Schnabel auf und durch: Jetzt schlüpfen die Osterküken

Das Kükenschlüpfen im Naturkundemuseum begeistert die Besucherinnen und Besucher. Viele kommen jedes Jahr, um den Küken dabei zuzuschauen, wie sie sich aus ihren Eiern kämpfen. Denn das ist ein richtiger Kraftakt.
Maik Wilke- Reutlinger Naturkundemuseum zeigt Küken beim Schlüpfen, 80 Eier werden vor Ostern ausgebrütet.
- Küken kämpfen hart beim Schlüpfen, Nackenmuskeln und Eizahn helfen.
- Ausstellung "Wir brüten was aus" sehr beliebt bei Besuchern.
- Küken bleiben zwei Wochen im Museum, dann zurück auf den Schwillehof.
- Museum von Dienstag bis Samstag, Ostersonntag und Ostermontag geöffnet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die kleinen, flauschigen (und ungemein süßen) Küken hüpfen in der Lauf-Arena umher. Wenn man die Flauschkugeln im Naturkundemuseum beobachtet, würde man kaum erahnen, dass sie hart zustoßen können – aber genau das müssen sie. „Aus dem Ei zu schlüpfen, ist für die Küken ein richtiger Kraftakt“, sagt Museumspädagogin Katja Bader. Die Junghühner haben sehr starke Nackenmuskeln, der Eizahn auf dem Schnabel dient als Werkzeug, „mit dem sie die Schale von innen aufklopfen“. Nach dem Schlüpfen sind die Küken erschöpft, doch die Anstrengung hat sich gelohnt. Schnabel auf und durch. Die „Bibberle“ sind aus dem Ei.
Etwa 80 Eier brüten in den Wochen vor Ostern im Reutlinger Naturkundemuseum aus. Es ist ein Highlight des Jahres, die Ausstellung „Wir brüten was aus“ ist dank des Kükenschlüpfens eine der beliebtesten. „Wir haben Besucherinnen und Besucher, die jedes Jahr wieder kommen, um diese wunderbaren Momente zu erleben“, sagt Bader. Und natürlich ist das Kükenschlüpfen bei Kindergarten- und Kitagruppen beliebt, ebenso bei Schulklassen.
Bedingungen wie in der Natur
Die meisten Küken sind bereits geschlüpft, doch natürlich hat das Naturkundemuseum mitgedacht: Am jetzigen Osterwochenende werden sich weitere „Bibberle“ aus dem Ei befreien; „das sind sozusagen die wahren Osterküken“, sagt Katja Bader mit einem Lächeln.
Bei exakt 37,8 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent liegen die Eier 18 Tage im Vorbrüter. Die Bedingungen sollen genau denen in der Natur entsprechen, wenn sich die Henne auf ihre Eier setzt. „Und weil Hennen ihre Eier regelmäßig wenden, machen wir das auch“, erklärt die Museumspädagogin. Der „Abkühlmodus“ ahmt sogar nach, wie die Henne kurz fressen und trinken geht.
In den letzten drei Tagen vor dem Schlüpfen kommen die Eier in den Hauptbrüter, in dem die Bedingungen nochmals angepasst werden. Dort ist es minimal kühler, weil die Küken nun mehr Eigenwärme produzieren – und sich mit Piepsen bereits im geschlossenen Ei bemerkbar machen. „Sie sprechen sich ab, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist“, erklärt Bader. „Oft ist das nachts. Wahrscheinlich, weil das in der Natur eine geschütztere Zeit ist.“

Die Küken sind in den Lauf-Arenen geschützt, „das Tierwohl steht bei uns an oberster Stelle“, betont Museumspädagogin Katja Bader.
Maik WilkeNach dem Schlüpfen zurück auf den Schwillehof in Pfullingen
Sind die Küken geschlüpft, müssen sie am ersten Tag übrigens nicht gefüttert werden. „Über die Nabelschnur wandert der verbliebene Eidotter vor dem Schlüpfen in den Bauchraum des Kükens und dient ihm sozusagen als Reiseproviant“, erklärt die Expertin. Viele dieser spannenden Informationen rund ums Ei erfahren Besucher in der Begleitausstellung (siehe Infokasten). Als Nestflüchter wechseln die Küken kurz darauf in die Lauf-Arenen des Naturkundemuseums. Dort bleiben sie nur zwei Wochen, „weil sie unglaublich schnell wachsen und ihre Federn bekommen“, sagt Bader. Alles passiert in der Gruppe, auch der „Umzug“ zurück auf den Schwillehof in Pfullingen, wo die Eier herkommen.
Das Kükenschlüpfen begeistert die Besucherinnen und Besucher jedes Jahr. Das wird immer wichtiger, weil Hoftiere nur noch selten im Alltag der Menschen eine Rolle spielen. Selbst Eltern können nur selten davon berichten, wie Hühner im eigenen Garten aufgewachsen sind. „Da sind dann eher noch die Großeltern diejenigen, die das erzählen können“, berichtet Bader. Viele Kinder sehen daher beim Kükenschlüpfen im Naturkundemuseum das erste Mal Küken live.
Am Karfreitag geschlossen, aber am Ostersonntag und Ostermontag geöffnet
Schon mal einem Küken beim Schlüpfen zugesehen? Im Naturkundemuseum Reutlingen, Am Weibermarkt 4, werden Eier von verschiedenen Haushuhnrassen bebrütet. Wie sich die Küken aus der Schale pellen, lässt sich im Schaubrüter genau beobachten. Aber im Museum gibt es noch mehr zu erfahren rund um Küken, Eier, Nester und eierlegende Tiere. Wie kommt das Huhn denn eigentlich ins Ei? Und warum schlüpft aus dem Frühstücksei kein Küken? Die Begleitausstellung „Wir brüten was aus“ zeigt mit großformatigen Modellen und Animationen, was im Ei passiert und wie sich in nur wenigen Tagen ein äußerst komplexes Lebewesen entwickelt. Doch nicht nur Hühner legen Eier und entgegen dem weit geflügelten Wort, gleicht kein Ei dem anderen. Auch Nester gibt es nach allen Regeln der Baukunst und bei der Wahl der Nistplätze nutzen Vögel die unterschiedlichsten Nischen.
Damit die Küken keinen Schaden nehmen, ist die Personenanzahl vor den Arenen beschränkt. Gruppen werden gebeten, ihren Besuch im Museum anzumelden. „Das Wohl der Tiere steht für uns an oberster Stelle“, betont Museumspädagogin Katja Bader.
Die Ausstellung „Wir brüten was aus“ ist noch bis Sonntag, 27. April 2025, zu sehen. Der Eintritt ist frei; am Karfreitag ist das Naturkundemuseum geschlossen. Ansonsten können Besucher die Küken von Dienstag bis Samstag, 11 bis 17 Uhr, sowie am Ostersonntag und Ostermontag von 11 bis 18 Uhr anschauen.

