Reutlingen
: Seit März wird saniert · Am Montag könnten die Arbeiten abgeschlossen sein – wenn das Wetter hält

Eigentlich hat sich Wilhelm Albert Herzog von Urach und Graf von Württemberg für seinen gestrigen 60. Geburtstag gewünscht, dass sein Schloss an diesem Tag wieder in altem Glanz erstrahlt. Doch daraus ist nichts geworden.
Von
Thomas de Marco
Lichtenstein

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Nicht gesetzt

Das Gerüst, das den 38 Meter hohen Turm seit März wie einen unförmigen Wasserturm wirken lässt, ist nicht wie geplant Ende Juli abgebaut worden. „Wir hatten wahnsinnige Verzögerungen wegen des Wetters“, sagt Schlossverwalter Eberhard Etter und verweist auf Schnee im April und Starkregen im Juli.

Erschreckender Befund

Schon vor zwei Jahren war der Boden im obersten Turmzimmer untersucht worden – mit erschreckendem Befund: morsche Balken und viel Feuchtigkeit, die durch Risse im schützenden Putz eindrang. „Alle 20 bis 25 Jahre muss dieser Putz erneuert werden“, sagt Etter. Das ist nun so weit. Die aufwändige Sanierung, bei der auch der Glockenturm und einige Turmzimmer gleich mit erneuert werden, dürfte so um die 400000 Euro kosten, erklärt der Schlossverwalter: „Allein das 13 Tonnen schwere Gerüst kostet 80000 bis 90000 Euro.“

Der Anblick des ummantelten Turms enttäuscht nun aber selbstverständlich viele Touristen, die das Schloss im Reiseführer oder im Internet ganz anders gesehen haben. Auch Brautpaare haben sich das Ambiente für ihre Hochzeit auf Schloss Lichtenstein schöner vorgestellt, sagt Etter bedauernd. Andere planen ihren Trip ganz genau, wissen deshalb um den eingerüsteten Turm und fragen nach, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden. Gut 110000 Besucherinnen und Besucher werden durchschnittlich pro Jahr im Schloss gezählt.

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Putzschicht trocknet noch

Am kommenden Montag soll es nun so weit sein. Wenn das Wetter nicht wieder bremsend einwirkt, ist die komplette Putzschicht auf einem neuen Untergewebe getrocknet und das Gerüst bis dahin abgebaut.

Im Übrigen hofft der Besitzer, dass die neue Pracht dann länger anhält als nur maximal 25 Jahre. Denn die Metzinger Firma Schweizer hat einen glatteren Putz angebracht anstelle des rauen Vorgänger-Materials, das durch Nischen und Einbuchtungen mehr Angriffsflächen für Moose und andere Mauerschädlinge geboten hat.

Der Turm war anfangs ohne Putz

Schloss Lichtenstein wurde zwischen 1840 und 1842 nach den Plänen Carl Alexander Heideloffs erbaut. Inspiriert worden war Wilhelm Graf von Württemberg dazu durch den 1826 erschienenen Roman „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff. Ursprünglich war der Turm, der aus dem gleichen Tuffgestein besteht wie der Rest des Schlosses, unverputzt gewesen, sagt Verwalter Eberhard Etter. Doch weil er im Zweiten Weltkrieg getroffen worden war, musste das runde Gemäuer durch starke Stahlringe stabilisiert werden. Damit die nicht mehr sichtbar waren, wurde der Putz am Turm aufgetragen.