Kommunalwahlen in Haller Partnerstadt: Paukenschlag in Épinal: OB abgewählt

Freundschaftswand in Hall für die Städtepartnerschaft mit Epinal. Tobias Bauer gestaltet die Fassade in der Brüdergasse, mit dabei ist Philipp Volke.
Thumilan Selvakumaran- Épinal wählt neu: Patrick Nardin verliert in Runde zwei knapp mit 38 % (−255 Stimmen).
- Benoit Jourdain siegt mit 40 % – seine Liste erhält 28 von 39 Sitzen im Gemeinderat.
- Nardin kündigt Rückzug aus der Politik an; war sechs Jahre Bürgermeister, 65 Jahre alt.
- RN-Kandidat Pierre François holt knapp 10 % und spricht von „Schnauze voll“.
- Linke in Épinal schwach: „Union der Linken“ 13 %; ökologische Parteien ohne Rolle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im ersten Wahlgang lag seine Liste mit 38 Prozent der Stimmen noch vorn, doch in der zweiten Runde fehlen Patrick Nardin 255 Stimmen. Seine Liste „Mit Passion für Épinal“ wird mit ihren 38 Prozent überrundet von der Liste „Ein Wechsel für Sie“ von Benoit Jourdain. Für den Konkurrenten stimmten 40 Prozent der Wähler. Damit fehlt dem amtierenden Bürgermeister der Haller Partnerstadt in den Vogesen die Mehrheit im Gemeinderat. Denn: Die Gewinnerliste erhält als Bonus gleich eine hohe Anzahl garantierter Sitze dazu. Die Gruppierung des wohl bald neuen Bürgermeisters Benoit Jourdain, verfügt mit 28 von 39 Sitzen über eine satte Mehrheit. Der Bürgermeister wird aus dem Gemeinderat heraus gewählt. In Baden-Württemberg geschieht das direkt durchs Volk.
Umbrüche im Land
Er werde sich aus der aktiven Politik zurückziehen und wünscht dem neuen Gemeinderat viel Erfolg, sagt Patrick Nardin. Äußerst nüchtern verkündet der scheidende Bürgermeister von Épinal noch am Wahlabend seinen Rückzug, gefilmt von einem lokalen Sender und auf youtube verbreitet. Der 65-jährige Familienvater stand seit sechs Jahren der Stadt mit ihren 32.000 Einwohnern vor. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Lokalpolitik, auch zuvor als erster Beigeordneter des Bürgermeisters von Épinal. Zuvor war er der Regionaldirektor eines Kreditinstituts.
Die „Schnauze voll“
Für den Listenführer der extremen Rechten liegt genau in diesem Werdegang der Grund für die Abwahl. Pierre François vom Rassemblement National (ehemals Front National) poltert: „Man sieht, dass die Épinaler einfach die Schnauze voll haben.“ Für seine Kampagne der Sauberkeit und Sicherheit in der Stadt kann er knapp 10 Prozent der Wähler überzeugen. Damit kann die extreme Rechte zwar die Stimmenzahl verdoppeln, schneidet aber nicht so gut ab wie in den Hochburgen im Süden. Dort gewinnt die Partei von Marine Le Pen zwar nicht wie erhofft viele Städte, regiert aber immerhin jetzt in Nizza und liegt insgesamt oft weit vorn.
Parallelen zu Deutschland
In der französischen Hauptstadt Paris triumphiert der Sozialist Emmanuel Grégoire und radelt gleich mal vors Rathaus. Ein Statement, das wohl auch dem neuen Münchner Oberbürgermeister, der am selben Tag gewählt wurde, gefallen dürfte. Es ist Dominik Krause von den Grünen. Das ist beiden Ländern also in diesem Falle gleich: die städtische Bevölkerung lehnt konservative oder eben etablierte Kandidaten ab.
In Épinal, wie in ganz Frankreich, spiegelt sich ein Trend wider, der auch in Deutschland in Ansätzen zu beobachten ist: Die großen Parteien lösen sich auf. Bei der letzten Präsidentschaftswahl hat die Kandidatin der einst großen sozialistischen Partei (PS) im ersten Wahlgang nur 1,75 Prozent erhalten. Das konservative Lager organisiert sich in immer neuen Sammelbewegungen. Daher hat das Innenministerium angeordnet, dass jede parteiunabhängige Liste bei der Kommunalwahl sich auf dem Stimmzettel zur „Diversen Rechten“ oder „Diversen Linken“ bekennen müsse, also zu einem der beiden Lager.
Umso bitterer ist es daher für den Bürgermeister von Épinal, von einem Mann aus dem gleichen Lager, der „Diversen Rechten“ (also Kandidaten aus dem Konservativen, nicht aber rechtsextremen Kreis) geschlagen zu werden. Für den zweiten Wahlgang sind alle Listen zugelassen, die in der ersten Runde 10 Prozent erreichen. In Épinal gab es offensichtlich im konservativen Lager keine Absprachen für einen Rückzug einer der beiden Kandidaten.
Ebenfalls bemerkenswert sind die Entwicklungen bei den Linken: Daniela Amiunes von der „Union der Linken“ liegt mit 13 Prozent zwar knapp vor dem Kandidaten des Rassemblement National (ehemals Front National). Bei den Kommunalwahlen in Épinal spielen aber linke Parteien (insgesamt nur 14 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang) und rein ökologisch ausgerichtete Parteien gar keine Rolle.
