Neue Kampagne von Stadt und VHS
: Wie viel KI steckt schon in Rottenburg?

Im Rathaus wird gepromptet, auf der Baustelle hilft ChatGPT und Models müssen für Werbefotos nicht mehr existieren. Die Kampagne „ROkannKI“ bringt diese Anwendungen auf die Bühne. Am 24. September geht es mit einem Podium los.
Von
Benjamin Breitmaier
Rottenburg
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Die große Kampagne der Volkshochschule und der Stadt Rottenburg beginnt

Die große Kampagne der Volkshochschule und der Stadt Rottenburg beginnt am 24. September mit einem Podium bei dem auch Oberbürgermeister Stephan Neher auftritt. Zum Abschluss im Februar wird Bilanz gezogen.

Benjamin Breitmaier
  • Stadt und VHS starten „ROkannKI“: Auftakt ist am 24. September mit einem Podium.
  • Ziel ist, Chancen zu zeigen und Risiken nicht zu verdrängen, Erfahrungen stehen im Fokus.
  • Unternehmen, Vereine und Verwaltung präsentieren praktische KI-Anwendungen in Rottenburg.
  • „KI-Impulstag“ am 22. Oktober in der VHS mit zehn Foren und rund 30 Referentinnen und Referenten.
  • Bis Februar folgen Vorträge und Workshops, Abschlussbilanz ist am 18. Februar 2027.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist eine Disruption, die ihresgleichen sucht. Künstliche Intelligenz krempelt die Gesellschaft einmal auf links. Es gibt quasi keinen Rottenburger Verein mehr, der seine Plakate ohne die Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Modehäuser setzen auf künstlich erstellte Model-Fotos, Stadtverwaltungen verschlanken ihre Arbeit mithilfe von Bots. Daneben stehen Grafik- und Web-Designer, deren Auftragslage zusammenbricht. Jeden Tag gibt es neue Betrugsformen, eine Welle an schnell generierten Inhalten ohne Seele rollt durch das Netz.

Was bedeutet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für eine 45.000‑Einwohner-Stadt? Dieser Frage widmen sich die Volkshochschule und die Stadt Rottenburg in großem Stil. Die Kampagne „ROkannKI“ startet am 24. September mit einem Podium zum Thema. Bis Februar des kommenden Jahres wird in dutzenden Veranstaltungen und Impulsen beleuchtet, wie KI Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft verändert. Die Prämisse: Chancen erkennen, Gefahren nicht wegdiskutieren.

So wurde die Idee geboren

Einer, der beobachtet hat, wie unterschiedlich die Rottenburgerinnen und Rottenburger mit diesem Umbruch umgehen, ist Helge Johannes Baudis, Vorstandsmitglied der Volkshochschule und Initiator der Kampagne. Ihm sei aufgefallen, dass viele Menschen, Mitarbeitende und Führungskräfte zwar längst eine Meinung zu Künstlicher Intelligenz hätten, „aber ein erstaunlich kleiner Teil eigene praktische Erfahrungen mit KI hat“.

Das ändere sich häufig, sobald sie die Technik selbst ausprobierten. „Wow, das hätte ich nicht gedacht“, habe Baudis dann immer wieder gehört. Oder: „Das, was die KI da ausgespuckt hat, erspart mir Stunden an Arbeit.“ Gleichzeitig begegne ihm die Haltung, KI sei eben wieder „so eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird“, von der man selbst nicht betroffen sei. Aus diesen Erfahrungen sei schließlich die Idee entstanden, einer ganzen Stadtgesellschaft die Möglichkeit zu geben, KI selbst zu erleben – „im vollen Wissen um die Risiken“, wie Baudis sagt.

Aus dieser Idee wurde die Kampagne „ROkannKI“, die bis Februar des kommenden Jahres laufen soll. VHS-Projektleiterin Stephanie Zug reizt daran vor allem ein Prinzip: „Menschen lernen von Menschen.“ Statt einer klassischen Fachveranstaltung, bei der Experten über die Köpfe des Publikums hinweg über die neuesten KI-Modelle sprechen, sollen Rottenburger Unternehmen, Vereine und Organisationen zeigen, wie sie die Technik bereits ganz konkret einsetzen. „Das zeigt nicht nur, wie viel Innovationskraft bereits vor unserer Haustür steckt, sondern macht KI auch greifbarer und verständlicher für alle, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Thema hatten“, sagt Zug. Dabei soll es ausdrücklich nicht darum gehen, die Technik schönzureden: Die Kampagne will zum Ausprobieren ermutigen und Chancen zeigen, ohne die Risiken auszublenden.

OB Neher: „Partner im Alltag“

In Zeiten von Sparhaushalten und Digitalisierungszwang können sich auch Verwaltungen dem Thema nicht entziehen. Die Stadt Rottenburg als Kooperationspartner der Kampagne ist kein Zufall. Oberbürgermeister Stephan Neher erwartet, dass Künstliche Intelligenz „unser Partner im Alltag werden“ wird – im Beruf ebenso wie in der Freizeit.

Wirtschaftsförderer Andreas Lanio richtet den Blick besonders auf die örtlichen Betriebe: KI könne Arbeitsabläufe effizienter machen und Beschäftigte von Routinetätigkeiten entlasten. Für die lokale Wirtschaft werde entscheidend sein, die Möglichkeiten „frühzeitig zu erkennen, auszuprobieren und zu integrieren“.

Den Auftakt macht am Donnerstag, 24. September, eine Podiumsdiskussion in der Volkshochschule. Unter dem Titel „KI in einer Mittelstadt wie Rottenburg – Chancen und Risiken“ werden die Folgen des KI-Einsatzes für die Stadtgesellschaft diskutiert: Wie verändert Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt und welche Fähigkeiten werden Beschäftigte künftig brauchen? Was passiert, wenn eine Stadt wie Rottenburg die Entwicklung verschläft? Und was bedeutet es für demokratische Prozesse, Meinungsbildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn Texte, Bilder und Stimmen immer einfacher künstlich erzeugt werden können? Die unterschiedlichen Perspektiven darauf sollen Vertreterinnen und Vertreter aus Stadt, Wirtschaft, Kirche, Medien und KI-Branche liefern (Offenlegung: Unter den Teilnehmenden ist auch der Autor dieses Artikels).

Der nächste Meilenstein der Kampagne folgt am Donnerstag, 22. Oktober, mit dem „KI-Impulstag“ in der Volkshochschule. In zehn parallelen Foren sollen rund 30 Referentinnen und Referenten zeigen, wie KI in Rottenburg und der Region praktisch eingesetzt wird. Die Bandbreite ist groß: vom Einsatz von Large Language Models auf der Baustelle über KI-generierte Modewerbung und digitale Hilfsmittel für das Trainerteam des TV Rottenburg bis zur Frage, wie die Rottenburger Stadtverwaltung promptet.

Das Angebot richtet sich an alle Rottenburgerinnen und Rottenburger. Vorkenntnisse sind laut VHS nicht notwendig. Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Foren ist eine Anmeldung erforderlich. Die ist möglich unter www.vhs-rottenburg.de/ro-kann-ki. Anmeldeschluss ist der 15. Oktober.

Am 18. Februar wird Bilanz gezogen

Mit dem Impulstag soll die Auseinandersetzung nicht enden. Bis Februar folgen weitere Vorträge, Workshops und Gesprächsrunden. Dabei geht es auch um die Schattenseiten: um digitale Täuschung im KI-Zeitalter, um Chancen und Risiken für das Gemeinwohl und bei einem „Café Stadtgespräch“ um die Frage: „Künstliche Intelligenz – Wollen wir sie oder fürchten wir sie?“ Für VHS-Leiter Bodo Müller gehört genau diese Breite zum Bildungsauftrag. Es gelte, die „gesamte Dimension der Veränderungen“ zu erfassen und zu hinterfragen – von Gesellschaft und Arbeitswelt über Kultur und Sprache bis zur Lebenswelt jedes Einzelnen.

Am 18. Februar 2027 soll schließlich Bilanz gezogen werden. „Rottenburg nach der KI-Kampagne – Wie sieht die Zukunft mit KI aus?“, lautet die Frage einer abschließenden Podiumsdiskussion. Bis dahin sollen möglichst viele Rottenburgerinnen und Rottenburger die Technologie nicht nur diskutiert, sondern selbst ausprobiert haben. Denn für Initiator Baudis ist Abwarten keine Antwort auf den Umbruch: „Der Rückzug ins Schneckenhaus hilft nicht. KI ist gekommen, um zu bleiben.“

Das Podium „KI in einer Mittelstadt“ am 24. September

Zum Auftakt von „ROkannKI“ diskutieren am Donnerstag, 24. September, von 20 bis 21.30 Uhr in der Volkshochschule Oberbürgermeister Stephan Neher, Karin Schieszl-Rathgeb vom Bischöflichen Ordinariat, Bennet Friedrich von Hecon Abrechnungssysteme, Milan Kvrzic von MHK AI Solutions, Teresa Staiger vom Cyber Valley und Benjamin Breitmaier, Teamleiter der Kreisredaktion des Schwäbischen Tagblatts. Moderiert wird das Podium „KI in einer Mittelstadt wie Rottenburg – Chancen und Risiken“ von Johannes Freyer vom Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI) in Tübingen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.