Großes Camperglück
: Camping-Urlaub hat viele Facetten

Camping mit Reisemobil, Caravan oder Campervan liegt nicht nur voll im Trend, sondern geht auch auf ganz viele Arten. Zwei Hohenloher berichten von ihren Erfahrungen und Erlebnissen und geben Tipps für Einsteiger.
Von
Alisa Grün
Region
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  • Rainer Eberhardt liebt das Reisen mit seinem Wohnmobil. Den Winter verbringt er damit gerne in wärmeren Gefilden, wie zuletzt in Portugal. Dort campte er gemeinsam mit seinem Sohn.

    Rainer Eberhardt liebt das Reisen mit seinem Wohnmobil. Den Winter verbringt er damit gerne in wärmeren Gefilden, wie zuletzt in Portugal. Dort campte er gemeinsam mit seinem Sohn.

    privat
  • Rainer Eberhardt ist als ehemaliges Vorstandmitglied des aufgelösten Camping Club Hohenlohe nach wie vor ein begeisterter Camper. Unter www.reberhardt.de nimmt er die Leser auf seinen Touren mit und gibt viel Wissen und Infos weiter. ⇥

    Rainer Eberhardt ist als ehemaliges Vorstandmitglied des aufgelösten Camping Club Hohenlohe nach wie vor ein begeisterter Camper. Unter www.reberhardt.de nimmt er die Leser auf seinen Touren mit und gibt viel Wissen und Infos weiter. ⇥

    Archiv/Thorsten Hiller
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Frei sein, spontan den Ort wechseln, die Natur ganz nah erleben, neue Länder bei der Durchreise erkunden oder einfach nur mit möglichst wenig „Schnickschnack“ und ohne fest vorgegebene Frühstückszeiten einen erholsamen Urlaub verbringen – warum manche lieber campen gehen, anstatt ihren Urlaub beispielsweise in einem Hotel zu verbringen, hat viele Gründe. Eines ist aber oftmals bei allen gleich: Wer einmal das „Camperglück“ gespürt hat – sei es beim Urlaub mit den Eltern oder später mit dem Partner oder Freunden –, der wird ganz oft zum Wiederholungstäter.

Denn der Camping-Lifestyle hat seinen eigenen Charme, wie auch Erica Gonzalez Hernandez weiß. „Ich war früher mit meinen Eltern immer campen. Daher kommt meine Leidenschaft dazu“, erklärt sie. Mit ihrer Familie hat sie dann immer in der Nähe des Strandes ihrer Heimat Teneriffa gezeltet. An das nächtliche Meeresrauschen und daran, den ganzen Tag direkt am Strand zu verbringen, erinnert sie sich auch heute noch gerne. Die Fotografin, die das Cover des Juni-Trends ziert und seit sechs Jahren in Deutschland lebt, zog es vergangenes Jahr für zwei Monate nach Frankreich und Spanien. Mit einem Campervan entdeckte sie bei ihrem Roadtrip die Landschaft, die Leute und die Lust am selbstbestimmten Reisen ganz neu. „Das hat mir nochmal gezeigt, wie sehr ich das Campen liebe. Es waren einfach die zwei schönsten Monate meines Lebens.“

Doch neben aller Camping-Romantik hat das Alleine-Reisen für Erica auch einige Herausforderungen bereitgehalten. „Ich war alleine unterwegs und manchmal war es schon ganz schön hart. Ich habe teilweise tagelang mit niemandem gesprochen und bin ganz und gar in meinen Gedanken versunken“, erklärt die 29-Jährige. Das hält aber meist nicht lange an, denn wer campt, ist meist auch sehr gesellig. „Ich habe unterwegs ganz viele nette Leute kennengelernt.“

Trotz Campervan ist man auf Campingplätze angewiesen

Auf ihrer Reise übernachtete Erica mit dem Van oft auf Campingplätzen, die auch einen gewissen Komfort wie ein Waschhaus oder ein Kiosk beinhalten. Das klassische „Freistehen“ mit einem Van oder Wohnmobil wird in den europäischen Ländern immer schärfer reglementiert, wie auch Camper-Urgestein Rainer Eberhardt aus Schrozberg weiß. „Leider wurde das ‚Campen in der Wildnis‘ oder an Plätzen direkt an der Küste von vielen Urlaubern in der Vergangenheit zu sehr ausgereizt. Viele haben ihren Müll hinterlassen und damit der Umwelt geschadet. Deshalb ist beispielsweise auch in Portugal nur noch der Aufenthalt auf Campingplätzen erlaubt“, teilt er seine Erfahrungen. Von denen hat Rainer Eberhardt einige, denn der 76-Jährige ist schon seit seiner Kindheit mit Zelt, Wohnwagen oder Reisemobil in ganz Europa unterwegs. „Zunächst mit meinen Eltern und dann mit der eigenen Familie“, erklärt er.

Auch heute noch zieht es den Schrozberger mit seinem Wohnmobil, das dank Wassertanks und Fotovoltaik ein autarkes Reisen ermöglicht, regelmäßig auf die Straße, um neue Orte, die Menschen dort sowie das Essen und die Kultur kennenzulernen. „Ich bin nun natürlich zeitlich nicht mehr so gebunden und kann deshalb auch die mautpflichtigen Straßen vermeiden.“ Dadurch spare er sich einiges, denn mit den steigenden Spritpreisen, sei natürlich auch der Campingurlaub teurer geworden. „Das sollte man immer berücksichtigen: Je weiter die Strecke zum Ziel, desto teurer wird der Urlaub.“ Und dennoch merkt er an: „Das Campen erfreut sich meiner Erfahrung nach aber dennoch seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit.“

Was passt zu mir: Zelt, Caravan oder Wohnmobil?

Mit welcher „Bleibe“ der Urlaub verbracht wird, ist dabei aber ganz unterschiedlich: Viele Familien oder auch Einsteiger besorgen sich zunächst ein Zelt. Die sind mittlerweile sogar aufblasbar, wodurch kein umständliches Hantieren mit dem Gestänge mehr nötig ist. Außerdem verfügen viele Modelle über komplett abgedunkelte Schlafbereiche. Wer sich für einen Wohnwagen oder ein Reisemobil interessiere, sollte sich vorher folgendes bewusst machen, rät Rainer Eberhardt: „Ein Wohnwagen benötigt immer auch ein entsprechendes Zugfahrzeug. Man benötigt meist etwas länger zum Auf- und Abbau von Vorzelt und Co. Aber: Man hat jederzeit die Möglichkeit, die Unterkunft auf dem Campingplatz zu lassen, und dann mit dem Auto die Gegend zu erkunden.“ Auch das Wohnmobil habe ihm zufolge einige Vor- und Nachteile: „Man dreht nach Ankunft den Fahrersitz um und ist eingerichtet“, sagt er und lacht. „Nein, im Ernst. Etwas mehr gehört schon dazu. Aber im Vergleich zum Wohnwagen ist der Aufwand geringer. Gleichzeitig kann man mit Wohnmobilen autarker leben und Stellplätze ohne großen Komfort ansteuern. Dennoch muss ich dabei auch immer beachten, dass die Straßen gut sein müssen und ich manche Orte vielleicht nicht anfahren kann“, macht er deutlich.

Sollten Camping-Einsteiger ein Reisemobil kaufen oder leihen?

So ein Caravan oder Wohnmobil kostet einiges. „Campen gehen, um günstig Urlaub zu machen, ist ein Trugschluss. Denn es müssen auch immer die Anschaffungskosten ins Verhältnis gesetzt werden.“ Wer weniger als sechs bis acht Wochen im Jahr mit einem Camper verreist, dem rät der Wohnmobil-Enthusiast, sich lieber ein Fahrzeug zu mieten. „Das gilt übrigens auch für diejenigen, die neu ins Camping einsteigen: Sie sollten unbedingt mal alle Möglichkeiten ausprobieren und dann schauen, was am besten zu ihren Bedürfnissen passt.“ Für diejenigen, die noch offene Fragen haben, hat Rainer Eberhardt noch eine Empfehlung: „Einfach beim Deutschen Camping Club (DCC) nach einem Ortsverein in der Nähe suchen. Da gibt es dann fundiertes Wissen von erfahrenen Campern.“

Mehr Stories und Wissen, gibt’s auf unserem Instagram-Account @hohenlohetrends zu entdecken.

Weitere Tipps um Stellplätze zu finden

Mit Apps wie dem „Stellplatz-Radar“ lassen sich ganz leicht die nächstgelegenen Stell- oder Campingplätze anzeigen. Außerdem liefert die App gleich noch Informationen zur Ausstattung, zum Preis und zur tagesaktuellen Verfügbarkeit von Stellplätzen.

Für Einsteiger kann Rainer Eberhardt Spanien empfehlen. „Die Städte und Dörfer sind Campern gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt er. Fast überall sind Stellplätze für ein oder zwei Nächte zu finden oder aber spezielle Versorgungsstationen, um das Frischwasser aufzufüllen oder den Abwassertank zu entleeren.

Und in Hohenlohe? Auch da gibt es Rainer Eberhardt zufolge viele schöne Plätze zum Campen, wie zum Beispiel am Hollenbacher See, in Kirchberg/Jagst, am Steinbacher See oder in Pfedelbach-Buchhorn.