Tote Tauben in Reutlingen: Tierschützer erstatten Anzeige gegen die Stadt

Kein schöner Anblick: Eine tote Taube unter der Bahnbrücke Unter den Linden in Reutlingen.
Dimitri DrofitschDie Vergrämung der Tauben unter der Bahnbrücke Unter den Linden sorgt seit nun gut acht Monaten für Ärger – dieser hat nun auch offiziell rechtliche Folgen für die Stadt Reutlingen. Der Verein „Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg“ hat seine Ankündigung umgesetzt und Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen die Stadt Reutlingen und das von dieser beauftragte Vergrämungsunternehmen erstattet. Das erklärt der Verein am gestrigen Donnerstag in einer Pressemitteilung.
Eingereicht habe „Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg“ die Anzeige bereits am 8. April, konkret formuliert gegen „die Verantwortlichen des Tiefbauamtes und des Ordnungsamtes der Stadt Reutlingen sowie gegen die Verantwortlichen des Vergrämungsunternehmens Anticimex“. Der Vorwurf lautet auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, Erfüllung von Ordnungswidrigkeiten und Veruntreuung von Steuergeldern.
Das werfen die Tierschützer der Stadt vor
Die Tierschützer beziehen sich in ihrer Mitteilung sowohl auf das Abwehrnetz, unter dem Tauben eingesperrt waren, als auch auf den neuen Taubenschlag, der „eher ein Taubenfangschlag“ sei.
Als das Taubenabwehrnetz Ende März installiert wurde, wurden, „obwohl für jedermann ersichtlich, Tauben und teils bebrütete Eier, die sich an der Brücke befanden, mit dem Netz eingesperrt“, schreibt Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg. „Es wurde in einer Art und Weise montiert, dass die Tauben den Weg nach draußen nicht mehr finden konnten. Infolgedessen starben Tauben hinter dem Netz, da sie keinen Zugang zu Futter und Wasser hatten. Die Tiere erfuhren durch das Eingeschlossensein Stress und starben meist innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden, nachdem sie hinter das Netz geraten waren, an den Folgen des Stresses, insbesondere Dehydrierung und Verhungern.“
Neuer Taubenschlag: Weitere Ermittlungen?
Auch der vor Kurzem installierte Taubenschlag auf dem Dach des Postgebäudes sei keine Verbesserung. Im Gegenteil: „Hinzu kommt, dass der von der Stadt reklamierte angebliche Taubenschlag kein fachlich geeigneter ist, sondern eher ein Taubenfangschlag, an den sich die Tauben zum einen in so kurzer Zeit nicht gewöhnen konnten und zum anderen dadurch auffällt, dass dorthin ‚geflüchtete‘ Tauben verschwinden, was weitere Ermittlungen notwendig machen dürfte.“

