Diözese Rottenburg-Stuttgart: Schutz der Täter statt Blick auf die Opfer sexuellen Missbrauchs

Ins Ausland, in andere Diözesen oder andere Gemeinden verschickt wurden Pfarrer, die Kinder und Jugendliche missbraucht hatten. Die Opfer spielen in den Akten der Diözese kaum eine Rolle.
Nicolas Armer, dpa und Jochen Lübke, dpa- Vierter Zwischenbericht: Täter wurden geschützt, Opfer in Akten kaum berücksichtigt.
- Pfarrer mit Missbrauchsvorwürfen wurden versetzt – oft ins Ausland oder in andere Diözesen.
- Rückfallrisiken wurden bis in die 2000er Jahre verharmlost, was weitere Taten ermöglichte.
- Versetzungen liefen unter „gesundheitlichen Gründen“, Gemeinden wurden nicht informiert.
- Die 2021 eingesetzte Kommission arbeitet unabhängig und plant den Abschlussbericht 2027.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Fehleinschätzungen mit weitreichenden Folgen“ kritisiert die Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Umgang mit Tätern. In ihrem am Montag, 20. April, veröffentlichten Zwischenbericht heißt es, das Rückfall- und Gefährdungsrisiko durch die Täter wurde bis in die 2000er Jahre häufig als geringer eingestuft, als es tatsächlich war. Das hatte „fatale Folgen“: So konnten die Täter weitere Opfer missbrauchen.
Die 2021 von der Diözese eingesetzte und unabhängig von der Diözesan-Verwaltung arbeitende Kommission wertet sukzessive Akten der Diözese aus und führt Interviews mit Zeitzeugen. Ziel ist „die strukturelle Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, vornehmlich durch Kleriker in der Diözese Rottenburg-Stuttgart“. 2027 will die Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen. Bis dahin veröffentlicht sie einmal im Jahr einen Zwischenbericht.
Ausgewertet werden vor allem Personalakten und Akten aus Untersuchungs- und Strafverfahren. In diesen stehen hauptsächlich die Täter und Beschuldigten im Mittelpunkt. (Die Betroffenen treten fast ausschließlich als „Objekte von Straftaten“ in Erscheinung). „Immer wieder“, so heißt es in dem Bericht, „finden sich in den Akten klare Hinweise darauf, dass der Schutz von Tätern und der Institution ein Movens des kirchlichen Handelns war. Auch wenn man Täter aus dem aktiven Dienst entfernte und in den Ruhestand versetzte, so erfolgten diese Versetzungen regelmäßig unter Verweis auf gesundheitliche Gründe und wurden oft absichtlich so terminiert, dass kein Verdacht aufkomme. Eine dokumentierte Information der Wohnortgemeinde erfolgte praktisch nie.“
Ein solcher „schwerer Fall von Vertuschung“ war bereits im Jahresbericht 2024 der Verantwortung von Bischof Carl Joseph Leiprecht zugeschrieben worden. Als Reaktion darauf wurde in der Öffentlichkeit über eine Umbenennung von Einrichtungen diskutiert, die nach Bischof Leiprecht benannt sind. Auch darüber hat die Kommission mit dem jetzigen Bischof Karl Krämer ein Gespräch geführt. Krämer wurde zudem von der Kommission interviewt, weil er von 1994 bis 1997 persönlicher Sekretär von Bischof Walter Kasper war.
(Ausführlicher Bericht folgt)

