Next Step-Interview mit Cover-Star
: „Werde selbst die Repräsentation, die Du gebraucht hast“

InterviewSchauspielerin Andrea Guo wurde mit der Serie „Maxton Hall“ weltweit bekannt. Im Next Step-Interview spricht die 26-Jährige über den plötzlichen Erfolg, aktuelle Projekte und die Diversität in der Filmbranche.
Von
Alisa Grün
Kreis Schwäbisch Hall
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Andrea Guo - Cover-Star für Azubi Magazin Next Step, Ausgabe März 2026, der SHO

Mit ihrer Rolle als Lin Wang in der Serie „Maxton Hall“, deren erste Staffel 2024 erschien, wurde Andrea Guo schlagartig einem Millionenpublikum bekannt. Ende 2025 erschien die zweite Staffel, die dritte ist bereits abgedreht.

Vero Bielinski

Liebe Andrea, unser Next Step-Titelthema lautet „Von Kopf bis Fuß“ und beschäftigt sich grob gesagt mit Berufen, die Körperkontakt erfordern. Gibt es einen Job in diesem Bereich, den Du gerne mal ausprobieren würdest – vielleicht ja Kosmetikerin, Augenoptikerin oder Zahnmedizinische Fachangestellte?

Ja total, ehrlich gesagt würde ich gerne jeden Beruf mal machen. Aber ich glaube, als Pflegekraft würde ich viele verschiedene Geschichten miterleben können. Und das wiederum würde mir wahrscheinlich total viel Inspiration und Dankbarkeit geben.

Mit Deiner Rolle als Lin Wang in „Maxton Hall“ hast Du ein Millionenpublikum erreicht – die Serie gilt als die erfolgreichste Prime-Video-Serie aller Zeiten. Hast Du mit diesem Mega-Erfolg gerechnet?

Dass es wirklich so ein Mega-Erfolg wird, damit habe ich nicht gerechnet. Aber Mona Kasten (Autorin der Romane, auf welchen die Serie beruht, Anm. d. Red.) hat ja auch schon eine mega Fan-Community mitgebracht und die Geschichte war ja in Deutschland auch schon bekannt. Dass es jetzt in der Welt genauso gut ankommt und wir so groß gemacht werden, ist ein riesiges Geschenk.

Wie hat sich Dein Leben seither verändert?

Einiges hat sich in meinem Leben geändert. Wir, also mein Team und ich, arbeiten mehr. Wir fokussieren uns nicht nur auf mehr Projekte, sondern filtern auch, um mehr Qualität zu schaffen. Die internationale Welt hat sich für mich mit dem Film „Love Me Love Me“ (erschienen Februar 2026 bei Prime Video, Anm. d. Red.) geändert. Ich treffe auf Menschen, die ich vorher nur auf Bildschirmen gesehen habe, weil ich jetzt selbst ein Teil davon bin. Und das muss ich mir oft noch selbst vor Augen halten. Ich werde plötzlich in Gegenwart meiner Familie erkannt, was für sie auch komplett neu ist. Oder in Städten, wo ich vorher noch nie war, wird man erkannt und nach Fotos gefragt. Das ist schon alles echt verrückt.

Das ist die Schauspielerin Andrea Guo

Andrea Guo (Jahrgang 2000) verfolgt seit ihrer Jugend intensiv den Traum, Schauspielerin zu werden. 2017 begann sie ihr Schauspielstudium in Köln, das sie 2019 abschloss, und war danach in verschiedenen Rollen in Theater sowie Film und Fernsehen zu sehen. Mit ihrer Rolle als Lin Wang in der Serie „Maxton Hall“, deren erste Staffel 2024 erschien, wurde Andrea schlagartig einem Millionenpublikum bekannt. Ende 2025 erschien die zweite Staffel und die dritte ist bereits abgedreht. Das internationale Projekt „Love Me Love Me“, in dem sie eine der Hauptrollen übernimmt, erschien Anfang Februar 2026. Zudem feiert die Serie „House of Yang“ Ende Februar ihre Premiere auf der Berlinale. Parallel dazu arbeitet sie immer wieder mit Marken wie Bulgari, Louis Vuitton und Dior zusammen. „Als Kind habe ich kaum asiatische Vorbilder im deutschen Fernsehen gesehen. Heute möchte ich genau das für eine neue Generation sein“, sagt Andrea.

Wie wählst Du Deine Projekte aus? Gibt es Themen oder Rollen, die Dir besonders am Herzen liegen?

Ich gehe jetzt bewusster an meine Projekte und besonders spannend finde ich Rollen, die man nicht direkt durchschaut. Oder Rollen, wofür ich mich richtig reinsteigern muss und eventuell monatelang einen Skill, eine Sprache oder eine Sportart lernen muss. Allerdings, was ich weiterhin spannend finde, sind Buchverfilmungen. Sie geben einfach schon so viel her und machen die Figurenarbeit einfacher aber auch spezifischer.

Neben dem Genre „Young-adult-romance“ hast Du auch schon in Sci-Fi-Serien wie „The swarm“ mitgespielt. Was schätzt Du besonders an der Vielseitigkeit deiner Rollen?

Ich liebe es, mich in den verschiedenen Rollen und Genres auszuprobieren. Das ist wirklich das Schönste an meinem Beruf – diese Vielseitigkeit –, dass ich mich ständig neu wiederfinden, in verschiedene Geschichten eintauchen und mich mit der Psyche verschiedener Figuren beschäftigen muss.

Du bist aktuell im Film „Love Me Love Me“, einer italienischen Produktion in englischer Sprache, zu sehen. Deine Karriere hat auch international richtig Fahrt aufgenommen. Wie gehst Du mit dem wachsenden öffentlichen Interesse um?

Ich versuche, mich nicht zu verstellen und mir selbst treu zu bleiben. Klar ist da auch ein Druck, zu wissen, dass Menschen auf einen schauen und eine Erwartungshaltung haben könnten. Aber umso wichtiger ist es dann, nicht die Fassung zu verlieren und weiter dranzubleiben. Mit einem richtigen Team und tollen Menschen an meiner Seite fällt es mir leichter.

Andrea Guo - Cover-Star für Azubi Magazin Next Step, Ausgabe März 2026, der SHO

Andrea Guo bei der Premiere des Films „Love Me Love Me“ in Rom im Frühjahr – auch so etwas gehört inzwischen zum Leben der jungen Schauspielerin.

Stefanie Ganschow

Du hast einmal gesagt, dass Du als Kind kaum asiatische Vorbilder im deutschen Fernsehen hattest. Was bedeutet es Dir persönlich, ein Zeichen für mehr Diversität in der deutschen und internationalen Filmbranche zu setzen?

Ich sehe es als Chance. Mich ehrt es total, jetzt schon eine Vorbildfunktion haben zu können. Ich hoffe, dass ich mit meiner Leidenschaft für meinen Beruf und für meinen Traum einfach andere dabei unterstützen kann, auch ihren Weg zu gehen. Vor allem hoffe ich, dass sich Menschen, die sich unsichtbar fühlen, trauen, sich zu zeigen. Denn es ist möglich, dadurch sogar selbst ein Vorbild zu werden.

Gab es in Deiner bisherigen Karriere Momente, in denen Du Dich aufgrund Deines asiatischen Hintergrunds besonders durchsetzen musstest?

Glücklicherweise gab es nie grenzüberschreitende Momente in meiner Laufbahn. Ich weiß nur von meinen Kollegen und Kolleginnen, wie sie damals zu kämpfen hatten. Ich habe großes Glück, manchmal zur richtigen Zeit an den richtigen Orten zu sein.

Welche Botschaft möchtest Du jungen Menschen mitgeben, die sich vielleicht aufgrund ihrer Diversität nicht gesehen fühlen, um sich in der Berufswelt zu behaupten?

Lass Dich nicht kleinreden! Du bist viel größer, als Du denkst, und wertvoll, genau so, wie Du bist. Und wenn Du es wirklich willst, dann wirst Du es schaffen. Wenn Du Dich nicht repräsentiert fühlst, dann werde selbst die Repräsentation, die Du gebraucht hast!

Alle Infos zum Magazin Next Step

Zweimal jährlich – einmal im März und nochmal im Juli – veröffentlicht die SÜDWEST PRESSE Hohenlohe das Magazin Next Step, das sich an junge Menschen richtet, die auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Darin enthalten sind Berufsporträts von Azubis und Studierenden aus der Region, Geschichten von Machern und viel Wissen zu Bewerbung und Co. Jede Ausgabe ziert zudem eine andere prominente Persönlichkeit die Titelseite und steht im großen Next Step-Interview Rede und Antwort.

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