Feuerwehr-Magazin Brandaktuell
: Voneinander für den Ernstfall lernen

Damit alle Feuerwehrmänner und -frauen aus dem Landkreis das Wissen über die Technische Hilfeleistung (THL) aus den eigenen Reihen abrufen können, hat Joachim Völkel das THL-Netzwerk ins Leben gerufen.
Von
Alisa Grün
Landkreis
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Eines der Treffen des Netzwerks fand beim Gebrauchtteilecenter von Mercedes statt. Die Teilnehmer stammen aus allen Wehren des Landkreises. ​

Eines der Treffen der Netzwerk-Teilnehmer fand beim Gebrauchtteilecenter von Mercedes statt. Die Kameraden stammen aus allen Feuerwehren des Landkreises.

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  • Joachim Völkel gründete das THL-Netzwerk im Landkreis Schwäbisch Hall.
  • Erste Treffen fanden 2023 statt, um Wissen zu teilen und Feuerwehrleute zu schulen.
  • 50-60 regelmäßige Teilnehmer verteilen Wissen in ihre Wehren.
  • Treffen behandeln Themen wie E-Mobilität, Trauma-Management und Unfallanalyse.
  • Zukunftspläne: Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und praktische Übungen bei Landmaschinenherstellern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nicht selten kommt es vor, dass der Melder eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau folgendes Stichwort sendet: „Verkehrsunfall Pkw mit eingeklemmter Person“. Neben dem Löschen von Bränden ist die Technische Hilfeleistung (THL) ein sehr großer Aspekt der ehrenamtlichen Tätigkeiten der Freiwilligen Feuerwehren im gesamten Landkreis Schwäbisch Hall. Diese THL-Einsätze können Verkehrsunfälle mit Pkw oder Lkw sein, aber auch Bahn- oder Tiefbau-Unfälle sowie Türöffnungen, wenn etwa eine Person in Gefahr dahinter vermutet wird.

Das Spektrum ist also breit und daher sollte auch das Wissen der Einsatzkräfte vor Ort umfassend sein. Denn jedes Szenario erfordert eine eigene Lösung. Die Kameradinnen und Kameraden müssen beispielsweise bei einem Pkw-Unfall gemeinsam mit dem Rettungsdienst entscheiden, ob es Sinn macht, zuerst das Auto vom Dach auf die Räder zu stellen und dann die Person daraus zu retten oder ob die Rettung als Erstes erfolgen sollte. „Liegt ein Auto auf dem Dach, brauche ich etwa 20 Minuten, um die Person daraus zu befreien. Drehe ich es aber zuerst zurück auf die Räder – das benötigt circa zwei Minuten – geht die Türe vielleicht sogar wieder ganz normal auf, die Person ist nicht mehr eingeklemmt, wir machen den Gurt los und ziehen die Person raus“, erklärt Feuerwehrmann Joachim Völkel kurzerhand. Es ist also viel Spezialwissen und allen voran Erfahrung erforderlich.

Deshalb hat Joachim Völkel, Feuerwehrkamerad bei der Schwäbisch Haller Wehr, im August 2023 das THL-Netzwerk im Landkreis Schwäbisch Hall initiiert. „Mir liegt insbesondere die Technische Hilfeleistung schon immer sehr am Herzen. Mein Wunsch war es nun, das Wissen darüber im Landkreis auf alle Wehren zu verteilen – sodass quasi jeder auf dem gleichen Stand ist, keiner im Einsatz benachteiligt ist und wir alle dadurch vielleicht auch noch ein Stück mehr zusammenwachsen.“

Joachim Völkel erstellte ein überzeugendes Konzept

Mit dieser Idee ging Joachim Völkel, der bei allen nur als „Joe“ bekannt ist, auf Kreisbrandmeister Joachim Wagner zu. „Er sagte mir, ich solle aus meiner Idee ein Konzept ausarbeiten und ihm das dann vorstellen – das habe ich gemacht und so kam das eine zum anderen“, berichtet der Haller. Sein Vorschlag überzeugte den Kreisbrandmeister und im November 2023 fand bereits das erste Treffen des THL-Netzwerks statt.

Doch was macht dieses THL-Netzwerk nun genau? Vor allem eines: Mehrwissen generieren. Die Technische Hilfeleistung umfasst Joachim Völkel zufolge immer spezifischere Aspekte. Sei es etwa zu wissen, wo man die Batterie eines verunfallten E-Autos entsichert oder wieso es wichtig ist, eine Seitentüröffnung im Vergleich zu einer Dachöffnung zu bevorzugen. Das – am Rande erwähnt – zum Beispiel, damit die eingeklemmte Person während der Rettung vor Regen geschützt ist und dadurch nicht noch mehr „in Mitleidenschaft“ gezogen wird.

„Wir haben in unseren mehr als 30 Wehren im Landkreis so viele Experten für einzelne Bereiche – das wird dann in unseren Treffen genutzt.“ Etwa zweimal jährlich organisiert er diese Termine nun in Abstimmung mit dem Kreisbrandmeister. Waren es anfänglich rund 40 Kameraden, die teilgenommen haben, ist das THL-Netzwerk inzwischen auf 50 bis 60 regelmäßige Teilnehmer angewachsen. „Die fungieren dann als Multiplikatoren und tragen das Wissen in ihre Wehr“, macht der Initiator deutlich.

Joachim Völkel hat das THL-Netzwerk im Landkreis Schwäbisch Hall initiiert. Der Schwäbisch Haller ist bereits seit 1982 bei der Feuerwehr und bis heute sehr engagiert: Neben der Organisation des Netzwerks ist er bei der Feuerwehr Schwäbisch Hall für die THL-Ausbildung zuständig, ausgebildeter Zugführer und im Ausschuss tätig.​

Joachim Völkel hat das THL-Netzwerk im Landkreis Schwäbisch Hall initiiert. Der Schwäbisch Haller ist bereits seit 1982 bei der Feuerwehr und bis heute sehr engagiert: Neben der Organisation des Netzwerks ist er bei der Feuerwehr Schwäbisch Hall für die THL-Ausbildung zuständig, ausgebildeter Zugführer und im Ausschuss tätig.

Alisa Grün

Jedes Treffen steht unter einem anderen Aspekt. Was dabei geübt wird, hängt auch ganz von dem Know-how der einzelnen Ansprechpartner ab. „Diese Experten finden wir in unseren eigenen Reihen oder aber ein Kamerad hat Kontakte, die wir hierfür nutzen können.“

Fünf Treffen haben bereits stattgefunden

Der Schwerpunkt beim ersten Treffen war beispielsweise Trauma-Management, wofür zwei Notärzte anwesend waren, um ihr Wissen weiterzugeben. Die Teilnehmer sind der Frage nachgegangen, was bei einem Unfall überhaupt mit dem Menschen passiert: Welche Kräfte wirken auf ihn ein? Fügt man ihm noch mehr Verletzungen zu, wenn das Auto zurückgedreht wird? „Die Notärzte haben uns dann erklärt, was wir beachten können, um uns leichter zu tun und natürlich gleichzeitig dem Verunfallten so schnell wie möglich helfen zu können“, erklärt der Organisator.

Ganz im Zeichen der E-Mobilität stand das zweite Treffen in Crailsheim. Ein Bekannter von Joachim Völkel, der bei Porsche arbeitet, hielt dabei einen Vortrag über das aktuelle Thema und hat auch einen Ausblick gegeben, wohin sich die Technologie derzeit entwickelt. Im Anschluss daran konnten die Teilnehmer in der Feuerwache 2 an einem E-Truck üben, den die Firma Widmann zur Verfügung gestellt hatte.

Einen Ausflug in die Vergangenheit machte das THL-Netzwerk beim dritten Treffen: Die Kameradinnen und Kameraden trafen sich im Haller Feuerwehrmuseum, um sich zeigen zu lassen, wie die Ausrüstung für die Technische Hilfeleistung früher aussah. Jürgen Voß von der Feuerwehr Crailsheim initiierte außerdem folgende Spende: Ein historischer Hilfeleistungssatz, der von seinem Arbeitgeber Leonhard Weiss gestiftet wurde, konnte an diesem Termin ebenfalls durch die Kameraden der Feuerwehr Crailsheim dem Museum übergeben werden.

Im November vergangenen Jahres machten sich die Teilnehmer auf den Weg zum Gebrauchtteilecenter von Mercedes. Hier konnte ebenfalls der Kontakt über einen Feuerwehrmann aus den eigenen Reihen hergestellt werden, und die Kameraden bekamen die Chance, zwei sogenannte Nullserien-Fahrzeuge des Modells E-Klasse zu bearbeiten. „Das war super! Es haben wieder zwei Notärzte teilgenommen. Wir haben uns in zwei Gruppen aufgeteilt und konnten zeitgleich an den hochmodernen Autos üben“, erinnert sich Joachim Völkel. Unter anderem wurde die Seitenraumöffnung mit Schere, Spreizer und Rettungszylinder – den üblicherweise wichtigsten Geräten bei einem THL-Einsatz – geübt.

Beim fünften Treffen im März dieses Jahres hielt Dieter Wolpter, Mitglied der Feuerwehr Untermünkheim und hauptberuflich Unfallanalytiker bei Dekra, einen Vortrag darüber, wie die Einsatzkräfte vermeiden können, wichtige Spuren für die Unfallanalyse an den Fahrzeugen zu vernichten.

Die Teilnehmer des THL-Netzwerks haben unter anderem auch mithilfe von zwei Notärzten die Seitenraumöffnung eines Pkws geübt.

Die Teilnehmer des THL-Netzwerks haben unter anderem auch die Seitenraumöffnung eines Pkws geübt. Das Dach soll dabei unbeschadet bleiben, um dem Verunfallten beispielsweise Schutz vor Regen zu gewähren.

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Rettungsgeräte kommen an ihre Grenzen

Grundsätzlich, sagt Joachim Völkel, sei es für die Feuerwehr egal, ob sie beim Einsatz aus einem alten oder neuen Fahrzeug retten müssen. Bei neueren Modellen dauere es aber oft etwas länger: „Die Fahrzeuge werden ja glücklicherweise immer sicherer, aber dadurch auch stabiler – da kommen unsere Rettungsgeräte an ihre Grenzen. In so einem Fall müssen wir dann wissen, wie oder an welchem Punkt wir das Rettungsgerät ansetzen können, damit die Leistung ausreicht, um beispielsweise eine B-Säule herauszudrücken“, erklärt der Experte und unterstreicht damit nochmal den grundlegenden Gedanken des THL-Netzwerks: „Wir entwickeln bei den Terminen gemeinsam Taktiken, wie man in einzelnen Fällen oder sogar bei einzelnen Pkw- oder Lkw-Modellen vorgeht, um besser helfen zu können. Das erleichtert es im Ernstfall für jeden.“

Ein Blick in die Zukunft des THL-Netzwerks

So soll beispielsweise das nächste THL-Netzwerk-Treffen beim Landmaschinenhersteller John Deere abgehalten werden. „Wir werden hier bei uns immer wieder mit Landmaschinen-Bränden oder -Unfällen konfrontiert – daher wird es sehr hilfreich sein, wenn die Teilnehmer mal ganz praktisch an der Kabine eines modernen Traktors Hand anlegen können“, macht Joachim Völkel deutlich.

Für die Zukunft ist geplant, die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Hilfsorganisationen deutlich zu intensivieren. Der Schwerpunkt liegt zunächst beim Rettungsdienst. „Wir wollen damit erreichen, dass man beim Abarbeiten von Unfällen noch besser kooperiert – der Rettungsdienst soll uns beibringen, was aus seiner Sicht bei der Personenrettung zählt. Und wir zeigen wiederum, welche Methoden wir in petto haben.“ Kurzum: Alle Beteiligten sollen wissen und abrufen können, was der jeweils andere machen kann. „Alles, um am Ende den Menschen so schnell und professionell wie möglich helfen zu können“, schließt Joachim Völkel.

Alles Infos über das Magazin „Brandaktuell“

Einmal im Jahr erstellt der Kreisfeuerwehrverband Schwäbisch Hall in Zusammenarbeit mit der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe das Magazin „Brandaktuell“. Darin enthalten sind viele wichtige Themen, die die Kameradinnen und Kameraden im Landkreis bewegt, sowie ein großer Rückblick auf das Einsatzgeschehen des Vorjahres aller Feuerwehren des Landkreises. Das Magazin gibt es als gedruckte Variante und kann zudem kostenlos als Online-Ausgabe gelesen werden.