Kreis Tübingen
: Hilfe, die sicher ankommt

Spende Die Hospitalstiftung schickt bestens erhaltene Pflegebetten nach Ungarn und bekommt dafür moderne Niederflurbetten.
Von
Patrick Tilke
Rottenburg

Ede Marlok, Áron Bódi, Antal Gáspár (mit Sonnenbrille) und Erika Szvitán von Sztehlo Gábor sowie Hans Klein und Johann Schweizer von der Johanniter-Unfall-Hilfe (rechts) freuen sich über die Betten.

Patrick Tilke

Gerade hat der 40-Tonner vorm Haus am Neckar geparkt. Zehn Stunden Fahrzeit haben die vier Helfer aus Ungarn hinter sich. Ihr Ziel ist es, 55 gebrauchte Pflegebetten aus dem Haus am Neckar, dem Haus am Rammert und dem Altenpflegeheim Stäble in Neustetten auf den LKW zu laden und nach Budapest zu bringen.

Doch erst einmal geht es drunter und drüber. Einer der Hausmeister ist krank, das schadet etwas der Koordination. Dann aber landet ein Bett nach dem anderen im LKW. Sie sollen in die Städte Budakeszi und Dunakeszi bei Budapest. Unter anderem dort betreibt die 1951 gegründete, evangelischen Hilfsorganisation Sztehlo Gábor Evangélikus Szeretetszolgálat ihre Pflegeheime für 600 ältere Menschen und solche mit Behinderungen.

Zustande kam die Spendenaktion durch eine Vermittlung von Klaus Stuhlmüller, Interims-Geschäftsführer der Hospitalstiftung Rottenburg. Dafür hat er Hans Klein ins Boot geholt, über den er sagt: „So einen wie ihn gibt es kein zweites Mal.“ Klein arbeitete einst als Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie. Mitte der 1990er-Jahre begann er im Alter von 47 Jahren damit, die Dienststelle der Johanniter-Unfall-Hilfe in Bad Schussenried aufzubauen.

2001 gründete Klein die „Ungarnhilfe“. Damals habe sich für ihn die Frage gestellt, wo man am besten hilft. Entwickelt hat sich daraus ein bis heute währendes, ehrenamtliches Engagement mit jährlich vielen Fahrten, um Pflegemittel, Betten und andere Hilfsgüter nach Ungarn zu bringen. Auch für ihn seien die vielen Betten ein Glücksfall: „Solche Mengen bekommen wir normalerweise nicht.“

Sztehlo Gábor kann die Betten gut gebrauchen. Der ungarische Staat ziehe sich immer mehr aus der Gesundheitsversorgung zurück, so Stuhlmüller. Auch Finanzbürgermeister Hendrik Bednarz betont: „Wir sind immer gerne bereit, zu unterstützen.“ Zwar entsprechen die gespendeten Betten nicht mehr heutigen Pflegestandards in Deutschland. Aber sie sind bestens erhalten und können auch elektronisch in der Höhe verstellt werden. „Wir schicken keinen Ramsch dort hin“, so Bednarz. „Und wir wissen auch, dass die Sachen ankommen.“

Im Gegenzug besorgte Stuhlmüller für die Häuser der Hospitalstiftung moderne Niederflurbetten, die sehr weit nach unten auf den Boden abgesenkt werden können. Das reduziere das Risiko von Oberschenkelhalsbrüchen bei Demenzpatienten, die aus dem Bett fallen. Laut Stuhlmüller sind 50 bis 70 Prozent der Heimbewohnerinnen und -bewohner dement. Die Freiheit entziehen, etwa durch den Einsatz von Bettgittern, dürfe man grundsätzlich nicht.

Auf der anderen Seite möchte die Hospitalstiftung auch als Arbeitgeber attraktiv bleiben, die Lebensqualität in den Pflegeheimen verbessern und ihren Investitionsstau auflösen. Jedes der neuen Niederflurbetten kostet 3000 Euro. Bis Frühjahr 2022 sollen 165 Betten ausgetauscht werden und im Ringtausch nach Ungarn gehen. Finanziert werden sie aus Rücklagen der Hospitalstiftung, so Stuhlmüller.