Großübungen der Feuerwehren: Damit alle dieselbe Sprache sprechen

Bei einer Großübung auf Schloss Langenburg mit über 200 Einsatzkräften wurde im Juni 2024 ein umfassendes Szenario mit allen beteiligten Blaulicht-Organisationen geübt.
Birgit Trinkle- Großübung der Feuerwehren im Juni 2024 auf Schloss Langenburg, 200 Einsatzkräfte beteiligt.
- Szenario: Fett-Explosion, eingeschlossene Festgesellschaft, Handwerker auf Dachboden.
- Planung durch Kommandant Fritsch zusammen mit Fürst Philipp, Koordination wichtig.
- Drehbuch erstellt für optimale Zusammenarbeit; 150 Kräfte von Feuerwehr, DRK, Bundeswehr.
- Beobachter beurteilen Erfolg der Übung, Ziel: bessere Zusammenarbeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Meer aus Blaulicht flutete vergangenen Juni die Hauptstraße sowie den Schlosshof von Langenburg. Menschen mit rußbeschmutzten Gesichtern werden zu den Rettungswagen geleitet. Qualm steigt auf. Und mehr als 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, Bundeswehr und Co. gehen konzentriert ihren Aufgaben nach. Sie alle proben an diesem Tag den Ernstfall – Fett-Explosion in der Schlossküche, eine vom Feuer im Vierjahreszeiten-Saal eingeschlossene Festgesellschaft und zudem Handwerker auf dem Dachboden. Die Großübung im Langenburger Schloss war dabei nicht nur für die zahlreichen Zuschauenden ein Spektakel. „Sondern sie sollte allen Beteiligten viele Erkenntnisse liefern und die Zusammenarbeit aller Blaulicht-Organisationen verbessern“, macht Matthias Fritsch, Kommandant der Feuerwehr Langenburg, deutlich.
Für die Planung behält Kommandant Fritsch vieles im Blick
Begrenzter Platz draußen, altes Gemäuer und ein Schloss, das eine hohe Bedeutung für die Region aufweist und entsprechend gut geschützt werden muss – das waren die Eckdaten, die Matthias Fritsch in Abstimmung mit Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg festsetzte, als sie bereits Mitte 2022 in die Planung für die Großübung starteten. „In diesem Jahr wurde ich zum Kommandanten der Langenburger Wehr gewählt. Mir war es sehr wichtig, dass wir die Gegebenheiten vor Ort für den Ernstfall kennen“, erklärt der 35-Jährige. Denn um eine solche „Hausnummer“ im Brandfall erfolgreich gewuppt zu bekommen, bedürfe es einer guten Kenntnis aller Hindernisse und Besonderheiten.
Anfang 2023 wurde die Planung dann konkreter. Der Termin wurde für Juni 2024 festgelegt. „Das Langenburger Schloss richtet sehr viele Veranstaltungen aus. Sonst ist so eine lange Vorlaufzeit für eine Großübung nicht üblich“, berichtet der Kommandant. Dennoch brauche es natürlich Zeit, damit alle wichtigen Teilnehmer die Übung eintakten können. „Es ist ja beispielsweise so, dass die Wehren, welche bei einer Großübung teilnehmen, auch gleichzeitig einplanen müssen, wer im realen Einsatzfall für sie zeitnah ausrücken kann“, erläutert Peter Schneider, stellvertretender Kreisbrandmeister des Landkreis Schwäbisch Hall. Kommt ein echter Notruf rein, brechen die Kameradinnen und Kameraden natürlich die Übung ab, um direkt zum Einsatzort zu fahren. „Aber dennoch muss diese Fahrtzeit einkalkuliert sein.“
Insbesondere bei einer so groß angelegten Übung wie der Langenburger Schlossübung ist die Koordination aller Beteiligten immens wichtig. Hierfür setzte Matthias Fritsch gemeinsam mit Feuerwehrkameradin Simone Schnepf sogar ein Drehbuch auf. „Wir wollten dadurch sicherstellen, dass während der Übung jede einzelne Einsatzkraft zum Zug kommt und dadurch etwas für sich mitnehmen kann“, unterstreicht der Kommandant.
Eine Mammutaufgabe – waren doch zig Organisationen vertreten: Neben der Langenburger Feuerwehr wurden die Kollegen aus Gerabronn, Schrozberg, Blaufelden, die Führungsgruppe Nord sowie ein Löschzug aus Künzelsau eingebunden. Außerdem Polizei, DRK samt Hundestaffel, das Landratsamt, die Drohnen-Gruppe der Feuerwehr Schwäbisch Hall und ein eigens organisiertes Kamerateam. „Das war mir wichtig, damit nach der Übung jeder einen Einblick bekommt, was an anderer Stelle passiert ist. Denn auch wenn es sich nur um eine Simulation handelte, war doch jeder einzelne sehr konzentriert dabei, seine jeweilige Aufgabe abzuarbeiten und konnte nicht rechts und links schauen, was da gerade los ist.“
Die Aufgaben bei einer Großübung sind umfangreich
Die Aufgaben in Langenburg waren vielseitig, aber natürlich auch sehr real: Das beginnt etwa damit, Schläuche so zu verlegen, dass sie keine Zufahrtswege für andere Parteien versperren. Es umfasst die Einsatzleitung – wer positioniert sich wo, um bestmöglich an den Einsatzort zu gelangen, aber selbst nicht in Gefahr zu sein. Und es muss trotz Drehbuch durchaus auch mal improvisiert werden. „Eigentlich hätten die Rettungswagen auf einem Parkplatz direkt in Schlossnähe stehen sollen. Aber da standen dann bereits Autos, also mussten wir ausweichen“, erinnert sich Matthias Fritsch. Das sind aber auch alles Aspekte, die im realen Fall eintreten können. „Schon alleine für sowas ist so eine Großübung gut“, findet der Kommandant.
Und obendrein gibt die groß angelegte Simulation ihm zufolge allen Beteiligten Sicherheit. Wenn der Ernstfall eintritt, kennen sich die Einsatzkräfte vor Ort bereits etwas aus. „Und man kennt sich gegenseitig dann schon etwas besser, kann zuordnen, wer etwa zu welcher Wehr gehört – das tut allen gut.“
Großes Unfallszenario für THL-Übung simuliert
In dasselbe Horn bläst auch Julian Neuppert, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Ilshofen. Er organisierte im vergangenen Jahr mit einigen weiteren Feuerwehrleuten ebenfalls eine großangelegte Übung zur Technischen Hilfeleistung (THL). Hierfür kamen die Wehren aus Ilshofen und Wolpertshausen, die Führungsgruppe Mitte und die Azubis vom ASB zusammen – insgesamt waren also rund 100 Personen involviert. Das Szenario umfasste sechs verunfallte Fahrzeuge, darunter einen brennenden Pkw, einen Lkw, bei dem Gefahrstoff auslaufen sollte, und einen weiteren Pkw mit zwei schwer eingeklemmten Personen.
„Das Ziel der Übung war – da die Feuerwehr Wolpertshausen seit einem Jahr gemeinsam mit Ilshofen auf die Autobahn ausrückt – das Zusammenspiel zu stärken, wenn es gilt, gemeinsam eine größere Lage abzuarbeiten“, erklärt Julian Neuppert. Durch die Autobahn-Nähe stehen THL-Einsätze für die Kameraden aus Ilshofen und Wolpertshausen nahezu auf der Tagesordnung. Gerade bei größeren Lagen kommt zusätzlich die Führungsgruppe Mitte dazu, um die Einsatzleitung zu unterstützen. „Für die Führungsgruppe Mitte war es der erste Verkehrsunfall generell in einer Übung und somit konnten auch sie wichtige Erfahrungen sammeln.“ Genauso profitierte aber auch die Einsatzleitung, die für den ordentlichen Ablauf aller Rettungen verantwortlich war, und die einzelnen Gruppen, die an jedem Fahrzeug eine THL-Aufgabe bewältigen mussten. Der Übungsleiter betont aber: „Ganz egal, ob es eine große oder kleine Übung ist, es sollte einfach jeder Anwesende auf seine Kosten kommen.“
Beobachter beurteilen das Zusammenspiel aller Einsatzkräfte
Doch wer beurteilt nun eigentlich, ob eine Großübung erfolgreich war oder was besser gemacht hätte werden können? In Ilshofen wurde für diese Aufgabe je Unfallfahrzeug ein Beobachter mit spezieller Funktion wie etwa der Zugführer-Ausbildung abgestellt. Sie stellten sich während der Übung dann folgende Fragen: Wie arbeitet die Gruppe zusammen? Wurden die Einsatzkräfte gut geführt? Wurde das vorab festgelegte Übungsziel erreicht? Was war gut, was hat nicht so gut geklappt? Dieses Feedback geben sie dann im Anschluss an die Teilnehmer weiter. „Das ist für mich der größte Gewinn bei so einer Simulation: Wenn jeder ein direktes Feedback für seine zuvor geleistete Arbeit erhält, sich reflektieren kann und dann für den Ernstfall weiß, was er besser machen kann“, sagt der 30-Jährige.
Bei der Langenburger Schlossübung war es etwas anders: „Wir waren von Seiten der Stabstelle für Brandschutz, Bevölkerungsschutz und Rettungswesen des Landratsamtes vor Ort“, erläutert Peter Schneider. Er, Kreisbrandmeister Joachim Wagner und Kreisbrandoberinspektor Maximilian Finkbeiner haben dabei dann die Beobachter-Funktion übernommen. „Das hängt aber auch damit zusammen, weil wir bei so einer umfassenden Schadenslage sowieso angerückt wären“, sagt Maximilian Finkbeiner. Jeder von ihnen hatte während der Simulation einen anderen Aspekt im Blick: Maximilian Finkbeiner die Brandbekämpfung, Peter Schneider die Hilfsorganisationen und Joachim Wagner die Gesamtlage.
Drehbuch: Zeitversetzt anrücken, um realitätsnah zu sein
Dabei haben sie viel Positives erleben können: Maximilian Finkbeiner hebt besonders die gute Organisation im Vorfeld hervor, die seiner Meinung nach für das Gelingen der Aktion elementar ist: „Das Drehbuch hat alle wichtigen Punkte berücksichtigt – so zum Beispiel auch, dass die Künzelsauer Wehr zeitversetzt zu den Langenburger Kameraden eintrifft.“ Ganz so, wie es auch in der Realität geschehen würde. Genauso haben die professionellen Statisten zum Erfolg beigetragen. In diesem Fall war die RUD-Gruppe (Realistische Unfalldarstellung) des DRK dabei. Geschminkt und erprobt darin, ein Unfallopfer darzustellen, riefen sie nach ihren Angehörigen, winkten aus den Fenstern oder schauspielerten einen gebrochenen Arm. „Dadurch wird das Szenario für die Einsatzkräfte nochmal deutlich realer.“
Eine klassische Checkliste, die es zu überprüfen gilt, gibt es in der Beobachter-Funktion aber nicht. „Wir beobachten aus unserer Erfahrung heraus. Wir wissen ja, was notwendig ist – zum Beispiel bei der Ordnung des Raumes zu Beginn – und können da dann beurteilen, ob es gut lief oder nicht“, so Peter Schneider. Das Resümee am Ende der Langenburger Schlossübung war gut. „Das Zusammenspiel aller Einsatzkräfte hat gut funktioniert – und das ist ja auch das Ziel bei einer solchen groß angelegten Aktion: Alle sollen am Ende dieselbe Sprache sprechen.“
Alles Infos über das Magazin „Brandaktuell“
Einmal im Jahr erstellt der Kreisfeuerwehrverband Schwäbisch Hall in Zusammenarbeit mit der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe das Magazin „Brandaktuell“. Darin enthalten sind viele wichtige Themen, die die Kameradinnen und Kameraden im Landkreis bewegt, sowie ein großer Rückblick auf das Einsatzgeschehen des Vorjahres aller Feuerwehren des Landkreises. Das Magazin gibt es als gedruckte Variante und kann zudem kostenlos als Online-Ausgabe gelesen werden.