Zum Tod von Rainer Buck: Pionier der Grünen in der Reutlinger Kommunalpolitik
Streitbarer Demokrat und herzlicher Mensch: Rainer Buck ist in der vergangenen Woche gestorben.
Ralph Bausinger/Archiv- Rainer Buck, prägende Figur der Reutlinger Grünen, starb am 17. Juni mit 69 Jahren.
- Er etablierte die Grünen im Gemeinderat und war seit 1992 Fraktionsvorsitzender.
- Schwerpunkte waren Kultur und Soziales – gegen die Stadthalle, Sorge um Klinikbeschäftigte.
- Er war Friedensaktivist und Kriegsdienstverweigerer, sein Pazifismus wankte durch den Ukrainekrieg.
- 2017 erhielt er die Goldmedaille „600 Jahre bürgerschaftliche Selbstverwaltung“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer auch immer Anfang der 1980er-Jahre mit dem Verdacht nach Reutlingen gekommen ist, in der Stadt der Millionäre gebe es keine alternative Szene, der musste nur Rainer Buck kennenlernen: Mit langen Haaren und seinem Rauschebart wirkte er wie ein Bürgerschreck aus dem konservativen Malbuch. Er war Kriegsdienstverweigerer, Friedensaktivist, demonstrierte gegen Atomkraft – und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich die Grünen und Unabhängigen im Reutlinger Gemeinderat etablierten. Buck, der immer mit einem kauzigen „Tag, Tag, Tag“ grüßte, ist am 17. Juni im Alter von 69 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben.
Als Oberbürgermeister Thomas Keck am Dienstag vor der Gemeinderatssitzung den Tod des ehemaligen Stadtrats verkündete, kämpfte er gegen die Tränen: „Er war ein streitbarer Geist, aber die Auseinandersetzungen mit ihm waren immer konstruktiv. Buck war ein großer Demokrat mit beispielhaftem Engagement für die Stadt und den Landkreis.“ Vor allem Kultur und Soziales lagen dem Volkswirt am Herzen.
Erklärter Gegner des Stadthallenbaus
1984 verkündete Christoph Joachim einen „großen Fang“ für die Kommunalwahl-Liste der Grünen und Unabhängigen: Rainer Buck ließ sich erstmals aufstellen und wurde mit 9338 Stimmen gewählt. Erst zwei Jahre später trat er bei den Grünen ein. „Buck hatte wahnsinnig fundierte Kenntnisse von Kommunalpolitik, die uns damals noch fehlten“, erinnert sich der ehemalige Grünen-Stadtrat Thomas Riedinger an die Anfangszeit. Bis 2017 war der 1956 in Reutlingen geborene Buck im Gemeinderat, seit 1992 als Fraktionsvorsitzender.
Buck war freiberuflich in der Bildungsarbeit tätig, unter anderem als Dozent an der Evangelischen Hochschule für Sozialwesen in Ludwigsburg sowie in Rottenburg. Er verfolgte mit außergewöhnlicher Hartnäckigkeit seine Themen. Das zeigte sich vor allem bei seiner Ablehnung der 2013 eröffneten Stadthalle. Wobei er sich da immer missverstanden fühlte: Er habe nichts gegen die Halle, fürchte aber, dass die Finanzierung die Möglichkeiten der Stadt übersteigen könnte, stellte er einmal klar. Er hätte lieber die Listhalle modernisiert. Im Kreistag kämpfte er vehement gegen ein externes Management für die Kreiskliniken und sorgte sich um die Angestellten.
Eine Goldmedaille zum Abschied vom Gemeinderat
1990 kandidierte er im Bundestagswahlkampf für die Reutlinger Grünen, die damals den Einzug in den Bundestag knapp verpassten. Die Kommunalpolitik und das Anliegen der Bürger war aber immer seine große Leidenschaft gewesen. „Er vertrat von Anfang an eine klare Linie und ist nicht eingeknickt“, sagt Grünen-Stadträtin Gabriele Janz. „Er hat immer viel Anerkennung für seine Fachkenntnisse und seine Herzlichkeit erhalten, auch aus dem gegnerischen Lager.“ Nur der radikale Pazifismus ist bei ihm in den letzten Jahren ins Wanken geraten. Denn der Ukrainekrieg hat Buck schwer in seiner Weltsicht getroffen.
Zu seinem Abschied nach 33 Jahren im Gemeinderat erhielt er im Juli 2017 die Medaille „600 Jahre bürgerschaftliche Selbstverwaltung“ in Gold. Den ganzen Tag über hatte er mit weichen Knien und Wehmut gekämpft – bei seiner Rede machte die Wucht des Abschieds dann die Stimme brüchig. „Ich freue mich letztlich darüber, dass grüne Themen verstärkt Rückhalt gefunden haben. Und dass mittlerweile auch die CDU das Radfahren entdeckt hat“, sagte Buck schwer gerührt. Wenn er sich verabschiedet hat, dann ebenfalls in dreifacher Ausführung: „Tschüss, tschüss, tschüss.“ Tschüss, Rainer Buck.
