Schwere Tierquälerei
: Geköpftes Schaf: Polizei baut auf Hinweise von Zeugen

In der Nacht zu Dienstag wurde in der Reutlinger Römerschanze ein Schaf brutal getötet. Einen ähnlich grausamen Fall kennt die Polizei in der Region nicht.
Von
Mathias Grimm
Reutlingen
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Husumer Bockauktionen: 21.08.2024, Schleswig-Holstein, Husum: Schafe der Rasse „Texel“ warten bei den Husumer Bockauktionen in den Messehallen auf ihre Präsentation. Der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter hatte zu diesen Auktionen eingeladen. Foto: Axel Heimken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Diesen Schafen geht es gut: In der Nacht zu Dienstag wurde in der Reutlinger Römerschanze jedoch ein Tier getötet – die Polizei ermittelt wegen eines schweren Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Axel Heimken/dpa
  • In Reutlingen wurde ein Schaf brutal getötet – Polizei ermittelt wegen schwerer Tierquälerei.
  • Kopf des Tieres lag nahe der Weide, Körper wurde 100 Meter entfernt abgelegt.
  • Motiv unklar: Polizei schließt gezielten Angriff auf Tierhalter aus, prüft andere Ansätze.
  • Ähnliche Vorfälle in der Region: Diebstähle, Vergiftungen, illegale Schlachtungen.
  • Zeugenaufruf: Hinweise zur Tat in der Nacht auf Dienstag an Polizeiposten Reutlingen-West.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein grausiger Fund hat am Dienstagmorgen die Römerschanze erschüttert: Unbekannte haben in der Nacht von Montag auf Dienstag ein Schaf von einer umzäunten Weide in der Marie-Curie-Straße geholt und getötet. Der oder die Täter ließen den Kopf des Tieres nur wenige Meter neben der Weide zurück. Der Körper lag rund hundert Meter entfernt am Rand eines Feldes. In der Weide befanden sich insgesamt 17 Schafe.

„Im Moment gibt es für uns keinerlei Erklärung für dieses Geschehen“, sagt Polizeisprecher Gerhard Jaudas. Der Fall sei deshalb früh öffentlich gemacht worden, um mögliche Zeugen zu erreichen. Der Polizeiposten Reutlingen-West ermittelt gemeinsam mit dem Sachbereich Gewerbe und Umwelt wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Kein Motiv, viele Fragen

Die Ermittler prüfen laut Jaudas alle denkbaren Ansätze – vom Diebstahl mit anschließendem Zurücklassen über mögliche symbolische Handlungen bis hin zu gezielten Angriffen auf die Herde. Konkrete Hinweise gebe es derzeit jedoch nicht. „Wir hoffen auf Beobachtungen aus der Nacht oder dem frühen Morgen, die uns weiterbringen können“, so der Polizeisprecher.

Ein gezielter Angriff auf den Tierhalter kann im Prinzip ausgeschlossen werden, Belege dafür gibt es jedoch nicht. In der Vergangenheit habe es Einzelfälle gegeben, bei denen Tiere gestohlen wurden, um an deren Ohrmarken zu gelangen. Ohrmarken sind Pflichtkennzeichen für Schafe, Ziegen und Rinder. Sie dienen der eindeutigen Identifizierung und Rückverfolgbarkeit. Gestohlene Marken können theoretisch genutzt werden, um illegal geschlachtete oder gehandelte Tiere als legal erscheinen zu lassen. „Das war zum Beispiel in Metzingen schon mal der Fall“, sagt Jaudas.

Im vergangenen Jahr wurde bei Metzingen-Neuhausen ein Rasseschaf im Wert von mehreren Hundert Euro von einer Weide gestohlen, die mit einem Elektrozaun gesichert war. Wenige Tage später entdeckten Zeugen das Tier - der oder die Täter hatten es tot in einem Waldstück zurückgelassen. Einen ähnlich mysteriösen Fall hatte es außerdem in diesem Jahr in Metzingen gegeben - am helllichten Tag wurden zwei Schafböcke von der Weide gestohlen, ein dritter wurde vergiftet.

Im Oktober 2024 schlachteten Unbekannte bei Westerheim (Alb-Donau-Kreis) ein Schaf und eine Ziege direkt auf der Weide. Der Landwirt fand die Überreste der Tiere an einem Samstagnachmittag. Die Täter hatten nicht nur Fleisch mitgenommen, sondern auch das komplette Elektroweidezaungerät samt Solarpanel entwendet.

Genau das ist beim Reutlinger Fall nicht passiert: „Es wurde nichts vom Tier oder sonst etwas entwendet“, erklärt Gerhard Jaudas. Trotzdem ist das Töten des Schafs eine schwerwiegende Tat.

Was könnte dem Täter drohen?

Denn das Töten eines Wirbeltiers ohne „vernünftigen Grund“ ist in Deutschland nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes strafbar. Die Tat kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Auch der bloße Versuch oder die Beteiligung an einer solchen Handlung kann strafrechtliche Folgen haben. Für die Polizei wiegt die Brutalität in der Römerschanze besonders schwer, weil der Kopf des Tieres abgetrennt und am Tatort zurückgelassen wurde. Der Körper wurde offenbar gezielt an einer anderen Stelle abgelegt.

Zeugen sind gefragt

Die Ermittler setzen nun auf die Hilfe der Bevölkerung. Wer in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Marie-Curie-Straße oder im Umfeld der Römerschanze verdächtige Beobachtungen gemacht hat – Personen, Fahrzeuge oder auffällige Geräusche – wird gebeten, sich beim Polizeiposten Reutlingen-West unter der Telefonnummer 07121 / 9394-0 zu melden. Solange das Motiv unklar ist, bleibt auch offen, ob es sich um eine isolierte Tat handelt oder ob für weitere Tiere in der Region Gefahr besteht. Die Polizei prüft mögliche Zusammenhänge mit anderen Fällen. Momentan bestünden diese allerdings nicht: „Aktuell gibt es in der Region keine vergleichbaren Fälle“, so Jaudas.

Tierschutzorganisation setzt Belohnung aus

Um den Fall aufzuklären, setzt die Tierschutzorganisation PETA eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Person oder Personen führen. Wer etwas beobachtet oder anderweitig mitbekommen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei oder telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail an whistleblower@peta.de bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym.

„Wir möchten helfen, diese schreckliche Tat aufzuklären“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin bei PETA. „Immer wieder werden vertrauensvolle, unbeaufsichtigte Tiere Opfer von Gewalt. Wir fordern strenge juristische Konsequenzen für überführte Täterinnen und Täter, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig sollten sich Halterinnen und Halter aber Gedanken machen, wie sie ihre Tiere vor solchen Übergriffen schützen können.“