„Sternenfunkeln“ in Reutlingen
: Mit kleinen Geschenken viel bewegen

In Reutlingen bringt die Aktion „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ Weihnachtsfreude für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Winterkleidung, Spielzeug und Alltagsbedarf stehen auf den Wunschsternen. Die Weihnachtsaktion zeigt aber auch die soziale Not.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Kleidung und insbesondere Winterkleidung sind für Familien mit geringen Einkünften oft zu teuer und landen daher von Jahr zu Jahr öfter auf den Wunschsternen der Aktion „Sternenfunkeln in Kinderaugen“.

Maik Wilke
  • Die Aktion „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ unterstützt Kinder aus einkommensschwachen Familien in Reutlingen.
  • Wunschsterne zeigen oft bescheidene Wünsche wie Winterkleidung, Spielzeug oder Windeln.
  • Ab 25. November können Bürger und Firmen die Wünsche in der Citykirche erfüllen.
  • Die Zahl der bedürftigen Kinder steigt, während die der Schenkenden leicht abnimmt.
  • Begleitprogramm mit offenen Treffen für Familien fördert Begegnung und Gemeinschaft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor wenigen Tagen hat Viktoria Mack ein Telefonat geführt, das sie nach wie vor sichtlich bewegt. Ein Vater habe sich bei ihr gemeldet und ihr mitgeteilt, dass er sich von nun an um den Wunsch und das Geschenk für den Sohn kümmere. Seine Frau schäme sich, weil die Familie nicht viel Geld hat. „Den Wunsch des Kindes der Citykirche mitzuteilen und das Geschenk kurz vor Weihnachten abzuholen, ist für manche mit Scham belastet“, sagt Mack und muss durchatmen. „Ich war platt nach diesem Telefonat.“ Dass sich Familien mit geringem Einkommen für die Wünsche ihrer Kinder schämen, das sollte nicht sein.

Mit der Aktion „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ sorgen die ökumenische Citykirche, die Caritas Reutlingen und der Diakonieverband Reutlingen dafür, dass Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien an Weihnachten Geschenke erhalten. Mit 1750 bis 1800 Wunschsternen rechnen die Organisatoren um Mack, Pfarrer Stefan Schwarzer und Pastoralreferentin Malin Hagel, wie sie im Pressegespräch am Donnerstag mitteilten. Sie haben bereits Wochen der Organisation hinter sich, nun beginnt bald die vielleicht wichtigste Phase: ab Dienstag, 25. November, können Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen Wunschsterne in der Citykirche abholen und somit einen oder mehrere Kinderwünsche an Weihnachten erfüllen.

Bescheidene Wünsche: Spielwaren, Windeln und oft Winterkleidung

Auf den Wunschsternen stehen zwar oft Spielwaren, doch mehr als die Hälfte hofft auf Kleidung. „Winterjacken, Winterschuhe, Overalls für Babys: Wir sehen, dass diese Wünsche seit Jahren zunehmen“, sagt Malin Hagel. Dass auch Windeln als Wunsch auf den Sternen stehen, zeigt die Bedürfnisse der finanziell schwächeren Familien. „Da geht es um Dinge, die für die meisten Menschen im normalen Haushaltsbudget kein Problem darstellen“, sagt Mack.

Bei „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ schreibt die Stadtverwaltung im Herbst die Familien an, die das Kindergutscheinheft erhalten. So wird sichergestellt, dass wirklich nur Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien Geschenke erhalten.

Mehr soziale Not und weniger Schenkende

Die Geschenke sollten sich am Betrag von 35 Euro orientieren. Schenkende, die mehr ausgeben möchten, dürfen das natürlich. Doch oft liegen die Ausgaben, mit denen man als Privatperson einem Kind eine große Freude machen kann, darunter. Für das Orga-Team von „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ ist jedoch die Entwicklung eine Herausforderung: Es werden jährlich immer mehr Kinder und Jugendliche aus finanziell schwächeren Familien, die Wünsche abgeben. „Dass diese Zahl steigt, drückt etwas aus“, sagt Pfarrer Schwarzer. Die Weihnachtsaktion zeigt die soziale Not. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Schenkenden ab. Nicht stark, aber eben doch spürbar, wie Mack berichtet.

Sollte diese Entwicklung so weitergehen, müsste man sich für die nächsten Jahre neue Regeln überlegen. Denn man sei an der Kapazitätsgrenze angekommen. Zumal die drei Institutionen die nicht abgeholten Wunschsterne selbst übernehmen. „Kein Kinderwunsch bleibt unerfüllt“, verspricht Mack. Doch natürlich hofft das Orga-Team auf viele Privatpersonen und Firmen, die sich Wunschsterne vom Wunschbaum greifen und die Geschenke anschließend bis zum 12. Dezember wieder in der Citykirche abgeben. Vom 16. bis 18. Dezember ist dann: Bescherung. Mit kleinen Geschenken können Reutlingerinnen und Reutlinger bescheidene Wünsche anderer erfüllen.

Begleitprogramm und Öffnungszeiten der Citykirche

Begleitet wird „Sternenfunkeln in Kinderaugen“ vom Programm „Begegnung in der Citykirche“. Am Samstag, 22. November, findet der Alleinerziehenden-Treff statt. Am 29. November der Bastelnachmittag, am 6. Dezember der Nikolaustag und am 13. Dezember der Spielenachmittag. Alle Veranstaltungen dauern von 14 bis 16 Uhr und sind für alle Familien offen; es geht um die Begegnung der Familien, der Beschenkten und der Schenkenden. In gemütlicher Atmosphäre und ohne Stigmatisierung.

Die Wunschsterne können zu den Öffnungszeiten der Citykirche und des Café Nikolai abgeholt und die Geschenke zu den Öffnungszeiten abgegeben werden. Diese sind von Dienstag bis Samstag, 11 bis 17 Uhr. Wer Kleidung schenkt, sollte den Kassenbon zum Geschenk legen.