Weltfrauentag
: Geschlechterrollen aufzubrechen ist ein Gewinn für alle

Toxischer Männlichkeit etwas entgegenzusetzen, ist eine Generationenaufgabe. Dabei würden alle davon profitieren, wenn die Geschlechterrollen lockerer gesehen werden würden, findet Autorin Lea Irion.
Kommentar von
Lea Irion
Berlin
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Am 8. März ist Weltfrauentag.

Julian Stratenschulte

Frau zu sein ist etwas, was mir zwar nicht von der Hand zu weisen ist, es ist für mich aber auch keine Rolle, in die ich mich gerne hineinzwänge. Im Gegenteil: Frau zu sein spielt in sehr vielen Momenten in meinem Leben nur dann eine Rolle, wenn Männer es thematisieren.

Zum Beispiel dann, wenn mir nachgesagt wird, dass meine Art, Fußball zu spielen, ja „niemals an das Niveau eines Mannes“ herankäme. Solche Vergleiche ziehe ich selbst in aller Regel nicht, muss mich damit aber unweigerlich auseinandersetzen, wenn meine Talente als solche nicht anerkannt oder sie mir abgesprochen werden. Und das nur aus dem Grund, weil ich eine Frau bin.

Einerseits sind diese Kommentare natürlich blanker Hohn und Schwachsinn, sie offenbaren aber im Umkehrschluss, welches Frauenbild auch im Jahr 2024 noch immer in weiten Teilen der Gesellschaft verankert ist.

Selbstverständlich sind viele der bisherigen Entwicklungen begrüßenswert: Frauen sind Männern gleichgestellt, Vergewaltigungen in der Ehe sind nicht mehr rechtens, es gibt Chefärztinnen, Pilotinnen, Pfarrerinnen, Schreinerinnen und Bauarbeiterinnen, in echt wie in Kinderbüchern.

Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen

Aber nur, weil auf dem Papier vieles gut zu laufen scheint, heißt das noch lange nicht, dass wir am Ziel sind. Solange Frauen noch immer grundsätzlich in ihrer Professionalität angezweifelt werden, in Sportarten Unterlegenheit gegenüber ihren männlichen Kollegen unterstellt wird, bei jeder Gelegenheit völlig humorentfremdet „zurück in die Küche“ geschickt werden oder gar Gewalt aufgrund ihres Geschlechts erfahren, hat die Gesellschaft noch einen weiten Weg zu gehen.

Es ist schlichtweg nicht damit getan, jedes Jahr zum Weltfrauentag der Geschlechtergerechtigkeit zu gedenken und sie an allen anderen Tagen wieder auszublenden. Und das funktioniert in beide Richtungen: Geschlechterrollen aufzubrechen, ist am Ende ein Gewinn für alle.

Denn genau so, wie Frauen in der Kindererziehung arbeiten können, können Männer Erzieher werden, Kosmetiker, Modeberater. Sie können Kleider anziehen und sich die Fingernägel lackieren.

Wir sind alle auch nur Menschen

Angefeindet werden aber auch diese Menschen vom selben Klientel: Männer, die sich in ihrer vermeintlich höhergestellten Männlichkeit angegriffen und bedroht fühlen. Dass diese Unsicherheit in Hass und Diskriminierung mündet, ist fatal für eine demokratische Gesellschaft und ein tiefgreifendes, strukturelles Problem, dessen Bekämpfung eine Generationenaufgabe ist. Es gilt also, toxischer Männlichkeit die Plattform zu entziehen und Frauen wie Männer als das anzunehmen, was sie sind: auch nur Menschen.