Notbremsung am Flughafen: Reutlingerin erlebt Startabbruch bei Tempo 200

Der Pilot einer Boeing der Fluggesellschaft Etihad-Airways brach am Sonntagabend in Melbourne den Start ab – als die Maschine bereits auf 200 km/h beschleunigt hatte. Für die Reutlinger Isabel de Marco ein unschönes Ende ihres Neuseeland-Urlaubs.
picture Allianz/Privatfoto.- Eine Boeing von Etihad-Airways musste in Melbourne bei 200 km/h notbremsen.
- Die Reutlingerin Isabel de Marco war an Bord und beschrieb die Situation als kurz schockierend, aber nicht panisch.
- Nach der Notbremsung herrschte Chaos, Passagiere mussten zwei Stunden im Flugzeug warten.
- Ersatzflüge wurden schlecht organisiert, de Marco und ihr Freund mussten viele Stunden reisen.
- Ihr Gepäck ist immer noch vermisst, keine klare Antwort von Etihad.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Maschine hat bereits eine Geschwindigkeit von mehr als 200 Kilometern pro Stunde erreicht, das Flugzeug ist kurz vor dem Abheben. Doch dann zieht der Pilot die Notbremse. Von 200 km/h stoppt die Maschine der Fluggesellschaft Etihad-Airways komplett ab. „Es war der furchterregendste Moment meines Lebens“, zitierte der Sender 9News einen Passagier, dessen Aussage anschließend von vielen Medien übernommen wurde. „Wir waren sicher, dass wir sterben würden.“ Ein dramatischer Moment, in dem Lebensangst aufkommt? Die Schilderungen von Isabel de Marco aus Reutlingen klingen da deutlich reflektierter: „Es war ein kurzer Schockmoment, keine Frage. Aber diese Aussagen halte ich für übertrieben.“
Die 30-jährige Reutlingerin saß am Sonntagabend gemeinsam mit ihrem Freund in der Boeing 787-9 Dreamliner, deren Notbremsung am Start in Melbourne weltweit Schlagzeilen machte. Ein unschönes Ende ihres Urlaubs in Neuseeland. „Einige Passagiere sind durch das abrupte Abbremsen mit dem Kopf nach vorne gestoßen. Und wir wussten nicht, was los ist“, erzählt de Marco im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE am Mittwoch. Doch vor Angst geschrien habe niemand. „Es kam keine Panik auf. Eigentlich sind alle sehr ruhig geblieben.“
Das Chaos beginnt erst nach der Notbremsung
Feuerwehrwagen eilten zum Flugzeug und löschten heiß gewordene Teile der Maschine. Die Passagiere wie Isabel de Marco verfolgen das Geschehen aus dem Flugzeug heraus – schließlich haben sie genug Zeit. „Wir mussten zwei Stunden in der Maschine sitzen bleiben. Hin und wieder kam eine Durchsage, aber richtig informiert, was passiert war, warum wir stehen und wie es weitergeht, wurden wir nicht.“ Während des langen Wartens wurde vielen Passagieren klar: ihre Anschlussflüge werden sie nicht mehr erreichen.
Und das richtige Chaos begann erst zurück in der Abflughalle. Um für die 300 Passagiere jeweils individuelle Lösungen für ihre Ersatzflüge zu finden, öffnete Etihad: zwei Schalter. „Das ging gar nicht“, sagt de Marco. „Vor allem, weil somit diejenigen bestraft wurden, die geduldig gewartet und ohne Panik das Flugzeug verlassen haben. Einige andere sind dagegen nach vorne gestürmt, um schnell an der Reihe zu sein.“
Erst um 23.45 Uhr kamen Isabel de Marco und ihr Freund im Hotel in Melbourne an. Wann es für sie endlich weitergeht mit der Rückreise nach Deutschland? „Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Uns wurde überhaupt nichts gesagt. Es hieß lediglich, wir bekommen eine Mail mit weiteren Informationen. Also haben wir uns den Wecker auf 7 Uhr gestellt, um den Ersatzflug nicht zu verpassen.“ Viereinhalb Stunden Schlaf, nachdem die beiden bereits einen ganzen Tag auf den Beinen waren. „Um 11 Uhr am nächsten Tag sind wir dann geflogen. Aber nicht wie geplant nach Abu Dhabi, sondern nach Denpasar auf Bali.“ Also ein weiterer Zwischenstopp, bis es dann von Bali nach Abu Dhabi und von dort nach Frankfurt ging – nach mehr als 60 Stunden Reisestress inklusive Startabbruch waren die beiden Reutlinger wieder in Deutschland. Ihr Gepäck nicht.
Wo sind die Koffer der Passagiere?
Die Koffer von Isabel de Marco und allen anderen Passagieren blieben an Bord der Boeing 787-9 Dreamliner. Zwar hieß es in Melbourne noch, das Gepäck würde am nächsten Morgen um 9.30 Uhr zur Abholung bereitstehen – doch auch daraus wurde nichts. „Da war überhaupt nichts organisiert“, berichtet de Marco. „Und weil 20 Minuten später das Boarding für unseren Ersatzflug anstand, mussten wir letztlich unser Gepäck zurücklassen und uns darauf verlassen, dass es nachgeschickt wird.“ Das hat bis heute nicht geklappt: De Marco wartet immer noch auf ihr Gepäck; weder bei der Fluggesellschaft noch an den Flughäfen selbst kann man ihr Auskunft geben. Wo die Koffer also aktuell, drei Tage nach dem Startabbruch, sind? „Das kann mir niemand sagen.“
Lediglich Floskeln als Entschuldigung
Eine wirkliche Entschuldigung von Etihad? Eine klare Aussage bezüglich einer Entschädigung? Oder wenigstens eine gut erreichbare Servicehotline? Fehlanzeige. Lediglich die Mails mit den Informationen, wie es nach dem letztlich gestrichenen Flug weitergeht, werden immer mit den gleichen Floskeln beendet: „Die Sicherheit und der Komfort unserer Fluggäste und der Crew haben immer die höchste Priorität. Wir entschuldigen uns für die Störung Ihrer Reisepläne.“ Damit wird sich die Reutlingerin nicht zufriedengeben. „Es hat ja nicht einmal jemand gefragt, wie es uns nach dem Startabbruch geht. Auch wenn es nicht so dramatisch war, wäre das doch das Mindeste.“ Sollte keine angemessene Entschädigung folgen, „werden wir diese über Flightright einfordern“.
Für Isabel de Marco steht nach diesen Strapazen fest: „Mit Etihad werde ich sicher nicht mehr fliegen und diese Fluggesellschaft ganz sicher auch niemandem empfehlen.“
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