R. Stahl AG in Waldenburg: Wer denkt eigentlich an die Mitarbeiter?


Der Nächste bitte: Mathias Hallmann (links) räumte nach acht Jahren vorzeitig den Posten, Claus Bischoff schon nach fünf Monaten. Mit dem Vorstandsdebakel nahmen die Machtspiele bei R. Stahl an Fahrt auf.
R. Stahl AG/Montage: Achim KöpfEs ist völlig verrückt. Egal, mit wem man im „Zirkus R. Stahl“ redet – allen geht es natürlich nur um die Beschäftigten. Ein knallharter Ex-Personaler, der dem eigenen Unternehmen eine „unheilbare Krankheit“ – nämlich die permanente Selbstzerfleischung – attestiert, die Vorgänge mit einer „Wildwest-Story“ vergleicht und diagnostiziert, dass dieses „toxische Betriebsklima“ die Beschäftigten auf Dauer fertigmache. „Die Firma muss zur Ruhe kommen“, sagt Holger Angrick. Zurecht. Ein besorgter IG-Metaller, der sich über den Zulauf der Belegschaft freut und gleichzeitig konstatiert: „Ich kenne kein Unternehmen, in dem Vergleichbares abgeht wie bei R. Stahl“, sagt der Beauftragte Stefan Horny.
Es tut weh. Wer die Ereignisse bei R. Stahl in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat, kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Es ist, als wolle der Stachel im Fleisch einfach nicht heraus. Egal, was das Unternehmen an Schlagzeilen produziert, es geht nur noch um Personal-Rochaden und Machtspiele. Waren die Hauptversammlungen bislang die – pardon – öffentlichkeitswirksamen „Highlights“ dieser Manege, so scheint es jetzt, als könne niemand mehr Zeit verlieren, um intern Claims abzustecken und sich nach außen zu positionieren. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“, weiß schon die Bibel. So gesehen laufen die Herzen bei R. Stahl gerade über. Und der Beobachter fragt sich nur noch still: Warum reden die nicht einfach mal miteinander, anstatt permanent übereinander herzuziehen?
Es lässt nicht viel darauf hoffen. Denn wie heißt es auch so schön? „Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.“ Auf der Website von R. Stahl liest man zum Thema „Corporate Governance“, zu Deutsch gute Unternehmensführung: „Wesentliche Voraussetzung dafür ist eine enge und effiziente Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat, die Achtung der Aktionärsinteressen, eine offene Unternehmenskommunikation sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Risiken und gesetzlichen sowie konzerninternen Regelungen.“ Wirklich, R. Stahl? Diesen Satz nimmt Euch, mit Verlaub, doch niemand mehr ab. Reißt Euch endlich mal zusammen, möchte man laut rufen und an den Werkstoren rütteln. Wenn denn jemand zuhören würde…
Es ist an der Zeit. Ein Runder Tisch könnte helfen, wenn alle Beteiligten wirklich bereit wären, sich zusammenzusetzen. Und sich mit Wertschätzung zu begegnen. Apropos Wertschätzung: Die gebührt vor allem den knapp 1000 Beschäftigten, die es jeden Morgen schaffen, sich trotz aller Ängste und Zukunftssorgen in den Betrieb zu schleppen und ihrer Pflicht nachzukommen. Weil sie Familien haben, die sie ernähren müssen. Es wäre an der Zeit, dass sich die Zankparteien bei R. Stahl auch ihrer Pflicht bewusst sind. Und ihre Ränkespiele beenden.