Figurentheaterfestival in Rottenburg: Wenn Schirme zu Planeten und Papier zu Geschichten werden

Schirme werden zu Planeten: Mit ihrer Inszenierung von „Der kleine Prinz“ nach Antoine de Saint-Exupéry ist die Figurenspielerin Christiane Weidringer am Sonntag, 8. November, beim Figurentheaterfestival „Unikate 5“ im Rottenburger Theater am Torbogen zu Gast.
Künstlerin- Theater am Torbogen lädt vom 7. bis 21. November zum Figurentheaterfestival „Unikate 5“ ein.
- Sechs Produktionen für Kinder und Erwachsene – von Märchen bis experimentellem Theater.
- Auftakt: „Die Katze, die tut was sie will“ am 7. November, 15 Uhr, für Kinder ab fünf Jahren.
- „Der kleine Prinz“ am 8. November, 18 Uhr; Schirme werden zu Planeten, empfohlen ab zehn Jahren.
- Abschluss: „Der goldene Taler“ am 21. November, 20 Uhr – Märchen für Erwachsene ab 16 Jahren.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Eine Katze, die sich nicht zähmen lässt, ein kleiner Prinz auf Reisen durch das Universum und ein Stück Papier, das seine eigene Geschichte erzählt: Beim Figurentheaterfestival „Unikate 5“ im Rottenburger Theater am Torbogen (TaT) werden aus alltäglichen Gegenständen und ungewöhnlichen Figuren ganze Bühnenwelten. Vom 7. bis 21. November lädt das Theater zum fünften Mal seit 2021 zu den „Tagen des Figurentheaters“ ein.
Auf dem Programm stehen sechs Produktionen. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Das Angebot reicht von Märchen für Kinder ab vier Jahren über die Bearbeitung bekannter literarischer Werke bis zu experimentellem Figurentheater für Erwachsene. Ergänzt wird das Festival durch eine Ausstellung mit Figuren aus der Region und Gespräche mit den Mitwirkenden.
Eine Katze, die ihren eigenen Weg geht
Den Auftakt macht am Samstag, 7. November, um 15 Uhr das Stück „Die Katze, die tut was sie will“. Puppenspieler Lutz Großmann erzählt nach einer Vorlage von Horst Hawemann eine wilde Schöpfungsgeschichte. Am Anfang darf noch jedes Lebewesen machen, was es will. Doch als die Menschen eine Familie gründen, werden aus den Wildtieren nach und nach Haustiere. Nur die Katze weigert sich, sich zähmen zu lassen. Mit Klugheit und Humor beschützt sie schließlich die Menschenfamilie vor einem Tiger. Großmann benötigt für die rund 50-minütige Aufführung einen Erzähler, eine große Trommel und allerlei Tiere. Das Stück richtet sich an Kinder ab fünf Jahren.
Am Sonntag, 8. November, um 18 Uhr geht die Reise noch weiter: bis zu den Sternen. Die Erfurter Puppenspielerin Christiane Weidringer bringt „Der kleine Prinz“ nach Antoine de Saint-Exupéry auf die Bühne. Ausgangspunkt ist eine französische Schirmverkäuferin mit ihrem Fahrrad. Die Schirme verwandeln sich in Planeten, das Fahrrad wird zur Bühne. Auf der Reise begegnet das Publikum den Figuren aus Saint-Exupérys Erzählung, darunter der Rose. Chansons, magische Schatten und ein leuchtender Brunnen begleiten die Geschichte über Freundschaft und die Suche nach dem Wesentlichen. Die Vorstellung dauert rund 75 Minuten zuzüglich Pause und eignet sich für Kinder ab zehn Jahren.
Weidringer steht auch bei den beiden folgenden Vorstellungen auf der Bühne. Am Montag, 9., und Dienstag, 10. November (bereits ausverkauft), jeweils um 10 Uhr zeigt sie „Das hässliche junge Entlein“ nach Hans Christian Andersen. Auf einem Entenhof schlüpft ein Küken, das anders aussieht als die übrigen. Ausgegrenzt und verspottet, macht es sich allein auf den Weg. Nach einem langen Winter entdeckt es schließlich, dass es zu den Schwänen gehört. Das Märchen über Anderssein und Selbstbewusstsein arbeitet mit Verwandlungen, bei denen die Kinder mithelfen können. Die Aufführung dauert 45 Minuten und richtet sich an Kinder ab vier Jahren.
Ein Roman wird zum Objekttheater
Mit „Was man von hier aus sehen kann“ steht am Samstag, 14. November, um 20 Uhr eine Bearbeitung des gleichnamigen Romans von Mariana Leky auf dem Programm. Die Puppenspielerin Friederike Krahl erzählt in ihrem rund 70-minütigen Soloabend von einem Dorf, in dem scheinbar alles miteinander zusammenhängt. Eine besondere Rolle spielen dabei ein Okapi, ein „Mon Chéri“ und die großen Fragen nach Liebe und Tod.
In der Inszenierung stellt eine Buchhändlerin ihren Lieblingsroman vor. Dabei gerät sie selbst immer tiefer in die Geschichte hinein. Die eigenwilligen Dorfbewohner scheinen von ihr Besitz zu ergreifen, während unscheinbare Gegenstände in ihren Händen lebendig werden. Krahl verbindet das Spiel mit Objekten mit Humor und den ernsten Themen der literarischen Vorlage. Empfohlen wird die Vorstellung ab 16 Jahren.
Einen anderen Weg beschreitet am Sonntag, 15. November, um 18 Uhr das Stück „Crinkled – zwei Leben, gefaltet, zerknittert, geknüllt“. Hier wird Papier selbst zum Geschichtenerzähler. Alice Therese Gottschalk verwendet Papier in unterschiedlichen Formen sowie daraus gefertigte Masken und Marionetten. Das Material knistert, raschelt, wird gefaltet, zerknüllt und verwandelt sich. Seine Veränderungen stehen zugleich für Lebensgeschichten, Vergänglichkeit und Neubeginn.
Karten und Preise
Eintrittskarten für die Abendvorstellungen kosten 18 Euro, ermäßigt 14 Euro. Schülerinnen, Schüler und Studierende zahlen 10 Euro. Für die Kindervorstellungen beträgt der Eintritt 7 Euro für Kinder und 8 Euro für Erwachsene. Karten gibt es online unter www.tat-rottenburg.de sowie bei der WTG-Tourist-Information in Rottenburg und beim Verkehrsverein Tübingen. Die Tages- und Abendkasse öffnet jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Begleitet wird das Figurenspiel von der Percussionistin Anja Füsti, die mit ihren Klängen und Kompositionen eine eigene musikalische Ebene schafft. Die Klänge und Kompositionen der Percussionistin Anja Füsti begleiten das Figurenspiel und machen nach Angaben des Theaters Sprache überflüssig. Die rund einstündige Aufführung richtet sich an Menschen ab elf Jahren. Gottschalk beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Bau und Spiel von Marionetten und erforscht seit 2020 auch die Verbindung von Figurentheater und Robotik.
Ein düsteres Märchen zum Abschluss
Den Abschluss des Festivals bildet am Samstag, 21. November, um 20 Uhr „Der goldene Taler“ nach Hans Fallada. Das Stuttgarter Ensemble Materialtheater bringt damit ein Märchen für Erwachsene auf die Bühne, das sich mit Ausbeutung, Abhängigkeit und Selbstbestimmung beschäftigt.
Im Mittelpunkt steht die arme Waise Anna-Barbara. Um einen goldenen Taler zu verdienen, lässt sie sich auf ein Geschäft mit Hans Geiz ein. Sie soll unter der Erde in einem dunklen Loch schmutzige Geldstücke polieren. Dort ist sie auf die Hilfe eines cholerischen Putzmännleins angewiesen. Erst allmählich erkennt Anna-Barbara, dass ihr Arbeitgeber sie mit falschen Versprechungen in eine ausweglose Lage gebracht hat. Die Geschichte stellt die Frage, ob Menschen ihrem vermeintlich vorbestimmten Schicksal ausgeliefert sind oder die Regeln selbst verändern können.
Annette Scheibler und Sigrun Kilger spielen die rund 80-minütige Inszenierung, die mit Figuren, Objekten und Masken arbeitet. Das Ensemble Materialtheater ist für seine Verbindung von politischem Theater, Humor und ungewöhnlichen ästhetischen Formen bekannt. Die Vorstellung wird ab 16 Jahren empfohlen.
Ausstellung und Gespräche beim Festival
Begleitend zu „Unikate 5“ zeigt das Theater am Torbogen vom 8. bis 21. November im Theatercafé die Ausstellung „Local Puppets – Figurenbau aus der Region“. Alice Therese Gottschalk präsentiert Figuren aus dem 3D-Drucker, Anja Müller zeigt Arbeiten aus ihrem Tübinger Puppenschuppen. Dort entstehen aus Stoff, Holz, Schaumstoff und weiteren Materialien eigenständige Theaterfiguren. Die Vernissage ist am Sonntag, 8. November, um 17 Uhr. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
Nach den Vorstellungen laden sogenannte ArtistTalks im Theatercafé zum Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern ein. Zum Festivalauftakt beteiligt sich das Theater am Samstag, 7. November, ab 21 Uhr außerdem an „Rottenburg tanzt!“.

