Kostümbildnerin Freilichtspiele Schwäbisch Hall
: Man darf mutig sein

Katharina Schweizer entwarf die Kostüme für das Freilichtspiele-Kinderstück „Der gestiefelte Kater“, in dem Elefantenohren zur Herausforderung wurden.
Von
Claudia Linz
Schwäbisch Hall
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Katharina Schweizer

Katharina Schweizer ist freiberufliche Kostümbildnerin. Für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall kreierte sie in der Saison 2026 die Outfits für das Kinderstück „Der gestiefelte Kater“.

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  • Kostümbild: Katharina Schweizer entwarf für „Der gestiefelte Kater“ die Kinderstück-Kostüme.
  • Einstieg über 50-Euro-Job, Studium in Reutlingen und erste Projekte in Berlin.
  • Stationen: Miniserie „Street Legends“, Domfestspiele, später Freilichtspiele Schwäbisch Hall.
  • Arbeitsweise: Skizzen nach Textbuch, enge Regieabstimmung, robuste und wandelbare Stoffe.
  • Clou auf der Bühne – Zauberer wird zum Elefanten: versteckte Ohren per Seilzug, Nebel unterstützt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein 50-Euro-Job war für Katharina Schweizer der Türöffner zu ihrem Traumberuf. Die heute 29-Jährige aus Esslingen studierte in Reutlingen Modedesign und absolvierte zwei Praktika bei einem freien Modelabel in Berlin. Von einer Mitbewohnerin – sie wohnte in einer Fünfer-WG – erfuhr sie von einem Job als Kostümbildnerin für ein kleines Theaterstück. Der Job war quasi unbezahlt. „Doch ich hatte Lust drauf und viel Zeit“, erinnert sich die 29-Jährige. Mit drei „Müllsäcken“ voller Material kreierte sie drauflos. „So bin ich in die Welt des Films und des Theaters reingerutscht.“

Weitere kleine Projekte folgten, ehe sie für ein Jahr zurück nach Reutlingen ging, um ihren Abschluss zu machen. Ihr erster bezahlter Job war das Kostümbild für die dreiteilige Miniserie „Street Legends“ der Pantaflix Studios. Anschließend ist sie „zwischen Film, Theater und Werbeproduktionen hin und her gehüpft“, bis eine Kollegin sie einlud, als Schneiderin bei den Bad Gandersheimer Domfestpielen dabei zu sein. Spontan packte sie ihre Sachen und zog für sechs Wochen nach Niedersachsen.

Von dort war es dann nur ein Katzensprung bis nach Schwäbisch Hall. Sie lernte Menschen kennen, die bei den Haller Freilichtspielen arbeiteten, begann vor vier Jahren als Kostümassistentin und kreierte für die aktuelle Spielzeit eigenständig die Kostüme für „Der gestiefelte Kater“. Woher nimmt sie die Ideen für die Kostüme? Manchmal habe sie sofort Zugang zu einem Stück und die Ideen sprudelten nur so aus ihr heraus, erzählt Katharina aus ihrem kreativen Alltag. Ein anderes Mal muss sie erst viel zeichnen, ehe es zündet. „Normalerweise bekomme ich zuerst das Textbuch zum Einlesen und tausche mich dann mit der Regie über die Ästhetiken aus.“ Dann beginnt sie mit dem Skizzieren. Pro Charakter können das zwei oder auch 15 bis 20 Skizzen sein.

„Die Kostüme entstehen immer im Zusammenspiel mit dem gemeinsamen Ziel, dass das Stück am Ende ein Erfolg wird.“ Das erfordert natürlich Kompromissbereitschaft, „ich weiß aber auch um meine Standpunkte zu kämpfen“, sagt Katharina selbstbewusst.

Theaterkleidung muss robust sein

Nachdem die Skizzen stehen, wählt die Kostümbildnerin die Stoffe aus. Theaterkostüme, weiß sie, müssen mehr aushalten als herkömmliche Kleidung. „Die Darsteller rocken in den Kostümen um die zwanzigmal die Bühne.“ Sie rennen, knien sich hin, lassen sich hinfallen, tanzen, fechten, vollführen manchmal kleine Stunts. Dafür sind feste Nähte und – je nach Rolle – robuste Stoffe wie hochwertige Baumwolle, Samtimitate und strapazierfähige Köperstoffe erforderlich. Gleichzeitig muss das Outfit sekundenschnelle Kostümwechsel erlauben und sich enger und weiter machen lassen, etwa für den Fall, dass die Zweitbesetzung in die Rolle schlüpft oder die Klamotte für andere Stücke und Schauspieler wiederverwendet werden soll.

Manchmal entstehen die Kostüme auch aus Secondhand-Kleidung, die umgearbeitet wird. Wichtig sei auch, dass die Stoffe nicht zu dünn sind, sich rasch aufbügeln lassen und farbecht sind, weiß Katharina, die Ende Juli zur „West Side Story“ wieder nach Schwäbisch Hall kommt. Einige Wochen vor der Aufführung gehen Entwürfe und Stoffe in die Schneiderei, „die in Schwäbisch Hall ganz wunderbare Arbeit macht“, schwärmt die Kostümbildnerin. Damit ist ihre Arbeit aber oft noch nicht getan. „Es kommt vor, dass noch fast bis zur Generalprobe geändert und angepasst werden muss.“ Flexibilität ist da gefragt.

„Kostümbildnerin ist ein kreativer Job, der unfassbar viel Spaß macht.“
Katharina Schweizer
Kostümbildnerin

Zur kniffligen Herausforderung wurde für Katharina in Hall das Kostüm des Zauberers, der sich auf der Bühne im Handumdrehen in einen Elefanten verwandelt. „Es sollte nicht nur gut aussehen, es musste auch die Funktion mitgedacht werden.“ Sie löste das, indem sie den Stoff für die zwei riesigen grauen Elefantenohren aufwickelte und in den Ärmeln des Mantels versteckte. Während der Verwandlung zog der Darsteller des Zauberers an einer aus der Entfernung unsichtbaren Angelsehne in einem versteckt angebrachten Stofftunnel, wodurch sich die Ohren blitzschnell entrollten und aufklappten. Damit der Trick nicht auffliegt, half die Technik mit etwas Nebel nach.

Immer wieder neue Anforderungen, verschiedene Projekte, unterschiedliche Menschen und spannende Drehbücher – das ist es, was Katharina an ihrer Arbeit so mag. Weil sie freiberuflich arbeitet, sucht sie sich ihre Projekte bei Film, Theater, Werbung und Modeschauen selbst aus. Sie weiß, dass man eine gewisse Strapazierfähigkeit und Durchhaltevermögen mitbringen muss, um in diesem Job erfolgreich zu sein. „Vor allem am Anfang muss man viel arbeiten, bis man in der Branche bekannt ist, und Probentage können endlos lang werden.“ Doch für alle, die das nicht schreckt, und die „Lust auf Klamotte“ haben, sei es ein kreativer Job, der „unfassbar viel Spaß macht“. Jeder, der damit liebäugelt, fügt sie hinzu, „darf auch einmal mutig sein und sich ausprobieren. Vielleicht ist die faszinierende Welt des Films ja genau die richtige?“

Szene aus "Der gestiefelte Kater" der Freilichtspiele Schwäbisch Hall

Szene aus „Der gestiefelte Kater" der Freilichtspiele Schwäbisch Hall: Durch einen Kniff der Kostümbildnerin verwandelt sich der Zauberer auf der Bühne blitzschnell in einen Elefanten.

Freilichtspiele Hall/Ufuk Arslan

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