschäftigen, sowie ein umfassender Rückblick aller Wehren auf das Vorjahr. Die aktuelle Ausgabe von Brandaktuell gibt's hier kostenlos zu lesen.

Jetzt heißt es für mich: ab nach oben. „Immer nur die Sprossen greifen und im Reitersitz dann durchs Fenster ins Gebäude steigen“, erklärt mir Tobias Gutheiß. Höhenangst ist jetzt definitiv fehl am Platz. Daran verschwende ich in diesem Moment auch keinen Gedanken. Denn im Hinterkopf zu wissen, dass ich durch die Überwindung womöglich ein Menschenleben retten könnte, minimiert meine irrationale Angst vor der Höhe. Hinzu kommt natürlich, dass jeder Teilnehmende der Übung doppelt abgesichert wird. So auch, als der nächste Punkt geübt wird: die Personenrettung.

Das Opfer in dem Fall: ich. Hierfür wird mir von Jochen Maas, der die heutige Übung gemeinsam mit Herbert Werkmann leitet, zunächst ein Sicherungsgeschirr mitsamt eines Rettungsseils angelegt. Im Falle eines echten Einsatzes wäre das zeitlich nicht möglich, macht er mir deutlich. Gerettet werde ich von Andreas Frey, der mit Atemschutzgerät an der Übung teilnimmt, und mit dem ich nun zusammen wieder aus dem Fenster auf die Leiter und Strebe für Strebe nach unten steige.

Atemluft in Flaschen ist deutlich schwerer als gedacht

Genauso wie er ist auch Anica Groß Atemschutzgeräteträgerin. „Möchtest du die Ausrüstung mal aufsetzen?“, fragt sie mich. Und schon werden mir die Atemluftflaschen auf den Rücken geschnallt. Ich bin wortwörtlich schwer beeindruckt, denn es ist nicht mal eben mit einem vollbepackten Wanderrucksack zu vergleichen, was die Einsatzkräfte da mitschleppen, während sie sich etwa durch verrauchte Räume navigieren, am Boden kriechen oder damit Personen über eine Leiter retten müssen. Nicht das erste Mal steigt meine Hochachtung davor, was die Feuerwehrleute freiwillig, im Ehrenamt für ihre Mitmenschen leisten.

„Jeder hat die Möglichkeit, sich in seiner Feuerwehrlaufbahn zu spezialisieren – etwa auf Absturzsicherung oder zum Atemschutzgeräteträger“, unterstreicht Andreas Frey. Das zeigt sich mir während der Übung auch immer wieder: So sind etwa Kameraden der Absturzsicherung vorwiegend für die Absicherung bei der Selbstrettung aus dem Fenster zuständig, für die Fahrzeuge die Maschinisten. Im Falle eines Autounfalls wären die Spezialisten der Technischen Hilfeleistung besonders gefordert.

„Bei der Feuerwehr findet jeder seinen Einsatzbereich, mit dem er am besten die gesamte ‚Mannschaft‘ unterstützen kann“, macht auch Alexandra Zieffle deutlich. Sie ist selbst erst durch ihren Mann im Erwachsenenalter zur Feuerwehr gekommen. Inzwischen fungiert sie sogar als stellvertretende Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall.

Rund zweieinhalb Stunden nach meiner Ankunft am Feuerwehrhaus in Obersontheim komme ich dort auch wieder an – erschöpft und beeindruckt. Jetzt heißt es für alle: aufräumen und die Gerätschaften wieder bereit für einen Einsatz machen. Atemluftflaschen werden in der Werkstatt ausgetauscht. Die Verwendung wird akribisch dokumentiert. Die Uniformen werden von jedem einzelnen ordentlich im eigenen Spind verstaut, sodass sie sofort griffbereit sind. Und dann? Wird die Geselligkeit zelebriert, die auch die Zugehörigkeit zur Feuerwehr ausmacht. Im Aufenthaltsraum wird noch ausgiebig gewitzelt, Alltägliches geteilt und viel gelacht.

Starten als Erwachsene? Eine ziemlich gute Idee!

Mein Test geht damit zu Ende und ich ziehe mein Fazit: Wer auch nur einen kleinen Funken Interesse für die Feuerwehr in sich spürt, sollte unbedingt den Schritt wagen und auf die örtlichen Wehren zugehen. Darüber zu lesen, zu sprechen oder Reportagen zu sehen, sind letztlich doch kein Vergleich zu dem, wie es ist, selbst an einem Samstagabend im gelb-rot-blauen Outfit an einer Hauswand zu hängen und hautnah mitzuerleben, welche Leistung und welches Spezialwissen die Kameradinnen und Kameraden aller Altersklassen da körperlich und geistig in Extremsituationen abrufen. Starten im Erwachsenenalter? Absolut möglich und mit Sicherheit ausschließlich eine Bereicherung für alle Seiten!

Der Einstieg in die Feuerwehr für Menschen ab 18 Jahren

Wer sich der Einsatzabteilung einer Feuerwehr anschließen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Vorkenntnisse sind keine nötig, denn bevor es zum Einsatz geht, muss eine 70-stündige Grundausbildung absolviert werden.

Ist man dann ausgebildeter Freiwilliger Feuerwehrangehöriger, wird die regelmäßige Teilnahme an Übungen und Fortbildungen erwartet.

Kosten entstehen für die Tätigkeit keine: Die Gemeinde stellt die benötigte Dienst- und Schutzkleidung und trägt die Kosten für die Ausbildung oder den Verdienstausfall bei Einsätzen. Die Einsatzkräfte sind zudem bei Unfällen oder Sachschäden versichert.