Jugendfeuerwehr Landkreis Schwäbisch Hall: Spielend für Leben und Einsätze lernen

Mia Hollmer, Sophia Fürnschuß, Torben Hespelt und Vinzent Scheidhauer (von links) engagieren sich bei ihren örtlichen Jugendfeuerwehren und darüber hinaus.
Eileen Schirle- Jugendfeuerwehr im Kreis Schwäbisch Hall: Technik, Teamgeist und Persönlichkeitsbildung stehen im Fokus.
- Kreisjugendsprecher hören zu und vermitteln – gewählt beim Kreiszeltlager, vernetzt mit Verbänden.
- Highlights: Jugendforum zwei Mal jährlich und ein Zeltlager mit über 200 Teilnehmenden.
- Sportturnier um den Walter-Klenk-Pokal fand zuletzt in Schwäbisch Hall statt – Sieger war Michelfeld.
- Ausbildung zählt: Übungen, Challenge mit Rekordbeteiligung und Interesse an der Leistungsspange.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kameradschaft, Respekt, Verantwortung und Toleranz – das sind die Grundwerte der Jugendfeuerwehr. Neben all der fachlichen, feuerwehrspezifischen Ausbildung, die die Jugendlichen erfahren, geht es bei der Jugendfeuerwehr vor allem darum, eine Gemeinschaft zu bilden und Kinder und Jugendliche zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. „Man lernt hier echt fürs Leben“, sagt Torben Hespelt. Der 18-Jährige aus Michelbach/Bilz ist seit rund zehn Jahren bei der Feuerwehr aktiv und kümmert sich als einer von mehreren Kreisjugendsprechern um die Organisation von Events und die Belange der Jugendfeuerwehren im Landkreis Schwäbisch Hall.
Zuhören und vermitteln
Die Kreisjugendsprecher dienen als Bindeglied zwischen den Jugendfeuerwehren und dem Kreis- sowie dem Landesfeuerwehrverband. „Wir sind wie Schülersprecher“, verdeutlicht Sophia Fürnschuß, die ebenfalls als Kreisjugendsprecherin tätig ist. Ein offenes Ohr für Kinder und Jugendliche zu haben, Vertrauen zu schaffen und sie mit Informationen zu versorgen, seien ihre Hauptaufgaben, so Sophia. Die insgesamt vier Kreisjugendsprecher sind eine Erweiterung der Jugendsprecher der jeweiligen Ortsfeuerwehren und bekommen von ihnen oft wichtige Hinweise zugetragen. Die örtlichen Jugendsprecher werden von der jeweiligen Wehr bestimmt, die Kreisjugendsprecher hingegen werden von allen Jugendlichen beim Kreiszeltlager gewählt.
Vinzent Scheidhauer aus Mainhardt ist ein solcher Jugendsprecher. Der 14-Jährige ist Mitglied der Jugendfeuerwehr Mainhardt. „Manche trauen sich nicht, ihre Wünsche oder Anregungen den Betreuern ihrer Jugendfeuerwehr mitzuteilen. Da ist es gut, es gibt einen Gleichaltrigen, der die Anliegen entgegennimmt und so auch zwischen Betreuern und Jugendlichen vermitteln kann“, sagt er.

Auch die fachliche Ausbildung kommt bei den Jugendfeuerwehren im Landkreis nicht zu kurz.
privatDie Arbeit als Sprecher macht der Gruppe sehr viel Spaß. Dass man als Jugendsprecher mitgestalten und die Arbeit der Jugendfeuerwehren aktiv verbessern kann, sei enorm erfüllend, betont Torben. „Ich hatte selbst so viel Spaß als Jugendlicher bei der Feuerwehr. Deswegen war es mir einfach ein Anliegen, diese Begeisterung weiterzutragen und andere anzustecken.“
Bei 29 Jugendfeuerwehren im Landkreis mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Gegebenheiten – Ausstattung oder Mitgliederzahl beispielsweise – ist der Austausch untereinander nicht immer ganz einfach. Um diesen zu erleichtern, wurde 2018 ein Jugendforum ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr sind die Jugendsprecher der Wehren eingeladen, sich untereinander sowie mit den Kreisjugendsprechern und den Kreisjugendwarten auszutauschen. Hier können sie ihre Meinungen, Wünsche und Ideen vorbringen. Zuletzt fand das Treffen Anfang Februar in Vellberg statt.
Das Highlight im Veranstaltungskalender der Jugendfeuerwehren ist das Zeltlager im Juli, sind sich die Sprecher einig. Drei Tage lang treffen sich über 200 Jugendliche aus dem ganzen Landkreis sowie zahlreiche Betreuer, um eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, die Gemeinschaft auch über Gemeindegrenzen hinaus zu feiern und neue Freunde zu finden. 2025 fand das Zeltlager in Langenburg statt. „Wir versuchen hier immer ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Dort gab es zum Beispiel eine Lager-Olympiade, bei der die Jugendlichen beim Wasserbombenwurf, der Eimerkette, beim Feuerwehr-Minigolf oder beim Balancieren von Feuerwehrgeräten auf einer schwebenden Platte Teamwork, Kreativität und Geschick unter Beweis stellen mussten“, erklärt Mia Hollmer, die stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin ist.
Sportlich beweisen
Ein weiteres von den Kreisjugendsprechern mitorganisiertes Event ist das Sportturnier um den Walter-Klenk-Pokal. Die Sportart wird dabei von der ausrichtenden Feuerwehr festgelegt – zuletzt war das die Jugendfeuerwehr Schwäbisch Hall, die sich für Brennball entschied. Acht Gruppen aus sieben Jugendfeuerwehren traten gegeneinander an. Als Gewinner ging die Feuerwehr aus Michelfeld hervor. „Das Turnier macht großen Spaß, doch es wird zunehmend schwerer, genügend Jugendfeuerwehren dafür zu motivieren“, erklärt Torben Hespelt. Das Turnier fand in den vergangenen Jahren häufig im Haller Raum statt, was für die Jugendfeuerwehren aus dem Crailsheimer und Gaildorfer Raum einen langen Anfahrtsweg bedeutete. „Hinzu kommt, dass sich die Altersstrukturen teilweise deutlich unterscheiden. Dann spielen Zehn- und Elfjährige gegen Siebzehnjährige – das ist natürlich nicht ganz fair“, verdeutlicht Sophia Fürnschuß. Die Kreisjugendsprecher können sich vorstellen, zukünftig kleinere Jugendfeuerwehren zusammenzulegen, damit die Chancenverteilung verbessert wird. Auch über andere Sportarten und Spiele wird nachgedacht.

Das Walter-Klenk-Pokalturnier ist nur eine von vielen Veranstaltungen, die von den Kreisjugendsprechern initiiert und mitorganisiert wird.
privatNeben all dem Spaß, dem Teambuilding und der Vermittlung wichtiger Werte kommt die technische Ausbildung der Jugendlichen nicht zu kurz. In den Gemeindefeuerwehren treffen sie sich regelmäßig mit Betreuern und anderen aktiven Kameraden und Kameradinnen, um Löschangriffe sowie das Retten von Menschen zu trainieren.
Einiges davon können sie bei der Jugendfeuerwehr-Challenge unter Beweis stellen, eine weitere Veranstaltung von und für die Jugendfeuerwehren im Landkreis. Diese findet einmal im Jahr an wechselnden Örtlichkeiten statt und brachte zuletzt über 400 Kinder und Jugendliche aus 25 Feuerwehren zusammen – ein Teilnehmerrekord. Die Aufgaben, die die Gruppen auf zwei Rundwegen von jeweils drei Kilometern Länge erfüllen mussten, verbanden sportliche Aktivitäten mit Feuerwehrequipment.
Beim Jugendforum im Februar wurde zudem diskutiert, an einem weiteren Leistungswettbewerb teilzunehmen: der Leistungsspange. Für diese Auszeichnung trainieren die Jugendlichen mehrere Wochen, denn die Anforderungen sind hoch. Neben Kugelstoßen, einem Staffellauf und einem Fragebogen, der richtig beantwortet werden muss, stehen ein Löschangriff sowie das Auslegen einer Schlauchleitung als „Schnelligkeitsübung“ auf dem Programm. „Wir sind gerade dabei, das Interesse bei den Jugendfeuerwehren abzufragen. Generell hat die Auszeichnung aber ein hohes Prestige“, erklärt Torben.
Kampf gegen Vorurteile
Im Allgemeinen stehe die Jugendarbeit der Feuerwehren im Landkreis sehr gut da, sind sich die Kreisjugendsprecher einig. Echte Nachwuchssorgen gibt es keine, dennoch freue man sich natürlich über jedes neue Mitglied. „Die größten Herausforderungen sind sicherlich, die verschiedenen Jahrgänge innerhalb der Jugendfeuerwehr unter einen Hut zu bringen“, merkt Sophia an. „Und leider gibt es auch ziemlich viele Klischees und Vorurteile, was die Feuerwehr angeht“, ergänzt Torben. Feuerwehr sei uncool und es werde viel getrunken, zählt er auf. „Dabei ist unser Engagement unverzichtbar. Wir stecken im Privatleben zurück, um anderen Menschen zu helfen. Das erfordert Mut, ist aber auch unglaublich erfüllend“, schließt er.
Das Magazin Brandaktuell kostenlos online lesen
Einmal jährlich erscheint Brandaktuell als Jahresmagazin des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall in Zusammenarbeit mit der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe. Darin enthalten sind aktuelle Themen, die die Feuerwehren im Landkreis beschäftigen, sowie ein umfassender Rückblick aller Wehren auf das Vorjahr. Die aktuelle Ausgabe von Brandaktuell gibt's hier kostenlos zu lesen.
