Integration Landkreis Schwäbisch Hall
: Mit einem Kümmerer an der Seite

Das Projekt „Integration durch Ausbildung“ unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bei der Berufsorientierung. Hasan Altun und Yesil Ozan haben dadurch einen Ausbildungsplatz gefunden.
Von
Eileen Schirle
Landkreis
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Kümmerer-Programm Integration durch Ausbildung: Jürgen Doderer (links) half Hasan(Mitte) und Yesil bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Pflegebereich.

Jürgen Doderer (links) half Hasan (Mitte) und Yesil bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Pflegebereich.

Eileen Schirle
  • Das Projekt „Integration durch Ausbildung“ unterstützt Jugendliche mit Migrationshintergrund.
  • Hasan und Yesil aus der Türkei fanden Ausbildungsplätze im Pflegebereich in Crailsheim.
  • Jürgen Doderer hilft bei Bewerbung, Anerkennung von Zeugnissen und Sprachförderung.
  • Beide sprechen Deutsch auf B-Niveau und verlängern ihre Ausbildung um ein Jahr.
  • Die Betreuung endet sechs Monate nach Ausbildungsbeginn. Sie planen weitere Ausbildung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Bewerbungsprozess in Deutschland ist kompliziert. Wer sich hier um einen Ausbildungsplatz bemüht, muss ein durchaus schwieriges Verfahren durchlaufen: eine schriftliche Bewerbung mit einem ausformulierten Anschreiben und einem aussagekräftigen Lebenslauf, ein persönliches Vorstellungsgespräch und im Zweifel sogar Einstellungstests sind üblicher Standard. Kein Wunder also, dass Menschen aus anderen Ländern – wo oftmals ein kurzes persönliches Gespräch genügt, um angestellt zu werden – häufig überfordert sind.

Hier greift das sogenannte „Kümmerer-Programm“ ein, das unter dem Leitbild „Integration durch Ausbildung“ steht. Es wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg finanziert. Die „Kümmerer“ sind je nach Region an die Kammern oder Landratsämter angedockt und bieten ein kostenfreies Beratungsangebot für Geflüchtete im Asylverfahren, Zugewanderte aus EU-Ländern oder Drittstaaten sowie Migrantinnen und Migranten mit einem gesicherten Aufenthaltsstatus.

Mit Sprachkursen sein Deutsch verbessern

Im Landkreis Schwäbisch Hall, speziell für den Altkreis Crailsheim, ist Jürgen Doderer für das Projekt zuständig. „Wir bieten unsere Beratungen seit 2019 an. Etwa 200 bis 300 Personen nahmen bereits das Angebot eines ersten Kennenlerngespräches an“, erzählt er. In diesem Gespräch werden unter anderem der Bildungsstand, Zeugnisse, berufliche Erfahrungen und Berufswünsche abgefragt. „Ein zentrales Thema ist immer die Sprache“, weiß Doderer. Mit ihr stehe und falle alles. „Viele Migranten kommen zu mir und haben wenig bis gar keine Deutschkenntnisse. Das macht die Vermittlung anfangs natürlich schwer, denn die Ausbildungsbetriebe fordern oftmals ein Sprachniveau von B2.“

Auch Hasan Altun und Yesil Ozan sprachen früher kaum Deutsch. Sie kamen vor circa eineinhalb Jahren aus der Türkei nach Deutschland und wurden von einer Sozialarbeiterin in ihrer Unterkunft mit dem Integrationsprojekt bekannt gemacht. Seit November 2023 sind sie Teil des Kümmerer-Programms in Crailsheim und treffen sich regelmäßig mit Jürgen Doderer. „An das erste Gespräch erinnere ich mich noch gut. Wir konnten nur über Übersetzungsapps kommunizieren“, erzählt der Kümmerer. Hasan und Yesil besuchten Sprachkurse, heute sprechen sie Deutsch auf B-Niveau.

Beide arbeiteten in der Türkei im Pflegebereich. „Das gefiel uns. Es stand schnell fest, dass wir auch in Deutschland in dieser Branche arbeiten möchten“, erzählt der 22-jährige Hasan. Jürgen Doderer half ihnen bei der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen und kümmerte sich um die Anerkennung ihrer Zeugnisse. Hasan und Yesil erhielten einen Praktikumsplatz im Wolfgangsstift, einer Pflegeeinrichtung in Crailsheim. Sie überzeugten mit ihrer Arbeit und durften schließlich im September 2024 ihre Ausbildung zum Altenpflegehelfer beginnen. Diese dauert in der Regel ein Jahr, Hasan und Yesil verlängern ihre Lehre jedoch auf zwei Jahre. „Das ist ein spezielles Angebot für Azubis mit geringen Deutschkenntnissen. Sie erhalten in der Berufsschule eine zusätzliche Förderung in Deutsch“, erläutert Doderer. Hasan und Yesil gehen in ihrer Arbeit auf: „Es ist toll, mit Menschen zu arbeiten, die älteren Personen begegnen uns immer mit Freundlichkeit“, weiß der 20-jährige Yesil.

Dein Kontakt zu den Kümmerern

Crailsheim:
Jürgen Doderer, Telefon: 07951/4925493, Mobil: 0170/9677834, E-Mail: J.Doderer@LRASHA.de

Schwäbisch Hall:
Hamide Tasyildiz, Telefon: 0791/79876052, Mobil: 0151/56104572, E-Mail: H.Tasyildiz@LRASHA.de

Unterstützung auch für Unternehmen

Für Jürgen Doderer sind die beiden jungen Männer zwei sehr gute Beispiele, wie Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann. „Es hängt aber natürlich auch immer von den Vorstellungen und vor allem von der Motivation der Teilnehmer ab“, gibt er zu. Hasan und Yesil haben immer aktiv mitgearbeitet und Ehrgeiz gezeigt – „dann klappt es mit der Vermittlung relativ einfach.“ Grundsätzlich ist das Projekt nur für Personen mit guter Bleibeperspektive gedacht, Jürgen Doderer muss jeden Fall individuell kontrollieren und den Aufenthaltsstatus prüfen lassen.

Aktuell betreut er in Crailsheim aktiv rund 50 Personen, davon konnte er circa 30 einen Ausbildungsplatz vermitteln. „Da ist wirklich alles dabei: Industrie, Handwerk, Handel. Ich stehe den Unternehmen, die einen unserer Schützlinge einstellen, auch beratend zur Seite und unterstütze sie bei allen Anliegen rund um das Projekt“, sagt der Kümmerer.

Für Hasan und Yesil endet ihre Zeit im Kümmerer-Programm bald, das Projekt gibt vor, dass die Betreuung sechs Monate nach Ausbildungsanfang ausläuft. Jürgen Doderer macht sich wenig Sorgen um die zwei, sie haben sogar schon Pläne für die Zukunft geschmiedet: „Wir möchten gerne im Anschluss eine Ausbildung zur Pflegefachkraft machen, um uns weiterzubilden“, sagt Hasan.

Alle Infos zum Magazin „Next Step“

Zweimal jährlich – einmal im März und nochmal im Juli – veröffentlicht die SÜDWEST PRESSE Hohenlohe das Magazin „Next Step“, das sich an junge Menschen richtet, die auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Darin enthalten sind zahlreiche Berufsporträts von Azubis und Studierenden aus der Region, Geschichten von echten Machern, die bereits die Karriereleiter nach oben gestiegen sind, und viel Wissen zu Ausbildung, Studium, Bewerbung und Co. Jede Ausgabe ziert zudem eine andere prominente Persönlichkeit das Cover und steht im großen Next Step-Interview Rede und Antwort.

Das Magazin gibt es als gedruckte Variante oder kann kostenlos in der Online-Ausgabe gelesen werden.