Rottenburg · Kunst: Fest des Künstlerhofvereins: Autopoetische Interaktionsfelder und Schwertkampf

Der Künstlerhof bereitet sich auf das Fest vor.
Jana BreulingDas Motto des diesjährigen Künstlerhof-Fests lautet „SpielRäume.neu“. „Der Titel geht im Grunde auf die Vergangenheit, wo wir herkommen, zurück“, erklärt Janne Wagler, zweite Vorsitzende des Künstlervereins. „Durch Corona hatten wir wenig Möglichkeiten - jetzt wollen wir uns wieder ausweiten und neue Spielräume belegen.“
Es war Barbara Oswald, die den Titel vorgeschlagen hatte, verrät der erste Vorsitzende Herbert Schmidt. „Sie kommt von einer leisen Linie, vom Grafischen, ineinander Verschwungenem - in ihren Bildern steckt viel spielerische Energie“, weiß Schmidt. Durch ihre eigene künstlerische Handschrift kam sie zu dem Titel, der so viel umfasst. „Da steckt der Raum drin, der Hof, wir als Verein und jener Raum, den der Künstler selbst benötigt, im Kontakt mit dem Publikum. Deswegen ist dieses Fest für uns ein wichtiger Tag, wo wir mit unserem Publikum auf Augenhöhe gehen, wo wir uns im Hof treffen.“
Anders als letztes Jahr, sind dieses Mal weniger Mitmachaktionen vorgesehen. Stattdessen soll es mehr um die Präsentation von Werken gehen und Impulsaktionen geben. „Es wird ein Sehen, Schauen, Lauschen, und es gibt viel zu entdecken. Im Hof ist zudem eine theatralische Aktion mit ein paar Spielern aus Kursen geplant“, verrät Janne Wagler.
Schwingende Plastiken
Auch Musik soll es fortlaufend über den Tag geben. „Wir wollen das Ganze angenehm rüberbringen, die Besucher sollen einen schönen Tag erleben, sich Zeit lassen, bummeln, sitzen, plaudern, essen und trinken“, bekräftigt Schmidt.
Wiederholt sollen auch dieses Jahr Gastkünstler auftreten. Marcus Centmayer etwa kommt aus Worms und bringt Steinskulpturen mit. Mit schwingenden, beweglichen Stahlplastiken ergänzt Susanne Immer aus Reutlingen die Veranstaltung. Eine ganz besondere Richtung des künstlerischen Schaffens - das autopoetische Interaktionsfeld - präsentiert Gastkünstler Andreas Mayer-Brennenstuhl aus Stuttgart. „Er geht gerne in Kontakt mit dem Publikum“, weiß Schmidt. Dabei erklärt er wortreich Konzepte und Visionen von Kunstverständnis, hat aber auch ein Mitmach-Repertoire für die Besucher dabei. Als Kunsttherapeut kann Mayer-Brennenstuhl mit den Menschen und ihren Intuitionen umgehen, so Schmidt. „Das war für mich ein Anlass zu sagen: Den holen wir hier mal rein, weil er wirklich etwas anderes macht.“
Auch für Kinder ist zum diesjährigen Künstlerhoffest eine Mitmachaktion geplant. Eine Mutter, die seit vielen Jahren beim Künstlerhof wohnt, leitet mit ihren beiden halberwachsenen Töchtern die Kinder an, selbst eine Gipsmaske zu bauen. „Das ist relativ anspruchsvoll, aber es ist vom Künstlerischen her auch interessanter, als nur etwas aus Papier auszuschneiden“, sagt Janne Wagler. „Wir freuen uns sehr auf diese Zusammenarbeit, weil es total schön ist, dass die Anwohner auch Interesse an unserem Tun haben - und selbst mitmischen.“
Offene Ateliers
Im Atelier von Barbara Oswald ist ebenfalls eine Mitmachaktion geplant. Dort kann das Publikum ein Werk mitgestalten. „Es ist sicher etwas Schönes - einfach aber wirkungsvoll“, prophezeit Schmidt.
Schwertkünstler Wolfgang Abart zeigt unterdessen mittelalterliche Kampfkünste. „Für uns Künstler ist das Hof-Fest eine ganz wichtige Gelegenheit, um uns bekannt zu machen“, sagt Janne Wagler. „Wir zielen darauf, Interessenten für unsere Kurse zu finden und geben die Gelegenheit, dass unsere Ateliers besichtigt werden und wir mit dem Publikum ins Gespräch kommen.“