Holocaust-Gedenktag in Hall
: Nur knapp dem Tod im Lager entkommen

Farrel Igielman besucht die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Hessental. Es ist der Ort, an dem sein Vater als Lagerinsasse fast gestorben wäre. Der Arzt aus London ist sichtlich bewegt.
Von
Tobias Würth
Schwäbisch Hall
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Dr. Farrel Igielman, Sohn des Holocaust-Überlebenden Chil Igelman besucht die KZ-Gedenkstätte Hessental. Marion Urbitsch führt ihn herum. Foto: Tobias Würth (die Schreibweise des Nachnamens variiert zwischen dem polnischen Original und der Übertragung ins Englische)

Dr. Farrel Igielman, Sohn des Holocaust-Überlebenden Chil Igielman besucht die KZ-Gedenkstätte Hessental. Marion Urbitsch führt ihn herum. (Die Schreibweise des Nachnamens variiert zwischen dem polnischen Original und der Übertragung ins Englische. Der Holocaust-Überlebende taucht auch unter dem Namen Hillel Chill Ingielman auf. Auch die Schreibweise Igelman existiert.)

Tobias Würth
  • Dr. Farrel Igielman, Sohn des Holocaust-Überlebenden Chil Igielman, besucht die KZ-Gedenkstätte Hessental.
  • Er ist sichtlich bewegt, da sein Vater dort fast gestorben wäre.
  • Die Geschichten seines Vaters wurden ihm vor dessen Tod 2010 diktiert.
  • Chil Igielman überlebte aufgrund mehrerer glücklicher Umstände.
  • Am 27. Januar wird die Gedenkstätte KZ-Hessental beleuchtet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der 57-jährige Anästhesist aus London blickt durch die offene Tür des Güterwaggons auf der KZ-Gedenkstätte Hessental. Der Wind pfeift durch die Fensterchen. Farrel Igielman macht die Kälte nichts aus. Er trägt eine wetterfeste Barbour-Jacke. Was hätte sein Vater damals alles für so eine wärmende Jacke gegeben?

Es ist Winter. Genau die Jahreszeit, die für seinen Vater Chil Igielman im Lager die härteste Zeit war. Der damals 16-Jährige musste ums Überleben kämpfen. Mehrere Monate lang war er in Hessental.

Farrel Igielman kennt die Geschichten. Sein Vater hat sie ihm kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 diktiert, damit sie für die Nachwelt erhalten bleibt. „An den frostigen Sonntagen im Winter, wenn wir nicht arbeiteten, mussten wir auf dem Appellplatz antreten, wir wurden abgezählt, dann befahl man uns unsere Kleider auszuziehen und sie vor uns abzulegen. Wir standen da nackt, bis zu fünf Stunden lang“, steht in den Erinnerungen. „Die Idee war, dass dadurch die Läuse in unseren Kleidern erfrieren würden, sie aber starben nicht auf diese Weise, doch viele Juden.“

Am vergangenen Freitag will der Engländer zum ersten Mal den Leidensweg seines Vaters genauer nachverfolgen. Er reist mit seiner Frau Jane nach Vaihingen und Hall.

Der erfahrene Arzt wirkt nachdenklich, als er am Ende seines Besuchs in Hessental rüber zu den Stelen hinübersieht, die auf dem Appellplatz die Zwangsarbeiter symbolisieren sollen. „Es ist erstaunlich, wie das einen berührt. Es ist so schlimm, was er erlebt hat.“

Holocaust-Überlebender Chill Igielman erhält 2005 Besuch von Marion Urbitsch und Paul Michel vom Verein der KZ Gedenkstätte Hessental. Auch: Chil Igelman oder Chil Ingelman

Das erste Foto, das vom Holocaust-Überlebenden Chil Igielman noch existiert stammt wohl aus dem Jahr 1945. Alle früheren fotografien sind verschollen, denn seine Familie wurde vergast.

Privat

Überlebt hat sein Vater, der aus Polen stammt, nur durch mehrere Zufälle oder Fügungen – je nachdem, wie man es nennen will. Die Deutschen hatten Polen besetzt, steckten die Juden in Ghettos. Hillel Chil Igielman (es existieren mehrere Schreibweisen der polnischen Vor- und Nachname nach der Übertragung ins Englische) lebte im Haus seines Onkels, in dem zwölf Personen hungerten. Jede Familie musste einen Arbeiter zur Verfügung stellen. Es ging nicht wie erhofft nur tagsüber auf eine Brückenbaustelle, sondern dauerhaft in die Munitionsfabrik Radom.  Der damals zwölfjährige Chil wusste noch nicht, dass er seine Eltern und die drei Geschwister nie mehr sehen würde. Sie wurden in Treblinka vergast.

Der Leidensweg von Chil Igielman dauerte rund vier Jahre. Er leistete Nachtschichten in der Waffenfabrik, wurde im letzten Moment vor einer Erschießung gerettet. Die Kriegsfront verschob sich, die Zwangsarbeiter wurden nach Auschwitz gebracht. „Wir stiegen alle aus und stellten uns auf der Rampe in einer Reihe auf. Ein Orchester spielte und begleitete Sänger. Eine Gruppe Deutscher begann mit der Selektion.“ Da er offensichtlich als arbeitsfähig galt, entging Chill Igielman erneut dem Tod und wurde weitergeschickt. Mittlerweile wusste er, dass seine Familie wohl nicht mehr lebte. Ein Feuerwehrmann in der Waffenfabrik hatte ihm einen Hinweis gegeben.

„Die Bedingungen im Lager in Vaihingen waren so schlecht, dass sich mein Vater freiwillig für einen Arbeitseinsatz im Lager Hessental meldete“, weiß der Sohn zu berichten. Wieder eine schicksalhafte Entscheidung?

Dr. Farrel Igielman, Sohn des Holocaust-Überlebenden Chil Igelman besucht die KZ-Gedenkstätte Hessental. Marion Urbitsch führt ihn herum. Foto: Tobias Würth (die Schreibweise des Nachnamens variiert zwischen dem polnischen Original und der Übertragung ins Englische)

Stacheldraht vor einer Luke in einem Waggon.

Tobias Würth

„Was wollen Sie hören? Er hat viele Geschichten erlebt. Gute wie schlechte.“ Farrel Igielman hätte gute Gründe, die grausamen zu erzählen, die ihm sein Vater erst kurz vor seinem Tod weitergegeben hat. Doch er entscheidet sich für eine, die das Gute im Schlechten zeigt. „Eines Tages im Winter musste mein Vater Bombentrichter auf dem Flugplatz mit Erde auffüllen. Ein Loch war voll mit Wasser. In das hatte ihn ein Wärter gestoßen. Beim Herausklettern verletzte er sich auch noch.“ Der ausgehungerte Häftling war nass, es war Winter. Der Teenager war am Ende seiner Kräfte.

„Zwei Luftwaffenpiloten kamen vorbei und haben gesagt, wir benötigen einen Helfer. Und zwar genau diesen Jungen“, erzählt Farrel Igielman. Die beiden Soldaten der Luftwaffe hatten die Lage offensichtlich durchschaut. „Mein Vater kam in einen Raum, durfte sich dort vor das Feuer setzen und Suppe essen. Das war alles, was er machen musste. Mein Vater hat mir gesagt, dass er ohne diese Hilfe in genau dieser Situation nicht überlebt hätte.“ Auch den Todesmarsch, der am 5. April 1945 startete und in Richtung Dachau führte, überstand der Jude aus Polen.

Anderen blieb dieses Glück verwehrt. Zur Spitzenzeit waren mehr als 800 Häftlinge auf dem kleinen Gelände zwischen den Gleisen und der Straße in Hessental eingepfercht. Mindestens 182 starben im Lager, mehr als 150 beim Todesmarsch nach der Auflösung des Konzentrationslagers.

Marion Urbitsch, Siggi Hubele und Paul Michel führen den Sohn des Holocaust-Überlebenden samt Frau und befreundetem Pärchen über die Anlage. Holzbalken am Boden symbolisieren die Umrisse der Baracken. Viel ist nicht übrig geblieben von dem Lager, denn es diente über Jahrzehnte als Schrottplatz. Dem Zeitungsredakteur Michael Sylvester Koziol sei es zu verdanken, dass der Ort nicht mehr bewusst ignoriert wurde, sondern als Gedenkstätte dient. Marion Urbitsch will genau wissen, ob Farrel Igielman Nachfahren anderer Lager-Überlebender kennt. Denn sein Vater Chil war aus Dachau heraus von den Engländern unter die Fittiche genommen worden. Nachdem er in einer Frachtmaschine mit 200 weiteren Jugendlichen ausgeflogen wurde, startete er eine Polstererlehre in Manchester, lernte eine Jüdin kennen und heiratete.

Dr. Farrel Igielman, Sohn des Holocaust-Überlebenden Chil Igelman besucht die KZ-Gedenkstätte Hessental. Marion Urbitsch führt ihn herum. Foto: Tobias Würth (die Schreibweise des Nachnamens variiert zwischen dem polnischen Original und der Übertragung ins Englische)

Dr. Farrel Igielman erläutert Marion Urbitsch und Siggy Hubbele, was er über seinen Vater weiß.

Tobias Würth

Da niemand mehr übrig geblieben war, betrachteten Chil und später auch sein Sohn Farrel die jüdische Community in Manchester als Familie. „Wir wussten, dass er in Lagern war“, berichtet Farrel Igielman. Doch der Vater hatte nie darüber gesprochen. Nur einmal, als er das Rauchen aufgeben hatte, kamen die Erinnerungen plötzlich zurück. Er wurde von Alpträumen aus der Zeit verfolgt, weiß Jane Igielman. Erst als ein Freund an Krebs erkrankte, wurde auch Chil Igielman bewusst: Wenn er seine Geschichte nicht jetzt aufschreiben lässt, geht sie verloren.

Die wenigen Ehrenamtlichen des kleinen Vereins, der die Gedenkstätte betreibt, will die Erinnerung ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten lassen. Am 27. Januar 1945 befreite die sowjetische Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Aus diesem Anlass wurde vor einigen Jahren die bundesweite Aktion „Lichter gegen die Dunkelheit“ ins Leben gerufen. Mehr als 100 Gedenkstätte haben sich beteiligt. Viele beleuchten auch in diesem Jahr ihren Ort. Die Gedenkstätte KZ-Hessental am Hessentaler Bahnhof wird am Montag, 27. Januar, von 18 bis 19 Uhr beleuchtet, um ein Licht auf die Zeit des Grauens zu werfen.

Die Jugend von Hillel Chil Igielman (1928 bis 2010) - Autobiografische Aufzeichnungen

Ich wurde am 10. März 1928 in Bialobrzegi, einem Marktflecken etwa 70 Kilometer von Warschau entfernt, geboren. Meine Familie waren meine Eltern Brucha und Fishel, die um drei Jahre ältere Schwester Nicha, der um drei Jahre jüngere Bruder Pinchas und meine Schwester Sima, um sieben Jahre jünger als ich. Dazu kamen noch viele Verwandten in Bialobrzegi. Meine früheste Erinnerung ist, als ich im Alter von drei Jahren zum cheder (Kinderschule?) ging. Ich mochte das nicht besonders, weil der Rabbi sehr streng war, aber alle jüdischen Kinder gingen ab diesem Alter an, zum cheder. Der Tag war sehr lang, er begann um 9 Uhr morgens und dauerte bis 6 Uhr abends. Dazwischen gab es nur eine Spielpause von 15 Minuten.

Bialobrzegi war eine Marktgemeinde, die auf den Handel mit den einheimischen Bauern angewiesen war. Am Mittwoch verwandelte sich das ganze Städtchen in einen großen Markt, der auf dem Hauptplatz seinen Mittelpunkt hatte. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden unterschiedliche Dinge verkauft, wie zum Beispiel Vieh, Geflügel, Eier, Butter, Obst und Gemüse und Textilien. Mein Vater war Schuhmacher.

Das Haus in welchem wir lebten befand sich an der Ecke einer Straße mit sechs einstöckigen Terrassenhäusern. Es gab nur einen Raum der durch Vorhänge unterteilt war, um ein bisschen Privatsphäre zu schaffen. Da es ein Eckhaus war, hatte der Raum zwei Fenster, vorne und an der Seite. Im Zimmer befanden sich ein Tisch mit sechs Stühlen, zwei Schaukelstühle, zwei große Betten und zwei, die auf dem Boden gemacht wurden. Eine Öllampe erhellte den Raum. Der Ofen war aus Backstein. Er hatte vorne zwei Löcher, eines, um ihn zu heizen und das andere, um die Asche zu entfernen. Er gab keinen Backofen, aber vier Ringe zum Kochen und der seitliche Rauchabzug bildete einen waagerechten Sitz, der sehr warm war und bis zu vier Leuten Platz bot. Den cholent, challah und andere Backwaren trugen wir zum Bäcker. Wir nützten ihre Backöfen, die nachdem sie die Arbeit beendet hatten, noch heiß waren. Dafür mussten wir etwas bezahlen.

Die Wäsche wurde in einem großen Zuber gewaschen, die Kleider wurden im Sommer wie im Winters im Freien getrocknet und obwohl die Winter kalt waren, war das Wetter oft sonnig und trocken. Es gab einen Brunnen für die ganze Straße, aus dem wurde das Wasser geschöpft. Im Winter wurden wir in einem Zuber gewaschen, doch im Sommer ging die ganze Familie schwimmen.

Mit sieben Jahren begann für mich die richtige Schule. Da es keine jüdische Schule war, gab es sehr viel Antisemitismus und die jüdischen Kinder, auch ich, waren in viele Streitereien (Kämpfe) verwickelt. Der Unterricht dauerte von 8:00 bis 13:00 Uhr; ich ging zum Mittagessen nach Hause und von 14:00 – 18:00 Uhr zum Cheder. Nach dem Abendessen durfte ich solange es noch hell war spielen und im Sommer ging ich oft zum Schwimmen. Nicha beendete die Schule kurz bevor der Krieg ausbrach. Sie bestand alle Prüfungen, doch nur die Reichen waren in der Lage ihre Kinder weiter ausbilden zu lassen. Üblicherweise mussten die Mädchen ihren Müttern zuhause helfen.

Als 1939 der Krieg erklärt wurde, flohen viele Familien aus unserer Stadt in benachbarte Dörfer, da jedermann dachte, die Deutschen würden die Brücke über den Fluss am Rande der Stadt bombardieren, weil diese auf dem Weg nach Warschau lag. Auf unserer Flucht in ein kleines Dorf, dessen Namen ich vergessen habe, sahen wir viele Soldaten der polnischen Armee in vollem Rückzug von der Frontlinie. Wir hielten uns in Bauernhäusern auf und, da das Wetter noch sehr warm war, kochten wir im Freien unser Essen auf Backsteinen. Nach einigen Tagen begannen die Menschen wieder in ihre eigenen Häuser nach Bialobrzegi zurückzukehren; auch meine Familie war darunter. Nur ein paar Tage später kamen die Deutschen in unsere Stadt.

Die Deutschen haben niemals die Brücke bombardiert, jedoch die polnische Armee. Die Deutschen trieben die jüdischen Männer und Jungen, auch meinen Vater und mich, zur Arbeit an einer Ponton-Schiffsbrücke, die die zerstörte Brücke ersetzen sollte. Wir arbeiteten für die Deutschen nur an bestimmten Tagen und kamen abends nach Hause. Meines Vaters Arbeit – Schuhe anzufertigen und zu verkaufen - kam zum Stillstand, weil er kein Material mehr bekam. Auch der Markttag hörte auf. Wir hatten wenig Geld, Nahrung war knapp, da die Deutschen die Erzeugnisse der Bauern für sich brauchten. Jedoch, verglichen mit der späteren Kriegszeit, waren die ersten Monate nicht zu schlecht, zumindest wurde nicht geschossen.

Als der Winter kam, verschlechterten sich die Dinge. Juden durften nur in einem bestimmten Teil der Stadt leben und so waren einige Familien gezwungen in einem völlig überbelegten Haus zu wohnen. Da wir nicht in dem Juden zugewiesenen Bezirk lebten, zogen wir in meines Onkel Scrulek's (meines Vaters Bruder) Haus und teilten es mit seiner Familie. Alles in allem lebten zwölf Personen darin. Der einzige Weg an Lebensmittel zu kommen war, aus dem jüdischen Viertel heraus und zu den Bauernhöfen zu gelangen, aber wenn einen die Deutschen erwischten, wurde man erschossen. Wir froren sehr, da wir kein Holz mehr hatten und so versuchten wir uns nachts hinaus zu schleichen und Holzzäune abzubrechen, aber wenn sie dich dabei ertappten, erschossen dich die Deutschen. Sie wussten auch, dass manche Juden in die Nachbardörfer flüchteten und so setzten sie eine Belohnung von zwei Pfund Zucker aus, die jeder Pole, der einen entflohenen Juden meldete, bekam. Das bedeutete, dass wir uns nicht nur vor den Deutschen, sondern auch vor den Polen und besonders vor den jungen, in Acht nehmen mussten.

Zu den Problemen der Überbelegung, der Heizung und des Mangels an Nahrung, war die Hygiene das größte Problem. Wenn so viele Menschen auf engstem Raum eingepfercht leben, gibt es viel Müll und der häuft sich auf, weil ihn niemand entfernt. Alle waren sehr deprimiert; Krankheiten waren gang und gebe und Epidemien wie Typhus nahmen zu.

Ende August 1940 kurz vor Rosh Hashana, erhielt ich vom jüdischen Komitee und von der jüdischen Gemeinde die Mitteilung, dass ich nach Radom gehen müsse. Das jüdische Komitee war von den Deutschen angewiesen worden eine bestimmte Anzahl von Männern oder Jungen für Radom zur Verfügung zu stellen. Viele Familien entschieden, dass es besser sei, wenn der Vater bei seiner Familie blieb und so wurde ich ausgewählt zu gehen. Der Rest der Familie blieb zusammen. Ich wusste damals nicht, dass ich niemals mehr nach Hause zurückkehren und keinen aus meiner Familie wieder sehen würde.

Am nächsten Tag meldeten wir uns auf dem großen Platz von Bialobrzegi bei den Deutschen. Wir konnten sehen, dass seltsame Dinge vor sich gingen. Die jüdischen Männer oder Jungen, die sich bereits zur Arbeit gemeldet hatten, wurden sofort von SS - Wachen umringt, ihre Familien konnten sich ihnen nicht mehr nähern. Da ich keine Wahl hatte, meldete ich mich bei den Deutschen und unsere Gruppe wurde unter Bewachung auf Lastautos verladen. Auf jedem Lastwagen waren SS - Wachleute mit Maschinengewehren.

Wir wurden zu einer Munitionsfabrik in Radom gebracht. Die Fabrik war von einer Mauer umgeben, die es unmöglich machte nach draußen zu kommen, oder zu fliehen. Als wir ankamen, merkten wir, dass für unsere Unterkunft keinerlei Vorsorge getroffen war, man steckte uns in alte nicht mehr benützte Lagerhäuser. Wir schliefen auf dem blanken Steinfußboden und es gab nicht einmal eine Decke um uns zu wärmen. Wir waren sehr hungrig, da wir seit vierundzwanzig Stunden – seit unserer Abreise aus Bialobrzegi – nichts mehr gegessen hatten. Am nächsten Morgen gab man uns ein Stück Brot und eine Tasse Ersatzkaffee. Dann verteilte man die Leute auf die verschiedenen Arbeitsplätze in der Fabrik, etwa hundert von uns, ich eingeschlossen, wurden in Reserve gehalten. Das heißt, wir hatten keine bestimmte Arbeit, sondern wurden täglich für einen Job ausgewählt. Wir mussten die Toiletten mit einem Eimer leeren, der dann von einem Pferdekarren weggebracht wurde und wir luden Stahl, Kohle und Baumstämme von Eisenbahnwagons ab. Die Fabrik produzierte Revolver, Gewehre, Maschinengewehre und Fahrräder.

An Rosh Hashana (1940) wurden alle Juden zusammengerufen, auch diejenigen die vor uns nach Radom gekommen waren, und ein hoher deutscher Offizier hielt uns einen Vortrag darüber, wie faul Juden seien, und um zu demonstrieren, was mit Juden geschehen würde, die weiterhin faul seien, pickten sie sich einen Mann aus der Menge heraus und er wurde von einem Exekutionskommando erschossen. Wenig später wählten die Deutschen einige Juden aus, die als Polizei für jede Arbeitsgruppe tätig sein sollte. Der Polizist, der für unsere Gruppe zuständig war, rief vier Namen, darunter auch meinen. Wir dachten alle, dass wir nun erschossen würden, stattdessen mussten wir den toten Mann wegtragen und ihn beerdigen. Nach Jom Kippur, erfuhren wir von Mitgliedern der Fabrikfeuerwehr, dass alle Juden aus Bialobrzegi weggebracht worden waren, aber niemand wusste wohin. Eine Woche lang weinte ich bitterlich über den Verlust meiner Familie, seit dieser Zeit habe ich keine Träne mehr vergossen.

Unsere Arbeit war sehr hart und das Essen, das wir in der Fabrik bekamen, reichte nicht aus, um zu überleben. Am Morgen bekamen wir eine einzige Scheibe Brot und eine Tasse Ersatzkaffee, mittags eine Schale wässriger Kohlsuppe, in der man die wenigen in Streifen geschnittenen Kohlblätter zählen konnte und am Abend bekamen wir noch einmal eine Schale derselben Suppe. Ich entdeckte die Kantine, in der die Polen aus der Fabrik aßen. Da sie genug zu essen hatten, trieb ich mich immer in der Nähe umher und bettelte um die Reste. Wenn die Deutschen mich entdeckten, schlugen sie mich mit ihren Knüppeln. Sie entdeckten mich verschiedene Male, aber das Extraessen war es wert.

Eines Morgens, ungefähr zwei Monate nach meiner Ankunft, standen ich und ein anderer Junge immer noch vor dem Lagerhaus, in dem wir schliefen herum, als alle anderen bereits ihre Arbeit zugewiesen bekommen hatten. Da kam ein Pole vorbei und führte uns aus der Fabrik hinaus, zu etwas was sich als die Bäckerei und die Vorratslager entpuppte. Wir mussten Holzbretter zersägen, um die Öfen zu heizen. Das war die beste Arbeit in der Fabrik, besonders im Winter, weil es warm war und wir genug Brot zu essen hatten. Abends kehrten wir immer in das Lagerhaus zum Schlafen zurück. Als Gegenleistung für das Brot, welches uns die polnischen Bäcker gaben, mussten wir für sie Brot verstecken; etwa zwanzig Laibe auf einmal, verborgen unter dem Holz im Schuppen hinter der Bäckerei. Unterdessen bauten die Deutschen - sie benutzten dafür die jüdischen Arbeitskräfte - ein Konzentrationslager, zirka fünf Meilen von der Fabrik entfernt. Als das Lager fertig war, wurden wir vom Lagerhaus, in dem ich ungefähr vier Monate gelebt hatte, in das Lager gebracht. Ich arbeitete noch immer jeden Tag in der Bäckerei, aber abends musste sich die ganze Tagschicht am Fabriktor versammeln und wir marschierten zum Lager. Der andere Junge und ich schmuggelten Brot in das Lager, das wir in unseren Hosen versteckt hatten. Im Lager verkaufte ich das Brot, jedoch hatte ich niemals Gelegenheit das Geld auszugeben. Das Lager hatte seine eigene Küche, aber das Brot kam aus der Bäckerei der Fabrik. Ich bekam immer noch meine tägliche Ration von einer Scheibe Brot am Morgen und Suppe am Abend, da ich jedoch genug zu essen hatte, gab ich beides weg.

In sämtlichen Abteilungen der Fabrik, in der jüdische Menschen arbeiten mussten, gab es einen jüdischen Polizisten. Der jüdische Polizeichef hieß Greenschpam. Zu diesem Zeitpunkt waren einige Juden noch im Besitz von Wertsachen, wie Gold und Diamanten, die sie versteckt hatten und diese konnte die Polizei dazu verwenden, um mit den Deutschen Geschäfte für die Sicherheit der Juden zu machen. Eines Tages wurde ein Jude mit einem Laib Brot erwischt, den ich ihm verkauft hatte. Ein deutscher Zivilangestellter beschuldigte ihn, das Brot aus der Lagerküche gestohlen zu haben. Er war Volksdeutscher, deutscher Herkunft, aber in Polen geboren. Der Jude sagte, dass er den Laib nicht gestohlen, sondern von mir gekauft habe und er zeigte auf mich. Ich wurde aus dem Lager zurück zur Fabrik zum Büro des Werkschutzes gebracht, um erschossen zu werden. Das war die beinahe tägliche Strafe für so ein Vergehen. Als wir uns dem Büro näherten, holte uns der jüdische Polizeichef Greenschpam ein. Er sprach einige Minuten mit dem Volksdeutschen und dann führte mich Greenschpam weg, zurück ins Lager.

Nach diesem Vorfall kam ich nicht mehr zurück in die Bäckerei, stattdessen arbeitete ich in der Revolverabteilung der Fabrik. Einige Monate lang waren die Bedingungen unter denen ich arbeiten musste, schrecklich, da ich nur die Grundnahrung bekam. Ich konnte auch den ganzen Tag nicht zu den Küchen kommen, weil man die Maschinen nicht verlassen durfte.

Ich bediente gleichzeitig vier Maschinen, die die Revolvergriffe, in die die Magazine kamen, herausschnitten. Da die vierte Maschine mit einem neuen Revolver begann, war die erste fertig und man musste einen neuen Revolver einlegen. Das Sägeblatt musste scharf sein, um das Metall zügig zu schneiden und ich musste das immer überprüfen. Wenn die polnischen Aufseher einen Fehler entdeckten, wurde man vom Werkschutz erschossen. Einen einzelnen Fehler beim Zuschneiden der Metallteile konnte man verheimlichen, aber mehr als einer bedeutete den sicheren Tod. In der Fabrik wechselten wir von einer Woche Tagschicht zu einer Woche Nachtschicht ab. Wir arbeiteten sechs Tage die Woche, an Sonntagen, den Schichtwechseltagen, mussten wir andere Arbeiten verrichten, wie Ausladen der Wagons, Leeren der Toiletten und andere Reinigungsarbeiten, so hatten wir nie eine Pause.

Unsere tägliche Routine bestand darin, sich um 17:00 Uhr zu versammeln, dann marschierten wir zur Fabrik, begannen um 19:00 Uhr die Maschinen zu bedienen und arbeiteten ohne Pause bis 7:00 Uhr in der Frühe. Wir marschierten dann zum Lager zurück und erreichten dieses ungefähr um 9:00 Uhr. Niemals bekamen wir ein Mittagessen, denn da wir nachts arbeiteten, sollten wir am Tag schlafen und wenn wir Tagschicht hatten mussten wir arbeiten.

In dieser Weise arbeitete ich bis etwa Mitte August 1943.

Die ganze Zeit über trug ich dieselben Kleider, in denen ich mein zuhause verlassen hatte und da ich sie so lange getragen hatte, waren sie voller Läuse. Ungefähr jeden Monat wurden wir geduscht und unsere Kleider in einem Ofen entlaust, doch sobald wir in unseren Betten lagen wurden wir wieder von Läusen übersäht.

Zu Beginn des Jahres 1942 wurde das Lager von der SS übernommen und die Zustände wurden besser. Das Essen war besser, die Suppe dicker und es gab auch mehr davon. Unsere Zivilkleider wurden uns genommen und durch gestreifte, pyjamaähnliche Uniformen ersetzt und die Erschießungen hörte ganz auf. Die SS-Truppen waren überaus diszipliniert; dies war ein Kontrast zum Werkschutz. Es gab keine SS innerhalb des Lagers, sie blieben im Wachhaus am Tor und in den Beobachtungstürmen an der Lagerumzäunung. Das Lager wurde von der jüdischen Polizei geleitet. Jeden Arbeitstag brachte uns die SS zur Fabrik, die noch immer vom Werkschutz geleitet wurde und am Sonntag durften wir baden.

Im Sommer 1943 verbreitete sich das Gerücht, dass sich die Russen näherten. Die Gerüchte müssen wahr gewesen sein, denn Mitte August gab uns die SS in der Fabrik zwei Tage arbeitsfrei. Am dritten Tag wurden wir aus dem Lager gebracht, insgesamt 6.000 Juden und wir marschierten sechs Tage von Radom nach Tomashoff. Nachts schliefen wir auf den Feldern und nur dann gab man uns etwas Wasser zu trinken. Unsere einzige Nahrung war ein Viertel Laib Brot, den wir an dem Morgen, an dem wir Radom verließen, bekommen hatten. In Tomashoff brachte uns die SS in einer alten leerstehenden Mühle unter, wir blieben dort vierundzwanzig Stunden und schliefen auf dem Steinboden. In der Nacht fühlte ich, dass mich etwas piekste, ich hob es auf und steckte es in meine Tasche. Am Morgen sah ich, dass es ein goldenes Armband war, mit einem Diamanten an jedem Glied und dass es in einen alten Lumpen eingewickelt war. An diesem Morgen wurden wir von den Wachen in einen Eisenbahnwagon getrieben. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange wir in dem Zug waren, aber wir kamen zu einem riesigen Konzentrationslager, dass, wie wir schnell herausfanden, Auschwitz hieß. Wir stiegen alle aus und stellten uns auf der Rampe in einer Reihe auf. Ein Orchester spielte und begleitete Sänger. Eine Gruppe Deutscher begann mit der Selektion. Sie gingen die Rampe entlang und zogen alle Frauen und ältere Männer aus der Schlange heraus. Sie wurden auf eine Seite gestellt und mit Lastwagen weggebracht. Ich wurde von einem, ich glaube es war ein Arzt gefragt, wie alt ich sei. Ich antwortete, dass ich fünfzehn Jahre alt sei, obwohl ich erst vierzehn war und ich wurde nicht von der Rampe weggeholt. Die Männer und Jungen, unter ihnen auch ich, die übrigblieben, wurden zurück in die Eisenbahnwagons gebracht. Der Zug, mit uns an Bord, blieb den ganzen Tag stehen. Wir bekamen einen Viertel Laib Brot, etwas „worscht" und „ein wenigersatz coffee“. Im Laufe des Tages kamen einige Juden aus dem Lager Auschwitz in den Zug um ihn zu reinigen. Ich unterhielt mich mit ihnen und sie sagten, nichts weiter, als dass es ein fürchterlicher Ort sei und wir glücklich sein könnten, ihn zu verlassen. Diesen Abend verließ der Zug Auschwitz.

Die Fahrt dauerte zwei Tage. Man gab uns weder Essen noch Wasser, wir hatten nur das was wir in Auschwitz bekommen hatten und das musste reichen. Ungefähr achtzig Menschen befanden sich in einem Wagon. In der Ecke stand ein Eimer, der als Toilette diente, aber niemals geleert wurde. Wir waren die ersten, die in unserem neuen Lager in „Wiehengen“ (Vaihingen) ankamen. Die Zustände waren teuflisch. Das ganze Lager war im wahrsten Sinn des Wortes knietief mit Morast bedeckt, sobald man aus einer Baracke trat, versank man. Die SS auf ihren Pferden, jagte uns umher. In den Holzbaracken gab es dreistöckige Schlaflager. Jedes Schlaflager war wie ein großes Regal, auf dem ungefähr fünfundzwanzig Menschen lagen; fünfundsiebzig pro Schlaflager und hundertfünfzig in jeder Baracke. Die Schlafpritschen waren aus Holz, es gab weder Matratzen, Stroh oder Decken. In der Ecke jeder Baracke befand sich ein kleiner Raum, in dem ein speziell ausgewählter Jude der „Kapo“ wohnte. Das waren Menschen, die die Deutschen wissen ließen, dass sie bereit waren andere Juden zu schlagen und zu verprügeln und sie halfen den Deutschen das Lager zu führen. Jeden Morgen wählte der Kapo zwei Leute aus, um den „ersatz coffee" in einem großen Behälter zu holen. Zurück in der Baracke, schöpften sie ihn in unsere Blechschüsseln. Wir alle hatten eine Blechschüssel und einen Löffel, die man die ganze Zeit über bei sich trug, sie zu verlieren bedeutete, dass man verhungerte. Bis sie den Kaffee aus der Küche gebracht und hundertfünfzig Menschen sich in einer Schlange für ihn angestellt hatten, war er kalt. Am Morgen gab es für zehn Menschen einen Laib Brot. Mittags und abends bekamen wir etwas Suppe - das waren ein paar Rüben, die im Wasser schwammen. Nach dem Frühstück stellte der Kapo sicher, dass sich alle Juden um 6:00 Uhr auf dem „Appellplatz“ versammelt hatten; wir mussten uns in Reihen aufstellen und wurden abgezählt. Auch die, die in der Nacht gestorben waren, wurden mitgezählt. Dann wiederholten die Deutschen die Zählung. Wenn die Zählungen übereinstimmten und alle Toten mitgezählt waren, marschierten wir zur Arbeit. Die Zählerei dauerte zwischen 1 und 1½ Stunden. Wir mussten die Steine, die aus einem Hang herausgesprengt worden waren, um dort Platz für ein Gebäude zu schaffen, wegräumen. Ein paar Tage später hatte der Lagerkommandant die Idee, die Steine in das Lager zu bringen, um dem Morast beizukommen. So musste jede Person einen Stein die ungefähr fünf Kilometer zurück zum Lager tragen. Die Deutschen schlugen die Juden mit ihren Gewehrkolben bis sie tot waren, wenn der Stein, den sie trugen nicht groß genug war. Viele Menschen starben an Hunger oder vor Erschöpfung.

Vaihingen

Ich verbrachte sechs lange Monate in „Wiehengen“ [also Vaihingen bei Stuttgart, Amn. der Redaktion]. Dann, eines morgens während des Zählappells, fragten die Deutschen nach Freiwilligen, die in ein anderes Lager gehen sollten. Ich dachte, dass nichts schlimmer als „Wiehengen“ sein könne und meldete mich freiwillig, zusammen mit eintausend anderen. Wir verließen das Lager und marschierten drei Tage lang. Nachts schliefen wir auf den Feldern, das Essen bekamen wir von den Lastwagen. Da es spät im Frühling war, war es nicht so schlimm im Freien zu schlafen, jedoch ein Viertel der Juden starb auf dem Marsch. Das Lager in dem wir ankamen war klein und es hieß Hessental. Der Leiter des Lagers war von der SS, aber die Wachmannschaften waren von der „Luftwaffe" (German Air Force). In dem neuen Lager mussten wir auf dem benachbarten Flugplatz arbeiten; wir verlegten schmale Schienen, um Bomben auf die Flugzeuge laden zu können. Die Essensrationen waren die gleichen wie früher: kärgliches Brot und Suppe. An den Flugplatz grenzten jedoch Felder mit Karotten und Rüben (Zwiebeln?). Zu dieser Zeit gab es häufig Luftangriffe auf den Flugplatz und auf die benachbarte Stadt. Bei jedem Luftangriff rannten die Deutschen in ihre Unterstände (Bunker), sie ließen uns unbewacht und so liefen wir in die Felder und holten uns einige Karotten und Rüben. Wir mussten schnell zurücklaufen, bevor der Angriff vorbei war, weil es uns nicht erlaubt war zu den Feldern zu gehen. Das was wir erwischen konnten, schmuggelten wir in unseren Taschen in das Lager. Nur durch diese zusätzliche Nahrung konnte ich das Leben im Lager aushalten, da unsere Essensrationen unzureichend waren.

Die Deutschen hatten eine Methode die Kartoffeln vor dem Winterfrost zu schützen, indem sie sie auf große Haufen aufschütteten und sie mit Stroh und Erde bedeckten. Während eines Luftangriffes wurde ein solcher Haufen von einer Bombe getroffen und die Kartoffeln wurden durch das brennende Stroh teilweise gebacken. Die nächsten zwei Monate bemächtigten wir uns während der Luftangriffe dieser Kartoffeln.

Jeden Morgen mussten wir vom Lager zum Flugplatz zirka 7 Kilometer laufen, entlang einer Straße, die von Apfelbäumen umsäumt war. Viele Äpfel waren auf den Boden gefallen, wir stürzten uns auf sie und hoben sie auf. Normalerweise schossen die Wachen auf uns, wenn wir dies taten, aber manchmal wurden wir dabei nicht gesehen. Es war das Risiko wert. Von den Juden, die sich keine zusätzliche Nahrung verschafften, überlebte keiner. Außer mit dem bisschen kalten Wasser in einigen Bottichen im Freien, gab es keine Möglichkeit sich zu waschen. Wir konnten uns nur die Hände, das Gesicht und das Essgeschirr reinigen. Einmal. während meines zwölfmonatigen Aufenthalts in Hessental, brachten die Deutschen einen großen metallenen Apparat, in den oben Schläuche eingebaut waren, die kaltes Wasser verspritzten und stellten ihn 2 km vom Lager entfernt auf. Wir mussten unsere Kleider im Lager lassen und nackt durch den Morast zu dieser Dusche rennen. Nach einigen Minuten unter dem kalten Wasser, rannten wir wieder zurück zum Lager. Als wir dort ankamen, waren wir schmutziger als vorher, denn außerhalb des Lagers war es sehr morastig. An den frostigen Sonntagen im Winter, wenn wir nicht arbeiteten, mussten wir auf dem Appellplatz antreten, wir wurden abgezählt, dann befahl man uns unsere Kleider auszuziehen und sie vor uns abzulegen. Wir standen da nackt für bis fünf Stunden lang. Die Idee war, dass dadurch die Läuse in unseren Kleidern erfrieren würden, sie aber starben nicht auf diese Weise, doch viele Juden.

Ende Januar 1945 brach im Lager Typhus aus. Die Deutschen stellten das Lager unter Quarantäne; niemand konnte es verlassen und niemand ging zur Arbeit. Auch ich wurde krank, aber ich kann mich an die folgenden zehn Tage nicht mehr erinnern, weil ich im Delirium lag. Danach war ich lange Zeit sehr schwach; meine alte Kraft kehrte erst nach dem Krieg wieder zurück. Die Insassen des Lagers gingen nicht wieder zur Arbeit, denn kurze Zeit später kam ein Zug in den alle dreitausend Überlebenden einsteigen mussten. Der Zug fuhr zu einer Station und hielt dort zwei oder drei Tage, aber wir mussten in den Wagons bleiben. In dieser Zeit hängte man den Zug an die Wagons eines Lokalzuges, da die ganze Region evakuiert wurde. Das muss wegen der herannahenden Alliierten gewesen sein, da wir schon Artilleriefeuer von der Front hören konnten. Am Morgen des dritten Tages setzte sich der Zug in Bewegung, aber nach zwei oder drei Stunden wurde die Lokomotive von einem Flugzeug beschossen. Der ganze Zug entgleiste und rollte einen Bahndamm hinunter. Ohne einen Kratzer abbekommen zu haben, kletterte ich aus unserem zerstörten Wagon. Mein erster Gedanke war, den anderen, die auf der Suche nach Nahrung in die nahen Felder rannten zu folgen, denn ich hatte seit drei Tagen nichts mehr gegessen, doch es gab nichts. Viele hatten entsetzliche Verletzungen, Menschen, denen die Arme abgerissen worden waren rannten wie betäubt umher und viele waren tot.

Schließlich hatten die Wachen wieder alle zusammengetrieben. Wir bekamen ein Stück Brot und etwas Margarine aus einem zertrümmerten Versorgungswagon. Unmittelbar nach dem Unfall, wussten die Wachen nicht, was sie mit uns machen sollten, doch gegen Abend hatten sie den Befehl erhalten, uns in Marsch zu setzen, da es keinen anderen Zug gab. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt und wir mussten die ganze Nacht zu der am nächsten gelegenen Bahnstation marschieren. Diejenigen, die nicht mehr gehen konnten, wurden erschossen. Die ganze Nacht hörte ich, dass geschossen wurde und ich sah die Leichen derer, die in der ersten Gruppe waren und getötet worden waren, in den Gräben am Straßenrand liegen. Am nächsten Tag entdeckten die Deutschen einige Scheunen und Ställe in denen wir unterkommen konnten, sie hatten Angst tagsüber zu marschieren, da die Alliierten häufig Angriffe flogen. Die Gebäude waren viel zu klein für so viele Menschen, deshalb schossen sie in die Scheunen um noch mehr Juden hineinzuquetschen. Um hineinzupassen mussten etliche auf die anderen hinaufklettern. So ging das drei Tage, wir marschierten in der Nacht und wurden tagsüber in die Scheunen hineingestopft. Jeden Abend bekamen wir von den Bauern zwei gekochte Kartoffeln. Bevor wir unseren Nachtmarsch begannen, holten wir die Toten aus den Scheunen und beerdigten sie.

In der dritten Nacht erreichten wir unser unmittelbares Ziel, eine Bahnstation, doch sie stand in Flammen, wahrscheinlich war sie bombardiert worden. Wieder wussten die Wachen nicht, was sie machen sollten und so verbrachten wir die restliche Nacht auf dem Feld in der Nähe des Bahnhofs. Wir legten uns alle nieder und schliefen. Später in der Nacht wurde ich geweckt. Es regnete, ich lag in einer Wasserpfütze, doch dadurch bin ich nicht wach geworden, obwohl ich bis auf die Haut nass war. Der Marsch begann von neuem, aber wir hatten keine Kraft mehr und bewegten uns kaum. Wir kamen zurück zur alten Routine, des nachts zu marschieren und den Tag eingepfercht in einer Scheune, Stall oder einem anderen gerade zur Verfügung stehenden Gebäude zu verbringen. Wie lange dieser Zustand dauerte weiß ich nicht mehr, weil alles wie vernebelt ablief. Eines nachts, auf unserem Marsch, konnte mein Freund Yitschak Cygelman, nicht mehr weitergehen. Zwei von uns nahmen ihn in die Mitte und schleppten ihn weiter. Endlich gelang es uns einen Zug zu erreichen. In diesem Zug waren wir sieben Tage, ohne Wasser und ohne Essen. Jetzt hatten wir genug Platz in unserem Eisenbahnwagon, da wir jeden Tag die Toten in den letzten Wagen warfen, der nur für die Toten bestimmt war. Dies war die einzige Zeit in der wir vom Zug herunterkamen, aber wir bekamen immer noch weder Essen noch Trinken.

Nach sieben Tagen kamen wir nach Allach, einem Nebenlager von Dachau. Wir hielten einige Meilen vor Allach an. Es gab keine Bahnstation, nur Bahngeleise und neben den Schienen einen Graben. Einige Juden mussten die Toten aus dem letzten Wagon entladen und in den Graben werfen, andere entluden den vorletzten Wagon, in dem sich Kartoffeln befanden, die sie in einen anderen Teil des Grabens warfen. Ich und einige anderen, füllten sich die Taschen mit Kartoffeln, doch ich wurde dabei von einem SS-Mann entdeckt und er rannte zu mir herüber. Ich warf mich auf den Haufen toter Körper und war ihnen so gleich, dass er mich nicht mehr ausmachen konnte und als er sich umdrehte kroch ich weg, immer noch mit meinen Kartoffeln in der Tasche. Am Abend erreichten wir Allach. Es war ein riesiges Lager. Bei unserer Ankunft bekamen wir einen halben Liter (one pint) Rote Rübensuppe, das war seit Wochen das erste warme Wasser das ich bekam, dann wurden wir auf die Baracken verteilt. Dort gab es keine Stockbetten, sondern nur den nackten Boden, auf dem wir in zwei ganz engen Reihen – auf jeder Seite der Baracke eine, - aufgeteilt wurden. Das Lager war sehr überfüllt. Wenn man sich niedergelegt hatte war es unmöglich sich umzudrehen, bis am nächsten Morgen, die Kapos zum Verlassen der Baracken riefen. Wir konnten nicht einmal auf die Toilette gehen und so machten die Menschen in ihre Hosen, aber wir waren an diesen Geruch so gewöhnt, dass wir ihn nicht einmal mehr wahrnahmen. Es gab keine Arbeit für uns und ich wusste zuerst nicht, warum wir überhaupt hierhergebracht worden waren. Alles was wir den ganzen Tag machten war, sich zum Zählappell aufzustellen. Jede Zählung dauerte zwei bis drei Stunden. Zwischen den Zählungen gingen wir zurück in unsere Baracken, nur um eine halbe Stunde später erneut zu einer Zählung aufgerufen zu werden. Die Verpflegung war sehr unorganisiert. Wir sollten „ersatz coffee" am Morgen, mittags eine Suppe und abends „ersatz coffee" und etwas Brot bekommen. Manchmal bekamen wir zwei oder drei Tage nichts zu essen, weil einfach keine Verpflegung mehr da war. In dieser Zeit wurde Tag und Nacht bombardiert, doch das Lager wurde nie getroffen. Die Juden freuten sich über die Bombardierung.

So ging es etwa einen Monat. Wir konnten das Artilleriefeuer von der Front hören, alle sprachen von der nun bald erwarteten Befreiung. Dann entschieden die Deutschen, dass das Lager wegen der herannahenden Front evakuiert werden sollte. Eines Morgens befahl die SS alle Insassen vor die Baracken; die Juden die gehen konnten, marschierten mit den meisten Deutschen fort. Die Juden, die zu schwach zum Gehen waren (und ich war einer von ihnen), blieben mit ein paar SS Wachen im Lager zurück. (Meine Freunde Yitschak Cygelman und Joseph Rubinstein waren unter denen, die aus Allach wegmarschierten. Als ich sie nach dem Krieg wieder traf, hörte ich, dass die gehfähigen Juden in die Bergwälder marschieren mussten. Die SS befahl ihnen, sich in einer Reihe aufzustellen und begann sie zu erschießen. Es waren jedoch so viele und einige konnten in den Wald zu flüchten. Auch meinen beiden Freunden gelang die Flucht und sie trafen später auf die Alliierten).

Wir wurden zum Sterben im Lager zurückgelassen. Es gab überhaupt keine Nahrung mehr und auch keine Anwesenheitsappelle. Wir lagen in- und außerhalb der Baracken herum, zu schwach irgendetwas zu tun. Die ganze Zeit über starben die Menschen. Einige Tage später, nachdem die kräftigeren Häftlinge gegangen waren, wurde in der Nacht das Artilleriefeuer heftiger und auch das Lager geriet unter Beschuss. Am nächsten Morgen als ich aufwachte, riefen die Leute, dass die SS verschwunden sei, der Stacheldrahtzaun war zerschnitten und es kamen Menschen mit Essen zurück. Das Datum war der 8. Mai 1945.

Am Nachmittag erreichten die Amerikaner in ihren Panzern das Lager, aber sie betraten es erst am späten Nachmittag. Sie warfen uns Kekse und Schokolade aus ihren persönlichen Vorräten zu. Sie schlossen das Lager hermetisch ab, ich konnte mich jedoch hinausschleichen und kam mit einigen Kartoffelschalen zurück, die ich zwischen zwei Steinen, auf einem Feuer kochte. Gegen Abend kochten die amerikanischen Soldaten aus den vorhandenen Beständen der Deutschen, für uns Schweinefleisch und Makkaroni. Niemand von uns verweigerte wegen „Kashrut“ das Essen. Einige Tage lang bekamen wir Schweinefleisch und Makkaroni, dies erwies sich als ein tödliches Essen, da fast alle im Lager Durchfall bekamen. Viele Menschen starben. Am dritten Tag erreichte ein Team von U.S. - Armeeärzten und Hilfskräften das Lager, unter ihnen waren die ersten schwarzen Menschen, die ich je gesehen hatte. Zur Entlausung wurden wir mit D.D.T. eingesprüht und die Baracken wurden gesäubert und desinfiziert. Alle wurden auf eine Diät von Haferbrei gesetzt, außerdem bekamen wir Kohletabletten, um den Durchfall zu stoppen. Ich war durch den Durchfall so schwach, dass ich nicht laufen konnte und so brachte man mich mit einer Ambulanz in das Hauptlager Dachau. Ich verbrachte sechs Wochen in dem ehemaligen SS - Krankenhaus, um mich von Unterernährung und Erschöpfung zu erholen.

Nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, blieb ich in Dachau in einer ehemaligen SS Baracke. Vier von uns bewohnten einen Raum und es war recht bequem. Ich teilte die Unterkunft mit einem Polen des Warschauer Aufstands, einem Jugoslawen und einem Italiener. Es gab nicht mehr viele Exhäftlinge im Lager. Das Essen bekam ich in der Kantine und man hatte mir auch eine Jacke und eine Hose der Hitler-Jugend gegeben, von denen man die Abzeichen entfernt hatte. Auf diese Art verbrachte ich drei Wochen in Dachau.

Eines Morgens, als ich in die Kantine ging um zu frühstücken, war der Militär-Rabbi dort. Er fragte mich in Jiddisch, ob ich nicht in das D.P.C. (Displaced Persons Camp) wolle, da es dort viele andere Juden gäbe und ich der letzte Jude sei, der noch in Dachau verblieben war. Ich stimmte zu und am Nachmittag brachte er mich in seinem Jeep nach Feldafing bei München. Es war ein große DP - Lager, das zuvor ein Hitlerjugend Lager gewesen war. Die Nacht verbrachte ich in einer Baracke und am nächsten Morgen sagten sie mir, dass sie mich in den Kinderblock bringen wollten. Ich war damals siebzehn Jahre alt. Ich machte mich auf die Suche nach dem Kinderblock und traf auf Menschen, von denen ich in Allach getrennt worden war. Während unserer Zeit in Feldafing taten wir nichts anderes, als im nahe gelegenen See zu baden und in der Kantine zu essen. Manchmal sprangen wir auf den Zug nach München auf. Wir hatten kein Geld um eine Fahrkarte zu kaufen, aber niemand fragte uns nach unserer Fahrerlaubnis. In München liefen wir durch die zerbombten Straßen. Es kümmerte uns nicht, dass wir in einer deutschen Stadt herumstromerten.

Die United Nations Relief Agency begann die Menschen zu registrieren, die auswandern oder in ihr Heimatland zurückwollten. Ich hatte nicht den Wunsch nach Polen zurück zu gehen, da ich wusste, dass ich dort keine Familienangehörigen mehr hatte. Man konnte nun zwischen den Ländern USA, England und Israel (Palästina) wählen. Ich zeichnete für alle drei, ich wollte in das Land, das die erste Möglichkeit zur Auswanderung bot. Einige Monate später im Herbst, teilte man mit mir, dass ich mit einem Transport nach England mitgehen könne. England nahm eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen unter achtzehn Jahren auf.

Die Organisatoren von Aliyah Bet (Emigration nach Israel), sagten, dass die englischen und amerikanischen Behörden hauptsächlich den jüngeren Flüchtlingen die Einreise in ihre Länder erlaubten ... hence their opposition..... Die Amerikaner holten alle von uns, die für England bestimmt waren aus Feldafing raus und brachten sie nach Furenwalt D.P.C., weil Aliya gedroht hatte, die Straße bei unserer Abreise zu blockieren.

Einige Wochen später, es war anfangs Dezember 1945 kamen einige U.S. Lastwagen um uns zum Flughafen zu bringen. Am Münchner Flughafen warteten wir drei Stunden, dann hörten wir, dass es in England sehr nebelig sei. Alle zweihundert von uns, alles Juden, wurden in ein Kloster gebracht, wo wir einige Tage blieben. Jeden Morgen, nachdem uns die Nonnen das Frühstück gegeben hatten, machten die Amerikaner mit uns Ausflüge zu berühmten alpinen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel Garmisch-Partenkirchen. Als wir uns gerade auf so einem Ausflug befanden, kam ein Motorrad und man befahl uns sofort zum Flugplatz München zu fahren, weil dort R.A.F. Flugzeuge warten würden. Auf dem Flughafen gab man uns anstelle des Mittagessens, so viele Donuts wie in unseren Taschen Platz hatten. Im Flugzeug saßen wir auf dem Boden, da es keine Sitze hatte.

Drei Flugzeuge starteten, doch durch den Nebel landete jedes auf einem anderen Flughafen. Wir landeten in London. In den nächsten Tagen wurden die Passagiere der drei Maschinen zusammengefasst und dann wurden wir nach Winter's Hill Hall in der Nähe von Southhampton gebracht. Wir verbrachten ungefähr zwei Wochen in Winters Hill Hall. Während dieser Zeit wurden die Menschen auf England verteilt, einige gingen nach London, andere nach Manchester und Gateshead. Einige von uns entschieden sich für Manchester, obwohl wir nichts darüber wussten.

Man begleitete uns im Zug nach Manchester, wir wurden zu einer erst kürzlich eröffneten Herberge für ungefähr dreißig jüdische Flüchtlinge in der Northumberland Straße 25 gebracht. Jeden Morgen bekamen wir Englischunterricht, für kurze Zeit versuchten sie auch uns Französisch beizubringen, doch ohne Erfolg. Am Nachmittag hatten wir frei. Nach einem Jahr hörte der Unterricht auf; ich konnte mich in Englisch verständlich machen, ich konnte lesen und ganz gut schreiben, obwohl meine Rechtschreibung schlecht war. Man sagte uns, dass wir uns nach Arbeit umsehen sollten. Ich bekam einen Nachtjob in einer Bäckerei in Manchester, Cheetham Hill Road aber nach all diesen Lagern, konnte ich diese Nachtarbeit nur eine Woche aushalten. Dann bekam ich einen Lehrlingsjob als Polsterer. Die Herberge sollte wieder geschlossen werden, so mussten wir uns nach anderen Wohngelegenheiten umsehen. Einmal in einem Mietshaus musste ich andauernd umziehen, weil die Vermieterinnen habgierig waren, sie wollten mehr Miete, oder sie sparten am Essen.

Ungefähr um die Zeit als die Herberge in der Northumberland Street geschlossen wurde, fing ich an Laskie House, einen jungen jüdischen Sozialverein, der auch einige Zimmer für jüdische Kriegsflüchtlinge hatte, zu besuchen. Hier traf ich Edna Epstein, die damals fünfzehn Jahre alt war und die meine zukünftige Frau werden sollte. Wir gingen erst miteinander aus, als sie neunzehn war, wir heirateten als sie zwanzig Jahre alt war.

1988 besuchte ich mit meiner Frau Polen. Als wir in Treblinka waren, sahen wir einen Gedenkstein für die Juden von Bialorzegi. Fast alle von ihnen sind von den Nazis getötet worden. Von anderen Überlebenden erfuhr ich, dass die Deutschen sie, auch meine Familie, von Bialobrzegi an Hashana Raba 1943 in das Todeslager Treblinka gebracht hatten.

Die geschilderten Ereignisse sind ein genauer Bericht der wichtigsten Begebenheiten, die ich während des 2. Weltkrieges erlebt habe. Obwohl ich nicht alles, was mir in dieser Zeit zugestoßen ist, in Beziehung zueinander bringen kann, ist alles was ich berichtet habe, wahr, selbst wenn ich es fünfundvierzig Jahre nach dem Krieg niedergeschrieben habe.

Hillel Chill Igielman, 25. Dezember 1990, übersetzt von Elke Däuber, November 2005

Anmerkung von Tobias Würth (Redakteur Haller Tagblatt): „Der Sohn von Hillel Chil Igielman, Dr. Farrel Igielman aus London, hat den Bericht aufgeschrieben, der ihm von seinem Vater diktiert wurde. Er weist darauf hin, dass viele Datums- und Zeitangaben nicht stimmen können, da sich der Vater als Jugendlicher in dieser Ausnahmesituation nicht alles genau merken konnte. Das berichtet Farrel Igielman mündlich bei seinem Besuch in Hessental am 24. Januar 2025. Die Schreibweise des Nachnamens variiert zwischen dem polnischen Original und der Übertragung ins Englische. Der Holocaust-Überlebende taucht auch unter dem Namen Hillel Chill Ingielman auf. Auch die Schreibweise Igelman existiert. Als Rufname wurde auch „Charlie“ verwendet, oder auch „Chill“.