Inklusion am Heimbacher Hof: Jugendliche brauchen Jugendliche

Haben Spaß am Ferienprogramm auf dem Heimbacher Hof. Max (links) und Jugendassistent Alouan (rechts) fahren auf einem Gokart.
Lea Podschun- Der Heimbacher Hof in Schwäbisch Hall bietet seit 4,5 Jahren inklusive Ferienprogramme an.
- Jugendliche „AsTIs“ (Assistenz Tandem Inklusiv) begleiten Gleichaltrige mit Unterstützungsbedarf.
- 10 AsTIs wurden in Workshops geschult, um Teilnehmende sicher zu betreuen und einzubinden.
- Das Projekt stärkt Gemeinschaft, ermöglicht gleiche Teilhabe und wird trotz Förderauslauf fortgesetzt.
- Der Heimbacher Hof bietet vielfältige Freizeit- und Unterstützungsangebote für junge Menschen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Endlich hat der Regen der vergangenen Wochen aufgehört und es kann wieder draußen getobt werden. Das lassen sich die Jugendlichen, die am Sommerferienprogramm des Heimbacher Hofs in Schwäbisch Hall teilnehmen, nicht zweimal sagen. Einige spielen draußen, düsen mit Gokarts über den Hofplatz oder setzen sich in Rollstühle, die auf dem Gelände bereitstehen. Obwohl sie auf diese eigentlich nicht angewiesen sind, könnten sie doch irgendwann gebraucht werden. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Kooperation mit den Offenen Hilfen Schwäbisch Hall haben dafür gesorgt, dass inzwischen seit viereinhalb Jahren alle Ferienprogramme am Heimbacher Hof inklusiv sind. Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf werden in die Gruppe miteingebunden und seit diesem Jahr sind auch sogenannte „AsTIs“ dabei.
AsTI steht für Assistenz Tandem Inklusiv. Darunter versteht man Jugendliche, die andere Jugendliche mit Unterstützungsbedarf bei den Ferienangeboten begleiten. Dafür werden Tandems gebildet, ein AsTI hilft immer einem Teilnehmer oder einer Gruppe ungefähr gleichen Alters bei den Aktivitäten. Bei diesem Ferienprogramm vergangene Woche befinden sich unter den 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmern somit fünf, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Es ist eine Chance für diese Jugendlichen, die gleichen Sachen mitzumachen wie alle“, erklärt Jessica Wieland, Sozialpädagogin im Team der Ambulant begleitenden Dienste bei den Offenen Hilfen Hall, das Projekt. „Es geht für sie nicht nur darum da zu sein, sondern mit dabei zu sein.“
So wird man AsTI
Eigentlich sollte die Aktion mit fünf AsTIs beginnen, berichtet Sylvia Betsch vom Heimbacher Hof. Doch „das Interesse war so groß“, dass sich gleich zehn Jugendliche gemeldet haben. Anfang des Jahres fanden Qualifikations-Workshops statt, die in drei Module aufgeteilt waren. Im Ersten ging es besonders um Selbstreflexion und die Rolle im Team. Aber auch Selbsterfahrung sei dabei wichtig gewesen. Der 13-jährige AsTI Alouan erzählt, dass sie selbst mit einem Rollstuhl versucht haben über Sand zu fahren. „Alleine war das eher schwierig“, gibt er zu.
Das zweite Modul beschäftigte sich mit Nähe und Distanz. Ein Mädchen umarme gerne, es gebe aber auch Jugendliche, die sich damit nicht wohlfühlen. Da sei wichtig zu „sensibilisieren, wie geht man damit um und wie kann man reagieren“, sagt Betsch. Auch dass die AsTIs den anderen Jugendlichen als Mitarbeiter vorgestellt werden und nicht als Freunde fungieren, habe laut Sozialpädagogin Wieland damit zu tun. Es schützt in gewisser Weise. „Alle anderen wissen dann, dass sie eine Aufgabe und eine Rolle haben.“ Die AsTIs würden schon viel alleine machen, hebt Betsch hervor. Doch bei schwierigeren Charakteren stoßen sie an Grenzen. „Es ist klar, dass ein Jugendlicher dann eher auf einen Erwachsenen hört.“ Somit gebe es auch professionelle Helfer, die die jugendlichen Assistenten speziell anleiten.

Sie sind am Inklusionsprojekt beteiligt. Von Links: Klara, Max, Sylvia Betsch (Heimbacher Hof), Alouan (AsTI), Jule, Julian (AsTI), Romy (AsTI), Jessica Wieland (Offene Hilfen Schwäbisch Hall), Maggie, Daniel.
Lea PodschunBeim letzten Modul standen praktische Übungen und eine Hygieneschulung im Vordergrund. Die ersten AsTIs konnten nach erfolgreichem Abschluss bereits beim Faschingsprogramm eingesetzt werden. Die 16-jährige Jule, die auf Unterstützung angewiesen ist, freut sich über die ergänzende Assistenz durch Gleichaltrige. Ihr gefalle, dass sie ihr helfen und dass „sie auch Quatsch machen“. Die 13-jährige AsTI Romy berichtet ebenfalls von ihren Erfahrungen. „Es macht Spaß, mit den Kindern etwas zu erleben“. „Es bindet alle zusammen und man kann helfen“, stimmt auch Alouan zu. Trotzdem müsse man immer aufpassen, beispielsweise in der Werkstatt, dass die jungen Leute nicht einfach ein Sägeblatt anfassen oder auf die befahrene Straße neben dem Gelände laufen.
Das Projekt wird weitergehen
Dank des Beitrags der Stadt Schwäbisch Hall nehmen die jungen Helfer an dem Ferienprogramm gratis teil, bekommen sogar eine kleine Aufwandsentschädigung. Für diese werde zukünftig ein Spender gesucht. Bisher wurden die Entschädigungen wie unter anderem auch Module und ein Erste-Hilfe-Kurs über Landesmittel finanziert. Umgesetzt wurde das Projekt über die Landesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendbildung Baden-Württemberg (LAGO) und ihre Projektfachstelle Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit. Die Förderung über 10.000 Euro laufe jetzt aus.
Trotzdem werde es auf jeden Fall weitergehen, erklären sowohl Betsch als auch Wieland. „Die Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf sind schneller ein Teil der Gruppe“, fasst Wieland zusammen. „Es ist der richtige Weg. Jugendliche brauchen Jugendliche.“
Inklusion in Schwäbisch Hall
Beim Heimbacher Hof handelt es sich um ein Spiel- und Kulturhaus in Schwäbisch Hall. In diesem bietet die Offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Angebote sind unter anderem Jugend-, Kinder- und Queertreffs sowie Ferienfreizeiten. Bei den Programmen können die Jugendlichen beispielsweise in der Werkstatt arbeiten oder auch sportlich aktiv werden. Sie werden bei der Gestaltung der Angebote mit eingebunden und können sich gemeinschaftlich beteiligen.
Die Ambulant begleitenden Dienste der Offene Hilfen Schwäbisch Hall unterstützen Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen sowie ihre Angehörigen in ihrem Alltag. Dabei werden alle Altersstufen abgedeckt. Unter die Leistungen fallen unter anderem Beratung und Begleitung in allen Fragen des Lebens, Betreuung und Assistenz, Förderung der Selbsthilfe sowie Angebote aus dem Bereich Sport und Bewegung, Urlaub, Reisen sowie Bildung.