Pferdeseuche im Kreis Tübingen: Spendenaufruf für den abgeriegelten Pferdehof in Neustetten

Ina Frank aus Wolfenhausen mit ihrer 23-jährien Haflingerstute Samira. Frank setzt die kerngesunde Samira in Kinderreitstunden für Anfänger und in der Reittherapie ein.
Privat- Pferdehof in Wolfenhausen wegen Ansteckender Blutarmut bis Ende November unter Quarantäne.
- Betreiberin Ina Frank verlor Stute Lissy; Einnahmen aus Reitstunden und Kutschfahrten entfallen.
- Spendenaktion brachte bisher 2200 Euro ein; Zielbetrag liegt bei 2800 Euro, Spenden weiterhin möglich.
- Kosten für Futter, Tierarzt und Betrieb laufen weiter; Tierseuchenkasse prüft mögliche Erstattungen.
- Ersatz für Lissy schwierig: Vergleichbare Ponys kosten 5000–8000 Euro, Versicherung bisher nicht vorhanden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Nachricht breitete sich am 18. August unter Pferdeleuten aus wie ein Lauffeuer: Ein Pferd auf einem Hof im Landkreis Tübingen war positiv auf Infektiöse Equine Anämie getestet worden. Die Tierseuche, die auf Deutsch Ansteckende Blutarmut bei Einhufern heißt und Pferde, Esel und Zebras befallen kann, ist meldepflichtig. Jedes infizierte Tier muss getötet werden, um die Verbreitung der von blutsaugenden Insekten übertragenen Viruserkrankung zu verhindern. Die Aufregung war groß, Pferdebesitzer fürchteten den Verlust ihrer geliebten Vierbeiner, Hofbesitzer verhängten Ausreit- und Besuchsverbote, um ihren Pferdebestand und den eigenen Betrieb zu schützen.
Nichts ist mehr, wie es war
Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt. Für Ina Frank aus Wolfenhausen aber ist nichts mehr, wie es war. Das mit der Ansteckenden Blutarmut infizierte Pferd, die erst fünfjährige Stute Lissy, stand bei ihr auf dem Lettenhof im Stall. Und obwohl keins ihrer anderen vier Pferde das Virus in sich trägt, steht der Hof der 34-Jährigen noch bis Ende November unter Quarantäne. Grund: Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome dieser in Deutschland eher seltenen Tierseuche beträgt bis zu 90 Tage. Das bedeutet: Ina Franks kleiner Betrieb ist drei Monate lang komplett lahmgelegt.
Quarantäne bedeutet: Besucher dürfen nicht auf den Hof, die verbliebenen vier Pferde dürfen nicht vom Hof. Die Kinderreitstunden, das therapeutische Reiten und die Kindergeburtstage rund ums Pferd, die Frank seit 2024 auf dem Lettenhof anbot, fallen flach. Auch die Kutschfahrten, mit denen Ina Franks Ehemann Robin zum Angebot beitrug, sind gestrichen. Bilanz: Einnahmen gleich null, Betriebskosten unverändert.
Kein Cent kommt rein, die Kosten bleiben gleich
Bis zum 18. August habe ihr Hof gerade so kostendeckend gearbeitet, sagt Ina Frank. Die Sache mit den Pferden, den Reitstunden und der Reittherapie sei für sie eher ein Hobby, eine Liebhaberei gewesen, so die ausgebildete Reittherapeutin. Großartigen Gewinn habe sie nie damit machen wollen. Jetzt bringt der kleine Betrieb monatelang keinen Cent ein. Die Pferde brauchen trotzdem ihr tägliches Futter, die Ställe müssen eingestreut werden, und Hufschmied und Tierarzt wollen auch ihr Geld haben.
Kim Heimerdinger aus Tübingen hat deshalb vergangene Woche eine Spendenaktion für Ina Frank im Internet gestartet (www.gofundme.com/f/kinderpony-lissy-tot-nach-eiahilf-dem-reittherapiehof-frank). Bis zum Montag gingen rund 2200 Euro ein, unter den namentlich genannten Spenderinnen und Spendern viele Leute aus dem Raum Neustetten und Rottenburg. Heimerdinger ist 24 Jahre alt und lernte Ina Frank vor zehn bei einem Ferienreitkurs kennen. Die Sozialpädagogin, die eine Kleinkinder-Gruppe in einer Tübinger Kita leitet, blieb der Wolfenhausenerin als Reitschülerin treu und kümmert sich auf dem Lettenhof inzwischen um eine Rentnerstute und hilft in Reittherapie und bei Ferienprogrammen.
Der angepeilte Zielbetrag ist auf der Spenden-Homepage mit 2800 Euro beziffert. Kim Heimerdinger sagt, sie habe beim Einrichten des Spendenaufrufs 5000 Euro als Ziel eingegeben. Die App habe die Summe jedoch automatisch auf 2800 Euro reduziert. Sie und Ina Frank hätten dann auf die Option verzichtet, die Zielmarke im Lauf der Zeit zu erhöhen. „Wir wollten verhindern, dass sich die Spender an der Nase herumgeführt fühlen“, so Heimerdinger.
Happy über jede Summe
Sie sei „voll happy“ über den Spendenaufruf, sagt Frank, „ich bin für jede Summe froh und dankbar, die reinkommt.“ Dass 2800 Euro nicht reichen, um die laufenden Kosten ihres unter Quarantäne stehenden Betriebs zu decken, sei klar. „Aber man kann ja auch über den Zielbetrag hinaus spenden.“
Was die 34-Jährige finanziell ebenfalls bedrückt, sind die Tierarzt- und Tierklinikrechnungen für das eingeschläferte Kinderpony Lissy, die sich auf rund 3500 Euro belaufen. Frank stellt sich die Frage: „Bezahlt das die Tierseuchenkasse? Und wenn ja: Wie viel?“ Das fünfjährige Pferd wurde schließlich wegen einer Tierseuche von Amts wegen getötet.
Unklar ist ihr bislang auch, ob und in welcher Höhe die Tierseuchenkasse für den Verlust des Ponys aufkommt. Frank bezahlte einer deutschen Pferdehändlerin im März 2025 für das kleine aus Bulgarien stammende Pferd 4500 Euro. Den Kaufvertrag sowie eine Auflistung der Arbeit, die sie selbst in Lissys weitere Ausbildung zu einem zuverlässigen Reitschulpferd für Kinder steckte, hat die Wolfenhausenerin dem Veterinäramt vorgelegt.

Die Stute Lissy vom Lettenhof in Wolfenhausen musste wegen Infektiöser Anämie der Einhufer getötet werden. Jetzt hat die Hofbetreiberin Ina Frank kein geeignetes Pferd mehr für viele ihrer kleinen Reitschülerinnen und -schüler
Privat4500 Euro seien wenig für ein charakterlich einwandfreies Pony, das nicht buckelt, beißt und tritt oder mit sonstigen Überraschungen aufwartet, sagt Frank. Weil Lissy eine Widerristhöhe von nur 1,30 Meter hatte und schmal war, sei sie auch für kleine Kinder ideal gewesen. „Ein zarter Sechsjähriger auf einem der beiden großen Kaltblüter, die wir auch haben, das geht nicht“, weiß Frank. Ersatz zu finden, dürfte nicht ganz einfach werden. Die Preise seien nach oben offen, und 5000 bis 8000 Euro für ein vergleichbares Pferdchen seien normal.
Wie Frank erst nach dem Unglück mit der Ansteckenden Anämie erfuhr, wäre es günstig für sie gewesen, wenn sie sich gegen einen Betriebsausfall wegen einer Tierseuche versichert hätte. „Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es so eine Versicherung gibt“, sagt die gelernte Heilerziehungspflegerin. Auch jetzt, da sie es weiß, will sie aber auf eine solche Versicherung verzichten. „Die Chance, dass es uns nochmal trifft, ist sehr gering“, ist sie überzeugt.
