Gesundheitsversorgung
: Notfälle werden in Herrenberg nur noch tagsüber behandelt

Böblinger Kreistag beschließt Anpassung der Medizinkonzeption: Die Versorgung im Herrenberger Krankenhaus wird immer weiter zurückgefahren.
Von
Uschi Hahn
Herrenberg
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Notfälle, Notaufnahme;

Medizinische Notfälle werden im Herrenberger Krankenhaus bald nur noch tagsüber versorgt.

Hans-Jörg Schweizer/Archiv
  • Notfälle im Krankenhaus Herrenberg werden ab Mai nur noch tagsüber von 8 bis 18 Uhr behandelt.
  • Der Böblinger Kreistag plant ein „Integriertes Gesundheitszentrum“ (IGZ) für Herrenberg.
  • Die 24/7-Notaufnahme entfällt, stattdessen tagesambulante Notfallversorgung mit Rettungsdiensten.
  • Im IGZ bleiben eine internistische Basisversorgung, Palliativstation und geriatrische Reha.
  • Ambulantes OP-Zentrum soll Standort stärken; Krankenhaus bleibt bis Mai uneingeschränkt aktiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Kreiskrankenhaus in Herrenberg ist bisher für viele Patienten aus dem Bereich Rottenburg und Ammerbuch eine Anlaufstelle. Deshalb war der Aufschrei auch hier groß, als im Sommer 2023 bekannt wurde, dass im Zuge der neuen Medizinkonzeption für den Landkreis Böblingen die stationäre Versorgung in Herrenberg aus Kostengründen massiv zurückgefahren werden soll.

Nach Protesten seitens Ärzteschaft, Belegschaft, Kommunalpolitik und Bevölkerung hatte sich der Klinikverbund Südwest schließlich auf einen Kompromiss eingelassen:  Neben Fachärzten, einer internistischen Basisversorgung mit 40 Betten und einer Palliativstation sollte in der Klinik in Herrenberg eine durchgehend besetzte Notaufnahme verbleiben. Doch auch die ist nun vom Tisch.

Digitale Lotsen

Der Kreistag in Böblingen hat jetzt eine Anpassung der Medizinkonzeption beschlossen. Demnach soll Herrenberg ein „modernes Integriertes Gesundheiszentrum“ (IGZ) werden, wie es in einer Mitteilung aus dem Böblinger Landratsamt heißt. Die ursprünglich geplante 24/7-Notaufnahme sei „unter neuen bundesrechtlichen und personellen Anforderungen für ein Haus dieser Größe nicht mehr umsetzbar“, lautet die Begründung. Stattdessen werde eine tagesambulante Notfallversorgung eingerichtet – „mit klaren Zuweisungswegen über Rettungsdienst und Leitstelle, der erweiterten Rettungswache vor Ort mit einem zusätzlichen Rettungswagen sowie enger Anbindung an die stationären Notaufnahmen in Nagold und im Flugfeldklinikum“. Der Rettungsdienst und  „digitale Lotsen“ sollen  „eine schnelle und qualifizierte Erstbehandlung“ sicherstellen. Am IGZ selbst sollen demnach nur noch von  8 bis 18 Uhr „leichte internistische und chirurgische Notfälle ambulant versorgt“ werden.

Seit 2023 habe sich die Realität im deutschen Gesundheitswesen weiter verschärft, erklärt dazu der Böblinger Landrat Roland Bernhard: „Neue gesetzliche Vorgaben des Bundes, der Rückzug der Kassenärztlichen Vereinigung aus der Notfallpraxis und der verschärfte Fachkräftemangel zwingen uns, unsere Pläne an die Wirklichkeit anzupassen. Alles andere wäre unverantwortlich.“

Übrig bleiben im Krankenhaus in Herrenberg neben der Tages-Notfallambulanz, verschiedenen Fachärzten und einer Hebammenpraxis: Eine internistische Basisversorgung mit 40 Betten, darin integriert eine Palliativversorgung mit nur noch 4 bis 6 Betten. Dazu eine Geriatrische Rehabilitation und Kurzzeitpflege mit jeweils 30 Plätzen. Außerdem ein ambulantes OP-Zentrum für den gesamten Klinikverbund.

Bis Mai in Betrieb

Das ambulante OP-Zentrum soll laut Mitteilung „die Bedeutung des Standorts“ stärken. Mit diesem Konzept werde das künftige Integrierte Gesundheitszentrum in Herrenberg „ein leistungsstarker und wohnortnaher Anlaufpunkt für die Bürger bleiben“.

Umgesetzt werden sollen die Pläne bereits im kommenden Mai. Bis dahin, so das Versprechen von Landratsamt und Klinikverbund,  „bleibt das Krankenhaus Herrenberg uneingeschränkt in Betrieb“.