Altersabteilung der Kreisfeuerwehrverbandes Schwäbisch Hall: Aktiv nach der Zeit bei den Aktiven

Joachim Altdörfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) erklärt bei der Delegiertenversammlung, was man wissen sollte, wenn man einen automatisierten externen Defibrillator (AED) bedienen muss.
Claudia Linz- Altersabteilungen im Landkreis Schwäbisch Hall halten Kameradschaft nach dem aktiven Dienst lebendig.
- In Baden-Württemberg sind sie etabliert – laut Kreisverband in Bayern meist nicht üblich.
- Treffen, Ausflüge und Firmenbesuche prägen das Programm, oft auch mit Partnerinnen und Witwen.
- Neue „Einsatzreserve“: 15 Senioren in Mainhardt können bei langen Einsätzen nachgefordert werden.
- Bei Versammlungen gibt es Praxisinhalte wie AED-Schulung durch den Arbeiter-Samariter-Bund.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wir Feuerwehrleute sind Herdentiere“, sagt Karl Schenk und lacht. Fügt aber gleich hinzu: „Das mit den Herdentieren müssen Sie nicht schreiben.“ Das klinge zu despektierlich – und sei auch nicht so gemeint. Was der 78-Jährige, der regelmäßig die Treffen der Crailsheimer Altersabteilung besucht, ausdrücken will: Die Kameradschaft und die Freude an der Gemeinschaft höre nicht auf, nur weil man mit 65 Jahren „zu alt“ für den aktiven Dienst bei der Feuerwehr ist. Deshalb sei es ein „Segen“, dass es die Altersabteilungen in den Gemeinden des Landkreises gebe.
Selbstverständlich ist das nicht. Bei den Wehren in Bayern etwa gebe es diese Abteilungen nicht, sagte Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Alfred Fetzer in seinem Grußwort bei der Frühjahrs- und Delegiertenversammlung der Altersabteilungen des Landkreises Schwäbisch Hall im März in Ilshofen. „Da sind wir in Baden-Württemberg besser aufgestellt als in unserem Nachbarbundesland.“ Er selbst finde es klasse, ein Leben lang – also ab vier oder fünf Jahren in der Kindergruppe und dann bis ins hohe Alter – bei der Feuerwehr sein zu können.
Bis ins hohe Alter darf man dabei wörtlich nehmen. „Unser ältestes Mitglied wird in diesem Jahr 99 Jahre alt“, berichtet Roland Braun, der die Schwäbisch Haller Altersabteilung mit derzeit 96 Mitgliedern leitet. Allerdings lebe der betagte Feuerwehrmann inzwischen in einem Pflegeheim und könne nicht mehr zu den Treffen kommen.
Roland Braun übernahm das Amt 2008 von Fritz Häußlein, der die Altersabteilung seit der Gründung durch Walter Seyboth im Jahr 1983 geleitet hatte. Zuvor hatte Braun vom 18. bis zum 55. Lebensjahr bei den Aktiven Dienst getan hatte. Die Kameradschaft und die gegenseitige Achtung sei es, die er schätzt, und für die er das Amt gern übernommen hat. Der 79-Jährige organisiert die geselligen Treffen, zum Beispiel im Lemberghaus, Betriebsbesichtigungen wie die beim Landmaschinenhersteller Zürn in Hohebuch, beim Blechbearbeitungsunternehmen IOB in Neukupfer, in der Dorfkäserei Geifertshofen und bei Specht Nudel und Eier in Zweiflingen. Bei den beiden letzteren waren auch die Frauen der Kameraden eingeladen. Für die Reisefreunde der Freiwilligen Feuerwehr Schwäbisch Hall, aber auch für alle Kreisfeuerwehrsenioren, hat er schon Ausflüge nach Hamburg und England auf die Beine gestellt. Im vergangenen Jahr ging es in den Bayerischen Wald und ins Elsass, erzählt Roland Braun, der das Amt auch in den kommenden zwei Jahren bekleiden wird.
Bei der Delegiertenversammlung stellt Kreisobmann Roland Schmitt derweil das Ziel des diesjährigen Jahresausflugs vor. Er hat eine Donau-Kreuzfahrt geplant, weist auf den Anmeldeschluss hin und gibt die Zustiegsmöglichkeiten in den Bus nach Passau bekannt. Sein Antrieb als Kreisobmann der Altersabteilungen ist es, Lebensfreude zu vermitteln und die älteren Kameraden vor der Einsamkeit zu bewahren. Sie sollen, nachdem sie jahrelang die Gemeinschaft gepflegt haben, nach dem aktiven Dienst nicht plötzlich in ein Loch fallen. Für die, die nicht mehr so weit reisen möchten, gibt es Geselligkeit auch in der Nähe. Für September hat er ein Weinfest im Freilandmuseum Wackershofen inklusive Musik vom Feuerwehrmusikzug mit Kreisstabführer Louis Jourdan organisiert.
Im Mannschaftstransportwagen auf Tour
Auch Paul Ackermann (78), Obmann der Crailsheimer Feuerwehrsenioren, organisiert immer wieder Treffen und Ausflüge für seine Altersabteilung. Geht es in die nähere Umgebung, also etwa nach Rothenburg ob der Tauber, Bad Mergentheim und an den Brombachsee, gehen die Kameraden mit dem Mannschaftstransportwagen (MTW) auf Tour. Oft sind die Frauen, aber auch die Witwen ehemaliger Mitglieder eingeladen. Heinz Bohn (76) freut sich immer, die „alten Kameraden“ wiederzutreffen, und auch Firmenbesichtigen wie die bei Paletten Schroth in Neustädtlein findet er interessant.
„Die Kameradschaft aufrechtzuerhalten und die ehemaligen Aktiven zu treffen“ ist auch das Anliegen von Gerhard Klein, der mit 65 Jahren erst vor kurzem zur Altersabteilung in Michelbach/Bilz gestoßen ist. Dort zählt er zu den „Jungen“. Dass der Altersdurchschnitt höher ist, stört ihn nicht und er erinnert sich mit den Kameraden gern an Ereignisse aus der aktiven Zeit. Für die Michelbacher organisiert Obmann Franz Weissinger Zusammenkünfte in Gasthäusern in der Umgebung, etwa in Uttenhofen, Rauhenbretzingen und Steinbrück. Der Obmann und Mitglieder der Altersabteilungen Michelbach und Mainhardt haben aber auch beim Aktionstag „Erlebnis Feuerwehr“ im vergangenen Jahr in der Arena Hohenlohe tatkräftig beim Aufbau mit angepackt.

Als erstes Team im Kreis schlossen sich 15 Mitglieder der Altersabteilungen in Mainhardt zusammen, die bei Bedarf bei Einsätzen vom Kommandanten nachgefordert werden können.
privatDie Ressourcen, die es zweifellos in den Altersabteilungen gibt, möchte Roland Schmitt künftig auch mit dem Projekt „Einsatzreserve“ nutzen. Als erstes Team im Kreis haben sich dazu kürzlich 15 Mitglieder der verschiedenen Altersabteilungen in Mainhardt zusammengeschlossen und mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet. Sie können als Nachrücker vom Kommandanten bei zeitaufwändigen Einsätzen wie etwa einem Waldbrand oder bei Sturmschäden nachgefordert werden, also dann, wenn die Aktiven an ihre personellen und kräftemäßigen Grenzen kommen. „Das Potenzial und die Einsatzerfahrung aus jahrelangem Training sind ja da“, begründet Roland Schmitt diesen Schritt, „und es wäre doch schade, das nicht zu nutzen“. Versicherungsrechtliche Voraussetzung allerdings sei, dass die Kameraden körperlich fit sind und keine Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen haben.
Wichtig ist dem Kreisobmann auch, dass die Teilnehmer bei Veranstaltungen wie der Delegiertenversammlung in Ilshofen „etwas Nützliches mit nach Hause nehmen“. Daher hatte er Joachim Altdörfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) eingeladen, der erklärte, wie man einen automatisierten externen Defibrillator (AED) bedient und worauf zu achten ist. Etwas, das auch nach der aktiven Zeit bei der Feuerwehr im Privatleben von Nutzen sein kann.
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Einmal jährlich erscheint Brandaktuell als Jahresmagazin des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall in Zusammenarbeit mit der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe. Darin enthalten sind aktuelle Themen, die die Feuerwehren im Landkreis beschäftigen, sowie ein umfassender Rückblick aller Wehren auf das Vorjahr. Die aktuelle Ausgabe von Brandaktuell gibt's hier kostenlos zu lesen.