Atemschutzgeräteträger: Kühlen Kopf bewahren in der Gefahr

Zur Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger gehört ein Belastungs-Check auf dem Fitnessfahrrad, dem „Hand-Fahrrad“ und auf der Endlosleiter. Klaus Lehnert (links) und Jochen Lutz spornen die Teilnehmer zum Durchhalten an und achten darauf, dass niemand über seine Grenzen geht.
Claudia Linz- Ausbildung zu Atemschutzgeräteträgern: harte Praxis, Fokus auf Rettung und Brandbekämpfung.
- Belastungs-Check auf Fahrrad, Hand-Fahrrad und Endlosleiter mit 25 Kilo Ausrüstung.
- Uwe Hartmann betont drei Regeln: unten prüfen, Manometer im Blick, kühlen Kopf behalten.
- Einsätze meist einfache Wohnungsbrände, Atemluft reicht 20 bis 30 Minuten pro Einsatz.
- Lehrgänge 2025: in Schwäbisch Hall drei Kurse mit 51 Teilnehmenden, in Crailsheim zwei mit 34.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit dicken Handschuhen, Feuerwehrhelm und Atemschutzmaske tritt ein junger Mann auf dem Fitnessfahrrad in die Pedale. Ein anderer läuft in schweren Stiefeln und mit aufgesetzter Atemluftflasche auf dem „Hand-Fahrrad“. Ein Dritter klettert die Endlosleiter in voller Montur empor. Stufe um Stufe kämpft er sich mit seiner 25 Kilogramm schweren Ausrüstung nach oben. Je länger es dauert, desto mühevoller werden die Tritte. Die Atemgeräusche aus der Schutzmaske werden schwerer und klingen nicht unähnlich denen von Darth Vader aus Star Wars. Zwischen den Dreien stehen zwei Ausbilder in Zivil. Sie spornen die Drei zum Durchhalten an, passen aber auch auf, dass niemand über seine physischen und psychischen Grenzen geht. Sie wissen: Ein Zuckerschlecken ist die Atemschutzgeräteträger-Ausbildung nicht, im Gegenteil. „Es ist eine der wichtigsten, schwersten und gefährlichsten Aufgaben im Bereich Feuerwehr“, sagt Lehrgangsleiter Uwe Hartmann. Die Ausbildung bereitet die Feuerwehrleute auf den Einsatz an vorderster Stelle bei der Personenrettung und Brandbekämpfung vor.
Selbst ist Uwe Hartmann bei der Feuerwehr, seitdem er Teenager war. So wie sein Opa, sein Vater, seine Geschwister. 1982 trat er den Aktiven bei. 1987 absolvierte er seine Atemschutzgeräteträger-Ausbildung, fünf Jahre später wurde er Ausbilder in diesem Bereich. Ihm sei es wichtig, den jungen Feuerwehrfrauen und -männern nicht nur ein Heft in die Hand zu drücken, das sie auswendig lernen sollen. Vielmehr will er sie mit seinem eigenen Erfahrungsschatz ausrüsten und praxisnah auf das vorbereiten, was auf sie zukommen kann. Ob Massenkarambolage auf der Kochertalbrücke in den 1980er Jahren, ein Hubschrauberabsturz oder ein besonders tragischer Wohnungsbrand – in über 40 Jahren bei der Feuerwehr hat Uwe Hartmann auch viel Schreckliches erlebt. Und wenn er an früheren Unglücksstellen vorbeifährt, kommen die Erinnerungen für einen Moment hoch. Doch wirklich schwere Einsätze seien zum Glück die Ausnahme. „In 80 bis 90 Prozent der Fälle werden wir zu relativ einfach zu löschenden Wohnungs- oder Zimmerbränden gerufen“, sagt er.
Atemluft für bis zu 30 Minuten
1600 Liter komprimierte Atemluft tragen die Atemschutzgeräteträger beim Einsatz auf ihrem Rücken. „Diese Menge reicht für 20 bis 30 Minuten, und diese Zeit gilt es, möglichst effektiv zu nutzen“, erklärt Uwe Hartmann den Lehrgangsteilnehmern. Drei Dinge seien beim Einsatz mit Atemschutzgerät überlebenswichtig, sagt er. Erstens, dass man zunächst den Keller und die unteren Stockwerke checkt, bevor man nach oben geht. „Sonst besteht die Gefahr, dass die Flammen die Feuerwehrleute von hinten einholen und der Rückweg versperrt ist.“ Das zweite sei, das Manometer im Auge zu behalten. Denn ist etwas weniger als die Hälfte der Atemluft verbraucht, muss unter allen Umständen der Rückweg eingeschlagen werden. Zum dritten sei elementar, auch in Stresssituationen einen klaren, kühlen Kopf zu behalten.
Zu zweit im Gefahrenbereich
Um Sicherheit zu geben, gehe man stets zu zweit in den Gefahrenbereich und wieder heraus. „In der Ausbildung wird gelehrt, dass es kein Ich gibt, sondern nur ein Wir. Jeder hilft jedem.“ Man weist einander auf mögliche Gefahren hin und packt, wenn eine Person etwa mit Rauchgasvergiftung gerettet werden muss, zu zweit an. Mithilfe einer Schlinge um beide Füße oder den Oberkörper wird sie dann so schnell wie möglich herausgezogen, so Uwe Hartmann, „Sonst hat sie keine Überlebenschance“. Dass sich ein Feuerwehrmann den zu Rettenden einfach über die Schultern wirft und heldenhaft aus dem brennenden Haus rennt, sei ein Mythos, räumt Uwe Hartmann mit einem gängigen Bild auf. „So etwas gibt es nur im Film“, sagt er, und wäre kräftemäßig ohnedies nur möglich, wenn die zu rettende Person unter 40 Kilogramm wiegt.
Schlauch als Ariadnefaden
An einer der Stationen wird die Personenrettung geübt. Hintereinander und in leicht gebückter Haltung betreten zwei Feuerwehrleute durch eine Tür ein angeblich brennendes Haus. Gewissermaßen als „Ariadnefaden“ führen sie einen Schlauch mit sich, um sicher wieder herauszufinden. Haben sie die 75 Kilogramm schwere Übungspuppe in der dunklen, verrauchten Umgebung gefunden, üben sie die verschiedenen Rettungstechniken, wie beispielsweise das Schleifen oder das gemeinsame Tragen an Oberkörper und Beinen.
Risiko überschaubar
Sarah Wolz aus Langenburg ist eine davon. Dabei hatte sie das ursprünglich gar nicht vor. „Als ich in die Feuerwehr eintrat, habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich mich nicht zur Atemschutzgeräteträgerin ausbilden lassen würde.“ Schon allein deshalb, weil Sarah Mutter von drei kleinen Kindern ist. Umentschieden hat sie sich, weil sie eine der wenigen Feuerwehrleute in Langenburg ist, die im Notfall auch vormittags Zeit zum Ausrücken haben. „Natürlich besteht immer ein gewisses Risiko, aber durch die gute Ausbildung und die gegenseitige Absicherung ist es überschaubar“, ist sie überzeugt. Trotzdem hatte sie natürlich Respekt vor den Aufgaben. „Ich war skeptisch, ob ich mit den vielen körperlich fitten jungen Männern um die 20 mithalten können würde.“
Nicht nur die Maske behindert
Aber dann habe es ihr richtig Spaß gemacht. „Es lief erstaunlich gut“, sagt die 43-Jährige, die im Rheinland aufgewachsen und nach Stationen in Frankreich, Neuseeland und Heilbronn in Langenburg gelandet ist. Am schwierigsten und anstrengendsten sei gewesen, an der Endlosleiter nicht schlapp zu machen und sich in voller Montur durch die vernebelte Atemschutzgerätestrecke zu zwängen. „Es ist ja nicht nur die Maske, die behindert. Man stößt auch mit dem Helm und der Atemluftflasche dauernd an und ist durch das Gewicht der Ausrüstung in der Beweglichkeit sehr eingeschränkt.“
Kinder und Atemschutz
Ihr Wissen, wie man sich bei einem Brand richtig verhält, gibt Sarah Wolz bei den Übungen der Kinderfeuerwehr in Langenburg weiter. Zusammen mit den Vier- bis Achtjährigen bastelt sie gemeinsam mit den anderen Betreuern Atemschutzgeräte und baut einen kleinen Atemschutzparcours auf, der, wenn sich die Kinder trauen, auch vernebelt wird. „Wir gestalten das wie eine Schatzsuche und am Ende finden die Kinder dann eine Tüte Gummibärchen oder etwas ähnliches“, sagt sie. Wichtig ist ihr aber auch, den Kleinen zu vermitteln, dass hinter der Atemschutzmaske ein Mensch steckt und sie keine Angst haben müssen. Deshalb hat sie auch eine richtige Atemschutzgeräteträgerausrüstung dabei, die die Kinder anfassen und, wenn sie möchten, auch anprobieren dürfen.
70 Männer und 15 Frauen
15 Männer und vier Frauen nahmen am Lehrgang für Atemschutzgeräteträger im November 2025 in Schwäbisch Hall-Ost teil. Alle 18- bis 46-Jährigen haben bestanden. Insgesamt fanden 2025 in Schwäbisch Hall drei Atemschutzlehrgänge mit 51 Teilnehmern, 44 Männern und sieben Frauen, statt. Dazu kamen im vergangenen Jahr zwei Atemschutzlehrgänge in Crailsheim mit 34 Teilnehmern, darunter waren acht Frauen.
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