KFV-Vorsitzender Alfred Fetzer im Gespräch: „Einfach mal selbst Eimer und Lappen holen und aufwischen“

Alfred Fetzer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall, bei einer Podiumsdiskussion im Frühjahr. Er strebt an, die Menschen mehr für Gefahren zu sensibilisieren und plädiert gleichzeitig für ein umsichtigeres Verhalten auf allen Seiten.
Thomas Baumann- Alfred Fetzer warnt: Menschen unterschätzen Brandgefahr und filmen statt zu fliehen.
- Er fordert mehr Aufklärung und Sensibilisierung – auch früh in Schulen.
- Praktische Tipps: Fluchtpläne im Hotel prüfen und Hinweise lesen, Ausgänge und Löscher suchen.
- Selbsthilfe betont: Kleine Wasserschäden oder ein Ast auf der Straße oft selbst lösbar.
- Haushalte sollten Rauchwarnmelder, einen 6–12-Kilo-Feuerlöscher und eine Löschdecke bereithalten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Herr Fetzer, eine verheerende Brandkatastrophe ereignete sich in jüngster Vergangenheit in einem Schweizer Club. Die vielen Todesopfer haben weltweit große Betroffenheit ausgelöst. Gleichzeitig wirft so ein Vorfall aber auch die Frage auf: Haben die Menschen überhaupt noch ein Gefühl dafür, wann das Handy in einer Gefahrensituation weggelegt werden sollte, um sich selbst zu retten?
Alfred Fetzer: Ich glaube, den Menschen ist in solchen Situationen leider oftmals nicht bewusst, wie schnell sich so ein Brand entwickeln kann und wie lebensgefährlich es gerade für sie ist. Durch diese Unwissenheit kommt es dazu, dass Handys nicht rechtzeitig weggelegt werden, sondern eher das Feuer noch gefilmt wird – es hat ja auch eine gewisse „Anziehungskraft“. Die Realisierung, dass es nun allerhöchste Zeit ist, zu fliehen, kommt so leider immer wieder zu spät. Wenn dann noch Fluchtwege nicht oder nur sehr schwer erkennbar sind, kann das dazu noch zu einer Panik führen.
Muss denn dafür noch mehr sensibilisiert werden?
Ja, definitiv! Solange nichts passiert, macht sich der Mensch meist einfach keine Gedanken über mögliche Gefahren und die eigene Reaktion darauf. Jetzt gab es wieder einige verheerende Fälle und das Thema rückt wieder in den Vordergrund. Dennoch ist es auch von Feuerwehrseite aus immens wichtig, dass wir immer wieder Aufklärungsarbeit leisten und die Menschen für Brandgefahren sensibilisieren und ihnen aufzeigen, wie sie sich idealerweise verhalten können. Ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.
Gibt es bestimmte Altersgruppen, die hier besonders angesprochen werden müssen?
Also wir beobachten diese Unwissenheit in allen Altersgruppen. Aber es zeigt sich natürlich schon, dass die jüngere Generation – was eigentlich absolut naheliegend ist – sorgloser beim Thema Sicherheit und Brandschutz ist und sich dementsprechend auch verhält. Deswegen ist es meiner Meinung nach auch nötig, bereits in den Schulen zu sensibilisieren. Einfach, damit die jungen Leute wissen, wann es wirklich gefährlich wird.
Sich richtig zu verhalten gilt dann aber ja nicht nur in der Schule: Im Restaurant, im Hotel, in Veranstaltungshallen – die Brandgefahr ist ja überall gegeben. Was raten Sie dem Einzelnen vorsorglich, um im Notfall schnell reagieren zu können?
Im Hotel empfehle ich allen Gästen beim Betreten der Hotelzimmer, die Fluchtwegpläne anzuschauen. Die hängen meist an der Zimmertür. Denn man kennt sich im Gebäude ja nicht so gut aus – manch einer verläuft sich ja schon, ohne dass jetzt ein Notfall ist. Wie soll man also auf Anhieb den Weg finden, wenn dann auch noch Rauch und Panik im Spiel sind? Außerdem sollte jeder die Sicherheitshinweise durchlesen, die auf den Zimmern ausgelegt werden. Da steht zum Beispiel die Telefonnummer drauf, die man wählen soll, wenn ein Schadensereignis eintritt. Bei Events oder in Restaurants sollte man sich auch einmal einen Überblick verschaffen, wo die Rettungshinweisschilder sind. Und generell: immer schauen, wo die Feuerlöscher angebracht sind, damit man im Ernstfall reagieren kann und etwa einen Entstehungsbrand löscht, bevor es zur Katastrophe kommt.
Wenn Sie selbst bemerken, dass beispielsweise ein Veranstalter oder Wirt den Brandschutz nicht richtig umsetzt, sprechen Sie es an?
Ja, leider sind doch sehr oft Fluchtwege verstellt oder Schilder von der Einrichtung verdeckt. Wenn es richtig eklatant ist, bitte ich die Zuständigen vor Ort darum, das zu prüfen – auch in deren eigenem Interesse natürlich.
Können Veranstalter, Vereine, Restaurantbetreiber und Co. denn auf die Wehren zukommen, um das eigene Brandschutzkonzept durchzusprechen?
Ja, und das halte ich auch für sehr sinnvoll. Wer Fragen hat, wie er den eigenen Brandschutz verbessern kann, darf sich jederzeit an die örtliche Feuerwehr wenden. Mit Sicherheit stehen die Kommandanten beratend zur Seite. Klar ist aber: Sie können keine Brandschutz-Ausarbeitung machen. Aber sie können Empfehlungen aussprechen, einfach aus Sicht der Feuerwehr als „vorbeugender Brandschutz“.
Stichwort: Selbstwirksamkeit. Gibt es denn Szenarien, bei denen Ihrer Meinung nach zu schnell die „112“ gewählt wird?
Im Zweifel ist es natürlich immer besser, den Notruf zu wählen. Aber es gibt schon Beispiele, bei denen kein Feuerwehreinsatz nötig wäre. Ganz klassisch: Wenn mal im Keller fünf Zentimeter Wasser stehen, kann ich mir auch selbst mal einen Putzeimer und einen Lappen holen und das alles aufwischen – da braucht es für gewöhnlich keine Feuerwehrleute. Oder aber wenn ein Ast auf der Straße liegt. Da hilft es auch, wenn man den – vorausgesetzt natürlich, die Umstände in Sachen Wetter und Verkehrslage lassen es zu – mal eben schnell selbst auf die Seite trägt. Solche Fälle beobachten wir in den letzten Jahren häufiger, dass viele da ihre Selbstwirksamkeit verlernt haben. Da kann ich nur sagen: Mehr Mut zur Selbsthilfe!
Feuerlöscher, Rauchwarnmelder, Löschdecke: Welche Utensilien sollte jeder Haushalt besitzen, um im Falle eines Brandes vorbereitet zu sein?
Rauchwarnmelder sind heutzutage natürlich ein Muss, sie sind ja sogar in Schlafräumen und den Fluchtwegen bis ins Treppenhaus vorgeschrieben. Aber ich empfehle sie in allen Räumen – für die Küche eignet sich zum Beispiel ein Wärmemelder. Außerdem sollte jeder einen Feuerlöscher zu Hause haben. Wichtig ist dabei, dass es sich mindestens um einen sechs Kilo-, besser einen zwölf Kilo-Feuerlöscher handelt. So kleine Feuerlöscher, wie es sie fürs Auto gibt, sind meist innerhalb von zwei, drei Sekunden leer. So schnell ist nichts gelöscht leider. Eine gute Ergänzung ist dann noch die Löschdecke, vor allem in Bereichen, in denen mit heißen Flüssigkeiten umgegangen wird – explizit Küchen. Denn damit kann man schnell das Feuer ersticken, ohne große Löschrückstände zu haben. Das Pulver vom Feuerlöscher aus den umliegenden Möbeln zu bekommen, ist nämlich ganz schön schwer. Diese drei Utensilien als Privatperson vorzuhalten, das gehört für mich als Sicherheitsmaßnahme dazu – so hat man schon mal die Grundlage gelegt, um im Ernstfall handlungsfähig zu sein.
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