Sommerhock am Westbahnhof Reutlingen: Die alte „Paula“ wird bald noch mobiler

Achtung am Gleis: Soeben ist die Dame „Paula“ eingefahren. Auch Mitfahrten auf dem Führerstand waren möglich beim Sommerhock des Vereins.
Jürgen Herdin- Beim Sommerhock am Westbahnhof Reutlingen fuhr die Zahnrad-Dampflok „Paula“ mit Kurztrips.
- Paula soll in zwei Jahren mit neuem Kohlewagen ihren Aktionsradius fast verdreifachen.
- Die Lok von 1923 wiegt 75 Tonnen, leistet 830 PS und ist bis 50 km/h zugelassen.
- Versorgung unterwegs ist schwierig, daher nimmt sie künftig über acht statt drei Tonnen Kohle mit.
- Der ZHL plant Fahrten auf der Albtrasse – Gespräche zur Regional-Stadtbahn laufen bereits.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Zahnrad-Dampflok „Paula“ hupt, sie rattert, sie schnaubt. Ihre Endstation und der Zustieg sind die Gleise vor der Werkstatt der ZHL, dem Verein „Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein“. Bis in die Nacht hinein darf Paula heute fahren, sie nimmt Besucher mit auf ihren Kurztrips in Richtung Betzingen; auch im Führerstand ist etwas Platz für Gäste. Anders als noch vor Jahren darf die „97501“ dabei nicht mehr das Gelände der Stadtwerke durchfahren – aus Sicherheitsgründen. Das versteht sich gerade heutzutage von selbst: Die Fair-Energie Reutlingen ist kritische Infrastruktur.
Nahe des Westbahnhofs lädt der Verein zum jährlichen Sommerhock, bei dem es sich die Leute bei Gegrilltem gutgehen lassen. Die großen Modellbahn-Loks von Michael Staiger locken Kinder und Erwachsene gleichermaßen ans Mini-Gleis vor der großen Halle. Das Treffen ist auch Teil des Reutlinger Kinderferienprogramms. ZHL-Sprecher Michael Ulbricht verkauft derweil Bahner-Bücher – und hat eine tolle Neuigkeit mitgebracht: Bereits in zwei Jahren könnte die nach Jahren der Restaurierung voll betriebsfähige Paula ihren Aktionsradius fast verdreifachen.
75 Tonnen schwer, 50 km/h schnell
Das 75 Tonnen schwere Dampfross, Baujahr 1923, bringt es mit ihren 830 PS auf 50 Stundenkilometer – so ist das abgesegnet vom Eisenbahnbundesamt in Bonn. Und Paula bekommt nun einen neuen Kohleanhänger, also quasi einen neuen Tank, einen größeren Akku. Statt drei Tonnen Kohle wird sie dann über acht Tonnen mit sich führen können. Ausgeliehen wird die 97501 derzeit noch an Betreiber im Umkreis von 200 Kilometern. Selbst in Neustadt an der Weinstraße war Paula schon.
Um die Reichweite zu vergrößern, hat der Verein begonnen, den historischen Güterwagen der Bauart „Oppeln“ aufzuarbeiten. Das ist ein Reichsbahn-Güterwagen aus den 1930er-Jahren, wobei dieser auch wieder sein historisches Erscheinungsbild erhalten soll. Die auf der Dampflok vorhandenen Betriebsvorräte, auch das Wasser, müssen immer wieder „nachgetankt“ werden. Weil die Infrastruktur für die Versorgung von Dampflokomotiven „heute nicht mehr vorhanden ist, verwenden wir bei Überführungsfahrten einen Kesselwagen für die Wasserversorgung“, erläutert Ulbricht.
Besitzer von Elektroautos werden das kennen: Der Akku hat eine beschränkte Kapazität. Und längst noch nicht jede Tankstelle am Wegesrand hat eine E‑Ladestation. Die Dampflok Paula wird also in Reutlingen mit Kohle befüllt, die liefert ein ganz normaler Kohle-Händler aus der Region. Und das war’s dann auch. Auf den Strecken ist kein „Nachtanken“ möglich.
Und bei Elektromobil-Besitzern ebenso wie bei Reutlinger Bahnfreunden ist das Thema „Feinstaub-Emissionen“ uninteressant: Die einen produzieren kaum welchen – und die anderen auch nicht. Denn bei Paula entsteht kein Feinstaub, sondern nur dermaßen viel schwerer Ruß, „dass man ihn am Boden zusammenkehren könnte“, sagt Michael Ulbricht.
Die letzte Fahrt des Dampflokführers
Auf dem Führerstand hat heute Dampflokführer Heiner Weiss seine letzte Fahrt. Er gehört zu einem guten Dutzend von Leuten im ganzen Land, die solche Riesen überhaupt bewegen dürfen. Weiss hört altersbedingt auf. Gleichzeitig hat der bisherige Heizer Frank zur Heiden, nach der kürzlich bestandenen Prüfung, seinen ersten Einsatz als Dampflokführer. Hinzu kommt noch Markus Schilling aus Pfullingen. Apropos Heizen und Antrieb: Rund 20 Kilogramm Kohle müssen pro Kilometer in den „Ofen“, die Feuerbüchse, eingeschaufelt werden.
Auf den Schienen der Stadtbahn unterwegs?
Doch weshalb heißt der Verein ZHL, Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein? Der ZHL will auf der Bahntrasse von Reutlingen auf die Alb wieder mit der Lok 97501 und angehängten Personenwagen fahren. Dieser Zahnradbetrieb „ist auch auf den Schienen der neuen Regional-Stadtbahn möglich“, so Michael Ulbricht. Gespräche hierzu laufen längst. Und neben tausenden Anhängern der Reaktivierungs-Idee hat die ZHL vor allem auch Prof. Tobias Bernecker hinter sich.
Der Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb weiß: Die Steigung könnte womöglich auch ohne die alte Zahnstange im Gleis bewältigt werden. Die Vorplanungen für die Regional-Stadtbahn haben begonnen. Die altehrwürdige Dampflokomotive Paula würde es demnach, ausgehend von der fein restaurierten Station Honau von 1893, wieder hinauf auf die Schwäbische Alb schaffen – bei einem Höhenunterschied von 180 Metern auf 2,2 Kilometern. Es ginge zunächst bis zur alten Station Lichtenstein, nahe des heutigen Straßen-Kreisverkehrs. Es folgten Fahrten über Münsingen nach Ulm – oder von Engstingen aus auch an den Bodensee. Und das wäre für Honau, dem Ausgangspunkt der Echaztal-Bundesgartenschau 2039, ein überaus bedeutender Beitrag für die Großveranstaltung Buga 2039.
