Für die nächsten 100 Jahre: Wie die Bürgerstiftung Rottenburg ihre Zukunft sichert

Ottmar Schneck (links) und Walter Hahn beschreiben die Bürgerstiftung als „Mitmachstiftung“. Wer ein gemeinnütziges Projekt starten will, findet dort Unterstützung.
Hete Henning- Bürgerstiftung Rottenburg stärkt Projekte in Bildung, Soziales, Natur und Kultur.
- Struktur mit Stiftungsforum, -rat und -vorstand – die Basis wählt die Gremien.
- Verjüngung: Zwölf neue Mitglieder seit März 2026, um Handlungsfähigkeit zu sichern.
- Beispiele: Corona-Hilfsfonds 2021 mit 88.000 Euro, „Lebensraum Weggental“ unter Schirmherrschaft.
- Geplant: Lehrerfortbildung mit Futurium im Herbst 2026 und Correctiv-Fakten-Checks Anfang 2027.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Adventszeit 2025 verschenkte die Bürgerstiftung Rottenburg, die sich in der Stadt unter anderem um Bildung, Sozialarbeit, Natur- und Umweltschutz, Kunst und Kultur kümmert, an einem Stand bei der Zehntscheuer selbstgeschnittene Misteln. Das geschah einerseits, um Spenden zu sammeln und in der Stadt die Tradition der baumschmarotzenden Mistel als Glücksbringer einzuführen. Und andererseits, um in Rottenburg sichtbarer zu werden und um mit potenziellen Unterstützern ins Gespräch zu kommen.
Das Konstrukt der Bürgerstiftung zu verstehen, ist nicht ganz einfach. Da gibt es einen Stiftungsrat (geleitet von Ottmar Schneck) und einen Stiftungsvorstand (geleitet von Walter Hahn). Neuerdings gibt es auch ein Stiftungsforum. Es besteht aus den 50 bis 60 sogenannten Stiftern, die mit mindestens 300 Euro zum Vermögen der 2010 gegründeten Stiftung beigetragen haben. Zusätzlich wählten die Stifter im März 2026 erstmals zwölf Personen aus Rottenburg ins Stiftungsforum, die der Bürgerstiftung besonders verbunden und, so die Satzung, „dem Wohl der vielfältigen Stadtgesellschaft verpflichtet sind“.
Verjüngung des Stiftungsforums zur Selbsterhaltung
Das Stiftungsforum sei wichtig, erklärt Ottmar Schneck, denn es wähle den Stiftungsrat, der wiederum den Stiftungsvorstand wählt. Damit ist das Stiftungsforum die Basis der Bürgerstiftung. Weil die Stifter älter werden und zum Teil schon gestorben sind, sei die Wahl der zwölf neuen Mitglieder des Stiftungsforums wichtig für die Selbsterhaltung gewesen, so Schneck. „Es geht darum, dass wir über die nächsten 100 Jahre immer wieder einen Stiftungsrat wählen können und damit weiter handlungsfähig bleiben.“
Stiftungsratsleiter Schneck wie auch Walter Hahn, der derzeitige Leiter des Stiftungsvorstands, wollen sich bei den Neuwahlen ihrer Gremien im Herbst 2026 für weitere vier Jahre zur Verfügung stellen. Beide sind bereits im Ruhestand. Hahn, 66 Jahre alt, studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre und beriet jahrzehntelang Unternehmen der Schwerindustrie bei ihrer Organisation der Anlageninstandhaltung. Der 65-jährige Wirtschaftswissenschaftler Schneck war von 2016 bis 2024 Rektor und Geschäftsführer der SRH Fernhochschule Riedlingen.
Die Bürgerstiftung liegt Schneck und Hahn sehr am Herzen. „Wir wollen die Breite der Stadtgesellschaft widerspiegeln“, sagt der 63 Jahre alte Walter Hahn. „Wir sind eine Mitmach-Stiftung“, betont Schneck. Die Bürgerstiftung, sind sie sich einig, sei „ein schützendes Dach“ für vielfältigste Projekte in der Stadt.
Der Hilfsfonds für Corona-Opfer lief rasant
Ein gutes Beispiel dafür ist der Solidaritätsfonds „von Rottenburgern für Rottenburger“, den Peter und Annika Kottlorz 2021 mit Hilfe der Bürgerstiftung auf die Beine stellten. Von der Idee bis zum Hilfsfonds für Leute, denen durch die Corona-Pandemie die Einnahmen weggebrochen waren, vergingen gerade mal zwei Wochen. Denn in der Bürgerstiftung Rottenburg fand das Ehepaar Kottlorz einen Partner, der sich im Stiftungsrecht auskennt und den Fonds schnell und gemäß den rechtlichen Rahmenbedingungen umsetzen konnte. Bei der Spendenaktion kamen an die 88.000 Euro zusammen.
„Wir helfen bei Projekten, für die ohne uns die Gründung eines Vereins nötig wäre“, so Schneck. „Wir haben die Struktur ja schon.“ Als Rainer Schnell und Thomas Lange 2018 das Bürgerprojekt „Lebensraum Weggental“ initiierten, übernahm die Bürgerstiftung die Schirmherrschaft. „Wir helfen, Sachen auf den Weg zu bringen, und dann ziehen wir uns wieder raus“, beschreibt Hahn die Arbeit der Stiftung.
Die Bürgerstiftung kümmert sich mit Partnern wie Rottenburger Vereinen und Schulen um Bildung, Soziales und Kultur. Sie veranstaltet beispielsweise Veranstaltungen zur Förderung der Diskussionskultur und sorgt auch für Unterhaltung in der Stadt. Mit ihrem „Talk im Kino“ fühlte sie vor ausverkauftem Saal im Kino Waldhorn zuletzt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und davor Rottenburgs neuem Bischof Klaus Krämer auf den Zahn.
Tipps für den Fakten-Check gegen Desinformation
Neue Projekte der Bürgerstiftung sind in Arbeit. Darunter ist eine Veranstaltung mit dem Berliner Museum Futurium, das sich der Entwicklung der Zukunft beziehungsweise verschiedener Zukünfte widmet. Mitarbeiter des Museums Futurium werden im Herbst 2026 für eine Lehrerfortbildung nach Rottenburg kommen. Die Pädagoginnen und Pädagogen sollen lernen, wie sie Kindern und Jugendlichen das erfinderische Nachdenken über die künftige Gestaltung etwa der Landwirtschaft oder des Arbeitslebens schmackhaft machen können.
Für Anfang 2027 sind außerdem zwei Veranstaltungen zum Thema Fakten-Check in Zusammenarbeit mit dem Recherchezentrum Correctiv geplant. Dabei geht es darum, die Medien- und Informationskompetenz von Jugendlichen und Erwachsenen zu stärken und der Desinformation durch Falschbehauptungen im Internet entgegenzuwirken.
Kleinere Rottenburger Stiftungen wurden zu Fonds in der Bürgerstiftung
Das Stiftungskapital der 2010 gegründeten Bürgerstiftung beträgt gut 100.000 Euro. Anfang 2026 wurde das Vermögen zweier kleinerer Rottenburger Stiftungen auf die Bürgerstiftung übertragen: Aus der ursprünglich selbstständigen „Willy-Klink-Stiftung“ wurde der „Willy-Klink-Fonds in der Bürgerstiftung Rottenburg“, die „Rolf-Claß-Stiftung“ wurde zum „Rolf-Claß-Fonds in der Bürgerstiftung“.
An den von den ursprünglichen Stiftern festgelegten Zwecken änderte sich nichts. Der Verwaltungsaufwand für die Fonds ist aber wesentlich geringer als für selbstständige Stiftungen. Auf diese Weise bleibe mehr Geld für den eigentlichen Stiftungszweck und damit für die Rottenburger Stadtgesellschaft übrig, so Hahn und Schneck.
