Landtagswahl in Schwäbisch Hall
: „Ein gesundes Maß an Nervosität“

Emily Hegemann muss dafür sorgen, dass alle 29.587 potenziellen Wähler in Hall ihre Stimme abgeben können. Sie ist angespannt, aber gut vorbereitet.
Von
Tobias Würth
Schwäbisch Hall
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Emily Hegemann leitet in Schwäbisch Hall das Bürgeramt und organisiert den Ablauf der Wahlen.

Emily Hegemann leitet in Schwäbisch Hall das Bürgeramt und organisiert den Ablauf der Wahlen.

Ufuk Arslan
  • Schwäbisch Hall bereitet die Landtagswahl am 8. März vor; 29.587 Wahlberechtigte.
  • 29 Urnen- und 10 Briefwahllokale; Auszählung voraussichtlich bis ca. 20 Uhr.
  • 312 Wahlhelfer im Einsatz; Entschädigung 100 Euro, Vorsteher 120 Euro.
  • Bereits 5.715 Briefwahlanträge; zwei Stimmen wie bei der Bundestagswahl.
  • Emily Hegemann leitet das Bürgeramt; setzt auf digitale Prozesse und virtuelles Bürgeramt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch ist es ruhig in den Räumen des Bürgeramts. Hoch über den Dächern von Hall wird in der Gymnasiumstraße die Wahl für Schwäbisch Hall vorbereitet. Emily Hegemann ist erst zwei Jahre Abteilungsleiterin, hat aber schon alle Arten von Wahlen geleitet.

Baden-Württemberg wählt am 8. März den neuen Landtag. Sie bereiten die Wahl in Hall vor. Aufgeregt?

Ja. Definitiv, ja. Es steckt schon sehr, sehr viel Arbeit dahinter und es bedarf einer langen Vorbereitungszeit. Am Wahltag muss alles gut über die Bühne gehen. Ein gesundes Maß an Nervosität ist absolut normal und vielleicht auch wichtig.

Bei vielen Verwaltungsvorgängen kann man noch nachsteuern. Bei einer Wahl muss alles punktgenau klappen?

Definitiv. Deshalb müssen wir auch so gut vorbereitet sein. Ich kann aber schon aus meiner Erfahrung schöpfen. Denn ich habe mittlerweile von Kommunal- über Europa-, Landtags- und Bundestagswahl sämtliche Wahlen in Hall mitorganisiert.

Wann starteten die Vorbereitungen in Schwäbisch Hall?

Nach der Wahl ist eigentlich immer wieder vor der Wahl. 2024 war Kommunalwahl, dann im Frühjahr 2025 die vorgezogene Bundestagswahl. Es folgte eine kleine Pause. Und im Sommer 2025 habe ich dann schon wieder angefangen mit der Wahlvorbereitung für die Landtagswahl. Zuerst geht es zum Beispiel darum, die Wahlbezirke festzulegen und die Wahllokale zu organisieren. Es ist zu überprüfen, ob die Wahlbezirke in etwa gleich groß sind und ob das Wahllokal zentral gelegen und gut zugänglich ist. Wir versuchen das immer wieder zu verbessern. Dieses Mal haben wir uns weitestgehend an der Einteilung der Bundestagswahl 2025 orientiert.

Wie viele Wahllokale gibt es denn in Hall?

Insgesamt sind es 29 Urnenwahllokale im Stadtgebiet und in den Teilorten. Zehn Briefwahlbezirke kommen hinzu, in denen auch ausgezählt wird. Das bedeutet für uns, dass wir 39 Räumlichkeiten für den Wahltag reservieren. Die Kommunikation mit den Ansprechpartnern, wie Schulleitern und Hausmeistern hat in diesem Jahr eine Kollegin übernommen.

Wie groß ist jetzt dieses Team, das die Wahl vorbereitet?

Von einer Person ganz am Anfang der Wahlvorbereitung wächst es auf knapp die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bürgeramts an. Insgesamt beschäftigen sich kurz vor der Wahl rund ein Dutzend Verwaltungsmitarbeiter mit der Wahl. Und dann kommen die Wahlhelfer dazu.

Wie viele sind das?

Insgesamt 312 Personen. Das sind städtische Angestellte, aber auch Personen, die sich freiwillig gemeldet haben. Am Wahltag selbst sind in der Wahlzentrale, also im Gebäude des Bürgeramts, zudem 15 Personen von der Stadtverwaltung im Einsatz. Falls ein Wahlhelfer im Wahllokal eine Frage hat, ruft er hier an. Wir können auch für Ersatz sorgen, falls ein Helfer krank ist.

Und bei Ihnen laufen auch die Ergebnisse zusammen?

Genau. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr. Danach startet unmittelbar die Auszählung. Die ersten Ergebnisse werden wahrscheinlich aus den Teilorten eintreffen. Bis zirka 20 Uhr sollten schon alle Stimmen in Hall ausgezählt sein. Die Ergebnisse werden in einem ersten Schritt telefonisch an uns übermittelt. Vier Personen geben hier die Daten in die digitale Wahlsoftware ein. Über den Vote-Manager, der auch Wahlmanager genannt wird, können die Ergebnisse von der Bevölkerung sofort auch angeschaut werden. Den Link dazu veröffentlichen wir auf der Homepage der Stadt Hall.

Die Landtagswahl ist zum Auszählen ja nicht so kompliziert wie die Kommunalwahl?

Genau, ja. Neuerdings kann man auch bei der Landtagswahl zwei Stimmen abgeben. Das kennen wir schon von der Bundestagswahl. Die Erststimme wird für den/die Wahlkreisbewerber/in abgegeben und die Zweitstimme für die Landesliste (Partei).

Der Kreiswahlleiter ist der Landrat. Wie arbeiten Sie ihm zu?

Das fing schon Ende letzten Jahres an. Das Bürgeramt hat für einzelne Kandidaten die Wählbarkeitsbescheinigungen ausgegeben. Diese sind wiederum Teil des Wahlvorschlags. Der Wahlvorschlag wird dann bei der Kreiswahlleitung eingereicht.

Doch Sie organisieren vor allem die Abläufe für Hall?

Ja. Die Wahlbenachrichtigung, mit der man Briefwahlunterlagen beantragen kann, wurden vom Rechenzentrum im Januar verschickt. Dieses wurde damit von uns beauftragt. Darüber hinaus wurde der erste Schwung von Briefwahlanträge über einen externen Druckdienstleister bearbeitet. Alle weiteren Anträge zur Briefwahl bearbeiten wir. Der Briefwähler erhält den Wahlschein, den Stimmzettel, einen roten Wahlbrief-Umschlag, den weißen Stimmzettelumschlag. Auf einem Merkblatt steht, wie man die Unterlagen verpacken und zurückschicken oder einwerfen soll.

Wenn ich nun so eine Wahlbenachrichtigung erhalten habe, kann ich entweder Briefwahl beantragen, wie Sie gerade eben schon erläutert haben, oder ich kann am 8. März ins Wahllokal gehen?

Genau. Am Wahltag nehmen Sie die Wahlbenachrichtigung und auch sicherheitshalber einen Personalausweis oder Reisepass mit ins Wahllokal. Oder Sie wählen vorab per Briefwahl.

Es gibt ja noch den Sonderfall, dass jemand Briefwahl beantragt hat, seinen Urlaub doch nicht antritt und nun ins Wahllokal gehen will. Geht das?

Ja. Wenn die Person schon Briefwahl beantragt hat, dann bekommt sie den Wahlschein und ist dementsprechend auch im Wählerverzeichnis mit dem W für Briefwahl – also Wahlschein markiert. Der Wähler oder die Wählerin kann vor Ort die Stimme abgeben. Der Wahlschein wird vom Wahlhelfer entgegengenommen und der Niederschrift hinzugefügt. Wichtig ist: Die Person darf nicht zuvor schon per Briefwahl gewählt haben und muss den Wahlschein mitbringen, um das zu beweisen. Sie erhält vor Ort auch einen neuen Stimmzettel und darf nicht etwa einen vorausgefüllten in die Wahlurne einwerfen.

Wie hoch ist die Aufwandsentschädigung für Wahlhelferinnen und Wahlhelfer?

Sie erhalten eine Ehrenamtspauschale von 100 Euro, die Wahlvorsteher und deren Stellvertreter erhalten 120 Euro. Sie sind im Schichtbetrieb im Einsatz. Das Team startet um 7.30 Uhr, eine halbe Stunde vor der Öffnung des Wahllokals, zu viert. Es wird um 13 Uhr abgelöst. Ab 18 Uhr arbeiten alle acht Personen pro Wahllokal an der Stimmauszählung.

Wie viele Wahlberechtigte gibt es denn in Hall?

Es sind 29.587. Bei der Landtagswahl dürfen Personen ab 16 Jahren wählen. Das geht bei der Bundestagswahl erst ab 18. Das Thema Briefwahl ist vielleicht auch noch ganz interessant.

Ja, gerne. Was denn genau?

Es sind aktuell schon 5.715 Anträge zur Briefwahl eingegangen. Was wir mitbekommen haben: Um diese Jahreszeit sind einige Bürgerinnen und Bürger im Urlaub. Sie wollen reisen und trotzdem ihre Stimme abgeben. Für sie kommt die Briefwahl infrage. In den letzten Jahren haben wir eine Steigerung bei der Briefwahl. Wir haben uns darauf eingestellt und die zehn Briefwahlbezirke gebildet.

Wie teuer ist denn eine Wahl?

Ich habe mal die Zahlen fürs Jahr 2021 aufgelistet. Da hatten wir im Frühjahr die Landtagswahl, im Frühsommer die OB-Wahl und dann auch den zweiten Wahlgang, der offiziell als „Neuwahl“ bezeichnet wird. Im Herbst hatten wir noch die Bundestagswahl. In diesem Superwahljahr hat die Stadt Hall rund 250.000 Euro dafür aufgewendet und hinterher von Bund und Land 150.000 Euro erstattet bekommen.

Emily Hegemann leitet in Schwäbisch Hall das Bürgeramt und organisiert den Ablauf der Wahlen.

In diesen Behältern werden die Briefwahlzettel gelagert und daraufhin gezählt. Emily Hegemann organisiert den Ablauf der Wahlen.

Ufuk Arslan

So teuer sind dann Wahlen also auch nicht. Sie scheinen ja Expertin für Wahlen zu sein?

Seitdem ich hier in Hall angefangen habe zu arbeiten, gab es in jedem Jahr mindestens eine Wahl zu organisieren.

Und was machen Sie, wenn gerade mal keine ansteht?

Ich bin Leiterin des Bürgeramts. Da haben wir immer genug andere Projekte und Aufgaben. Wir werden jetzt das virtuelle Bürgeramt an den Start bringen. Das bedeutet, dass einige Dienstleistungen auch online abgewickelt werden können. Eine Art Videosprechstunde gehört auch dazu. So kann der Bürger auch von zu Hause oder unterwegs einige Dienstleistungen erledigen. Für einige Anträge, wenn man zum Beispiel seinen Fingerabdruck für den Ausweis scannen muss, geht das natürlich weiterhin nur hier im Bürgeramt in der Gymnasiumstraße 2.

Ist die Digitalisierung ein aufwendiger Prozess?

Alles muss datenschutzrechtlich abgeklärt sein. Das erfordert natürlich einen hohen Abstimmungsbedarf. Wir schauen uns an, wie andere Kommunen das machen. So ist zum Beispiel Heidelberg mit dem virtuellen Bürgeramt sehr weit. Die Entwicklung in Richtung Digitalisierung der Prozesse ist aktuell auch schon bei uns sichtbar. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir im Bürgeramt die Signatur-Tablets eingeführt. Wenn Sie einen Ausweis beantragen, können Sie darauf unterschreiben. Bisher musste das Papierdokument mit der Unterschrift eingescannt werden. Auch die Übertragung des digitalen Lichtbildes erfolgt nun viel einfacher als früher.

Kontakt nach Hall nie verloren

Emily Hegemann wurde 1997 in Schwäbisch Hall geboren, wo sie auch aufwuchs und das Abitur absolvierte. Im Anschluss sammelte sie ein Jahr lang Erfahrungen in einer Apotheke, in einer Praxis für Physiotherapie und im Landratsamt des Hohenlohekreises. Sie studierte Public Management in Nordhausen/Thüringen. Nach dem Bachelorabschluss machte sie einen Master in Public Management and Governance.

Jedes Mal, wenn im Studium eine Praxisphase anstand, absolvierte sie diese in Stadtverwaltung Schwäbisch Hall. So bereitete sie im Team bereits die Kommunalwahl 2019 vor. Nach ihrem Masterstudium startete sie im Herbst 2023 in der Haller Stadtverwaltung ihre Karriere als Abteilungsleiterin des Bürgeramts. In ihrer Freizeit geht die Hallerin sehr gerne schwimmen, sie tanzt gerne und belegt Sportkurse.