Weihnachts-Spendenaktion 2024: Reutlinger Tierheim wird zu Aufnahmestopp für Igel gezwungen

Geschwächt kam dieser Igel ins Tierheim Reutlingen; nun beginnt für den aufgepäppelten kleinen Säuger die Winterruhe.
Maik Wilke- Tierheim Reutlingen sorgt für mehr Igel als je zuvor; Klimawandel, Mähroboter und Parasiten belasten Tiere.
- 250 Igel wurden 2024 behandelt, deutlicher Anstieg; Aufnahmestopp wegen Überlastung.
- Verletzte und schwache Igel benötigen besondere Pflege; Winterruhe beginnt.
- Spendenaktion „Die gute Tat“ unterstützt Tierheim Reutlingen, Tierschutzverein Münsingen und Kinderklinik Tübingen.
- Spenden an Volksbank Ermstal-Alb, Stichwort „Weihnachtsaktion“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
9 Uhr morgens ist für Igel: Schlafenszeit. In den einzelnen Plastikboxen „vergraben“ sich die nachtaktiven Stachelträger unter den Decken. Sie brauchen ihre Ruhe, um wieder zu Kräften zu kommen. Manche von ihnen sind ausgehungert, manche sind verletzt, andere verwaist. „So viele geschwächte Igel wie in diesem Jahr musste wir noch nie versorgen“, sagt Sabine Mayer. Die Kleintierpflegerin im Tierheim Reutlingen zieht ein Paar Latex-Handschuhe an; und streift dann noch ein Paar über. Sicher ist sicher. Nicht nur, weil die Stacheln pieksen könnten, sondern weil die Infektionskrankheit auch auf den Menschen übertragbar ist. Vorsichtig holt sie einen Igel aus der Box. Dem kleinen Säuger fehlt fast die Hälfte seiner Stacheln. Bis er sich von seinem Hautpilzbefall erholt hat, dauert es noch einige Wochen.
Genau 250 Igel hat das Tierheim Reutlingen in diesem Jahr bereits behandelt. Jeder Fall wird erfasst. Zum Vergleich: Die Zahl stieg zwar in den vergangenen Jahren, lag aber etwa bei 150 bis 200. Nun also nochmal ein deutlicher Anstieg – der das Kleintierhaus sogar zu einem Aufnahmestopp gezwungen hat. „Vor einigen Wochen waren 30 Igel gleichzeitig bei uns, und das war zu viel“, sagt Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen die Tiere schließlich adäquat behandeln und bei einer solch hohen Anzahl werden wir dem nicht mehr gerecht.“ Aktuell versorgt das Team des Tierheims 18 Igel, drei davon befinden sich in der Winterruhe.
Autos, Mähroboter und der Klimawandel
Auffallend: Dass sich das Tierheim Reutlingen vermehrt um Igel kümmern muss, hat in diesem Jahr schon im August begonnen. „Vier Wochen früher als eigentlich üblich“, sagt Mayer. Die Abläufe in der Natur verschieben sich; Tieren fällt es zunehmend schwieriger, sich anzupassen.

Sind Igel geschwächt, haben Parasiten leichtes Spiel und befallen die kleinen Säugetiere. Eine Folge: die Stacheln, die Igel vor Feinden schützen, fallen aus.
Maik WilkeDie Gründe, warum es vielen Igeln schlecht geht, sind vielfältig. Autos und Mähroboter verletzen die Tiere. Der Klimawandel setzt ihnen dauerhaft zu, unter anderem weil sie schwieriger Nahrung finden. „Wenn Igel keine Laufkäfer mehr als Nahrung finden, weichen sie auf Regenwürmer und Schnecken aus. Und diese übertragen Würmer als Parasiten“, erklärt Tierpflegerin Mayer. Hinzu kommt: Beim feucht-milden Wetter, das der Klimawandel verstärkt auslöst, können sich Ektoparasiten wie Milben stark vermehren. Die Igel sind folglich Parasiten von innen und außen ausgesetzt.
Wärmflasche für unterkühlte Tiere
Für Igel hat bereits die Zeit der Winterruhe begonnen. Wer dennoch einen geschwächten oder verletzten Igel findet, sollte wie folgt agieren: Handschuhe anziehen und den Igel vorsichtig in einen Karton setzen. Eine Schale mit Wasser dazu stellen und ganz wichtig: eine Wärmezufuhr anbieten. „Gerade jetzt sind viele Igel unterkühlt“, sagt Mayer. „Da sind Decken gut, gerne sogar eine Wärmflasche in den Karton legen.“ Für weitere Hilfe können sich Privatpersonen bei igelkundigen Stellen melden, also beim Tierschutzverein Reutlingen und der Igelstation in Riederich, zudem werden auf der Homepage des NABU weitere Ansprechpartner aufgeführt.
Für Sabine Mayer und ihr Team geht die Arbeit weiter. Igel mit Parasiten bleiben bis zu sechs Wochen im Kleintierhaus. Für das Aufpäppeln von Wildtieren bekommt das Tierheim übrigens von der Stadt kein Geld. Wer die Arbeit des Tierheims privat finanziell unterstützen möchte, kann bei unserer Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ spenden (siehe Infokasten).
„Die gute Tat“: Das ist das Spendenkonto
In diesem Jahr widmet sich die Spendenaktion der SÜDWEST PRESSE „Die gute Tat“ drei Projekten: dem Tierschutzverein Münsingen, dem Tierheim Reutlingen und der Kinderklinik in Tübingen. Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Südwest Presse Neckar-Alb GmbH & Co. KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, muss bitte beim Verwendungszweck seine vollständige Adresse und das Stichwort „Kinderklinik“ oder „Tierschutz“ angeben.

