Spedition aus Reutlingen: Betz International insolvent – es gibt Interessenten

Willi Betz aus Undingen gründete 1945 im Alter von 17 Jahren mit einem Lastwagen sein Speditionsunternehmen, das er kontinuierlich vergrößerte. Sein Fuhrpark war einer der größten weltweit.
Marijan Murat/dpa- Betz International aus Sonnenbühl-Undingen stellt Insolvenzantrag beim Amtsgericht Tübingen.
- Rund 140 Arbeitsplätze sind betroffen – Löhne sind drei Monate über Insolvenzgeld gesichert.
- Gründe laut Unternehmen: schwache Konjunktur, intensiver Wettbewerb und Kostenexplosion.
- Besonders belasten Energie- und Dieselpreise; interne Einsparungen reichten nicht aus.
- Vorläufiger Insolvenzverwalter Dirk Poff prüft gemeinsam mit der Geschäftsführung das Weitere.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Geschäftsführung der Betz International GmbH hat beim zuständigen Amtsgericht Tübingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das teilt das Unternehmen selbst in einer Pressemitteilung mit. Betz International ist Teil der Willi Betz-Gruppe, die ihren Hauptsitz vor Jahren von Reutlingen nach Sonnenbühl-Undingen verlagert hatte.
Das traditionsreiche Unternehmen, das seit mehreren Jahrzehnten im Bereich der Speditions- und Frachtführer tätig ist, reagiert damit auf eine Kombination aus konjunktureller Schwäche und „einer beispiellosen Kostenexplosion im Logistiksektor“, wie das Unternehmen schreibt. Dieser Schritt erfolge nach einer Phase intensiver Bemühungen, den Betrieb in einem historisch schwierigen Marktumfeld zu stabilisieren.
Schwache Konjunktur verschärft die Situation
Trotz einer jahrzehntelangen Marktpräsenz und einer festen Verankerung in der Branche sieht sich die Betz International GmbH laut eigener Aussage mit Rahmenbedingungen konfrontiert, „die einen weiteren profitablen Geschäftsbetrieb unmöglich machen. Das Marktumfeld war bereits in der Vergangenheit von intensivem Wettbewerb und geringen Margen geprägt. Die seit mehreren Monaten anhaltende allgemeine Konjunkturschwäche in Deutschland hat diese Situation zusätzlich verschärft.“
Hinzugekommen sei die aktuelle, exorbitante Steigerung der Energie- und Dieselpreise. Umfassende interne Optimierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen konnten diese massiven Belastungen nicht mehr auffangen. In der Folge sei eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung der Geschäftsaktivitäten nach eingehender Prüfung nicht mehr darstellbar.
Das sagt die Geschäftsführung von Betz International
„Die Entscheidung, diesen Antrag zu stellen, ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Analyse aller verbleibenden Optionen. Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich – insbesondere mit Blick auf unsere rund 140 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unsere langjährigen Geschäftspartner“, wird die Geschäftsführung in der Pressemitteilung zitiert. „Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen ließen uns jedoch keinen Handlungsspielraum für eine alternative Lösung.“
Nach der Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters, des promovierten Tübinger Rechtsanwalts Dirk Poff, wird dieser gemeinsam mit der Geschäftsführung die aktuelle Lage bewerten. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Information der Belegschaft sowie der Prüfung der weiteren Abwicklung des operativen Geschäfts. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für die kommenden drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.
Mögliche Fortführung: Es gibt bereits Interessenten
Am Donnerstagnachmittag schickt Poff, Fachanwalt für Insolvenzrecht und Arbeitsrecht, ein Statement an die SÜDWEST PRESSE. Darin wird betont, dass der Geschäftsbetrieb von Betz International uneingeschränkt fortgeführt wird. „Beim vorläufigen Insolvenzverwalter haben sich schon Interessenten für eine Fortführungslösung gemeldet“, heißt es in der Stellungnahme.
Ziel sei es, eine nachhaltige Perspektive für das Unternehmen zu entwickeln und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und tragfähige Lösungen für die Zukunft unseres Unternehmens zu entwickeln“, erklärt die Geschäftsführung.

