„Final Rock-Show“ in der Haller Kantine: Lebendiger denn je

Bei der letzten Rock-Show vor der Schließung der Kantine ist der Haller Liveclub zum Bersten voll. Marc Zillmann (rechts, auf der Bühne) ist einer der Gründer und fester Bestandteil des Formats.
Thumilan Selvakumaran- Letzte Rock-Show in der Haller Kantine füllt den Club – Abschluss nach 22 Jahren Reihe.
- Anlass ist die Schließung der Kantine Mitte April, die Spielstätte geht verloren.
- Breites Programm mit lokalen und Gast-Künstlern, u. a. Metallica, RATM und Slipknot.
- Höhepunkt mit Zoltán „Zoli“ Farkas nach Ektomorf-Tour, später Nothing Else Matters als Finale.
- Marc Zillmann kündigt Termin beim Oberbürgermeister an und bittet um öffentlichen Support.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Ende, da ist es schon eine Weile nicht mehr 2 Uhr, erklingt Nothing Else Matters. Die legendäre Powerballade von Metallica, gesungen von Marc Zillmann, beschließt die 22-jährige Live-Rock-Erfolgsgeschichte in diesem alten Industriebau im Schwäbisch Haller Osten, und der Titel hätte nicht passender gewählt sein können. Denn in diesem Augenblick zählt für Band und Gäste der Rock-Show nichts anderes, als dabei zu sein, wenn der sprichwörtliche Vorhang fällt. Nur wenige sind gegangen; selten – wenn überhaupt jemals – hat man den Liveclub Kantine so voll erlebt wie in dieser Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag.
Und das soll nun alles enden?
Schon die lange Schlange vor dem Einlass einige Stunden zuvor zeigt: Vielen ist bewusst, dass dies kein Abend ist wie jeder andere. Die von Marc Zillmann und Jürgen „Maui“ Maurer im Jahr 2004 ins Leben gerufene Rock-Show hat zunächst im NCO-Club, dann in der Kantine immer mehr Zuspruch von Fans wie Musikern erfahren und dabei so viele denkwürdige Momente hervorgebracht, dass der Gedanke geradezu absurd erscheint, das alles könnte nun enden. Doch die Kantine stellt Mitte April den Betrieb ein, und damit verliert die Rock-Show ihre angestammte Spielstätte.
Es ist also die „Final Rock-Show“, und die präsentiert noch einmal das große Spektrum der Reihe. Steffi Zott wirbelt mit Big in Japan von den Guano Apes über die Bühne und singt gegen Ende – wie sollte es anders sein – Killing In The Name von Rage Against The Machine. Bruno Bozoki, Max Lassmann und Micki Richter zeigen bei Master Of Puppets von Metallica ihr ganzes Potenzial an den Saiten und am Mikro. Jochen „Fischi“ Fischer ehrt mit Ace Of Spades und dem Bowie-Cover Heroes die altehrwürdigen Motörhead. Bernd Kühr singt gemeinsam mit Steffi Zott das herausfordernde Heavy Is The Crown von Linkin Park. Selbst Nu-Metal-Juwele wie Be Quiet And Drive von den Deftones stehen auf der Setlist. Längst haben sich da Moshpits gebildet, vor der Bühne wird wild getanzt, in der ganzen Kantine lauthals mitgesungen.

Gruppenfoto am Ende der "Final Rock-Show" in der Schwäbisch Haller Kantine: Fans und Künstler feiern eine große Rock-Nacht.
Jochen HöneßTemperatur und Stimmung scheinen bereits auf dem Höhepunkt, als im zweiten Set Zoltán „Zoli“ Farkas auf die Bühne tritt und ein Metal-Brett allererster Güte abliefert, gekrönt vom Slipknot-Kracher Surfacing. Am selben Abend hatte er mit seiner ungarischen Band Ektomorf in Mannheim deren Europatour abgeschlossen, um sich anschließend extra auf den Weg nach Schwäbisch Hall zu machen und mit einem vollen Konzert in den Knochen dort ein zweites Mal aufzutreten.
Lokalmatadore kehren noch einmal zurück
Im Vorprogramm spielen die Bands Tarot und Drift&Die – letztere angeführt von Sascha Breithaupt im Rahmen einer unwahrscheinlichen Reunion nach mehr als einem Jahrzehnt seit der Auflösung der Band. Doch die Rock-Show macht es möglich, dass sich die heimische Gruppe ein weiteres Mal auf der Bühne zusammenfindet und das Publikum mitreißt. Es ist der Auftakt zu einem denkwürdigen Abend, der bei Musikern wie Gästen noch lange nachhallen wird.

Gitarrist Micki Richter ist an den Saiten eine Klasse für sich und spielt seit einiger Zeit in der Rockband „Eisbrecher“.
Thumilan SelvakumaranEs ist kurz nach 2:30 Uhr. Nothing Else Matters verklingt. Jubel und Applaus wollen nicht enden, weitere Zugaben werden gefordert. War es das nun wirklich? Der Raum ist auch nach vier Stunden Live-Rock voller Energie, als wollte diese Rock-Show zeigen, dass sie nicht dem Ende entgegen sieht, sondern lebendiger ist denn je. Dass sie sich nicht einfach mitsamt der Kantine zu den Akten legen lässt. „Der Traum von uns allen hier oben ist, dass der Club in irgendeiner Form weiter bestehen bleibt“, sagt Marc Zillmann früher am Abend, inmitten des ersten Sets. Er verrät, dass er in zwei Wochen einen Termin bei Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Daniel Bullinger habe, um über den Fortbestand des Clubs als Kultur- und Spielstätte zu sprechen. „Wenn ihr Bock habt, dann supportet uns auf allen Plattformen!“, fordert er das Publikum auf. Und spätestens nach diesem Abend ist klar: Am Zuspruch der vielen Rock- und Metalfans in Schwäbisch Hall und der Region wird es sicherlich nicht scheitern.

