„Reutlingen brennt“: Erinnerungen an die größte Katastrophe der Stadtgeschichte

Außer der Gedenkstele auf dem Marktplatz, auf der mehrere Ereignisse der Stadt erwähnt werden, erinnert kaum etwas in Reutlingen an den großen Stadtbrand von 1726. Das soll sich nächstes Jahr ändern – eine Metallskulptur von Künstlerin Susanne Immer ist geplant.
Maik Wilke- Reutlingen erinnert 2026 mit „Reutlingen brennt“ an den Stadtbrand von 1726 – 882 Häuser zerstört.
- Highlight: Licht- und Tonshow in der Marienkirche, Kosten ca. 123.000 Euro, Beginn im März 2026.
- Neue rote Metallskulptur von Susanne Immer soll dauerhaft an die Katastrophe erinnern (55.000 Euro).
- Aktionen: Ausstellungen, Führungen, Feuerwehrtage, limitierte Faksimile-Briefe zur Spendengewinnung.
- Festakt am 23. September 2026 im Rathaus – genau 300 Jahre nach Ausbruch des Feuers.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es war wohl eine brennende Kerze, die die größte Katastrophe in der Reutlinger Stadtgeschichte ausgelöst hat. Am späten Montagabend des 23. Septembers 1726 fiel diese durch eine Spalte in der Bodendiele in einen Vorratsraum, in dem Stroh gelagert wurde. Die Flammen breiteten sich schnell aus. Zu schnell für die Hausbewohner, die zunächst versuchten, das Feuer selbst zu löschen. Zu schnell für die Mitglieder der zwölf Zünfte, die mit drei Feuerspritzen gegen die Flammen kämpften.
38 Stunden wütete das Feuer innerhalb Reutlingens Stadtmauern. 882 Häuser wurden zerstört und über 1200 Familien obdachlos, vier Fünftel der Stadt waren vernichtet. Darunter die Marienkirche, drei Schulhäuser, vier Pfarrhäuser und Messnerhäuser, das Rathaus mit Uhr und Glocken, der städtische Zehnthof mit Wein und Fruchtvorräten, das Armenpfleghaus. Von zwölf Zunftstuben waren zehn abgebrannt.
2026 jährt sich der Stadtbrand zum 300. Mal. Das Kulturamt und das Stadtmarketing Reutlingen möchten daher angemessen an dieses Ereignis erinnern. Unter dem Titel „Reutlingen brennt“ haben die Akteure ein umfangreiches Programm von März bis Oktober 2026 geplant. „Damit ist auch das Ziel verbunden, auf die Bedeutung von Feuer- oder Katastrophenschutz und Feuerrettung hinzuweisen“, erklärt das Kulturamt. Die Feuerwehr Reutlingen sei daher ein wichtiger Kooperationspartner.
Licht- und Tonshow in der Marienkirche als Highlight
Highlight von „Reutlingen brennt“ soll eine Multimediainstallation in der Marienkirche von Casa Magica werden. Die Licht- und Tonshow des Tübinger Künstlerduos Friedrich Förster und Sabine Weissinger wird die Ereignisse des Stadtbrandes bis zur Wiederherstellung der Marienkirche im Jahr 1901 thematisieren. An neun Tagen wird ab dem späten Nachmittag bis zum Abend jeweils zur halben und zur vollen Stunde eine Multimediashow zu sehen sein. „Am letzten Septemberwochenende soll an zwei Abenden ein umfangreicheres Programm mit Livemusik, Lesung, Performance zur bestehenden Show aufgeführt werden“, erklärt das Kulturamt. An diesen Abenden wird Eintritt erhoben.
Die Kosten für die Multimediainstallation in der Marienkirche betragen etwa 123.000 Euro und beinhalten Planung, Durchführung, Equipment und Personal. Die Stadt Reutlingen erhält die Rechte, sodass diese Show (oder Teile davon) zu anderen Anlässen erneut aufgeführt werden kann. Der Gemeinderat hat die Gesamtkosten in Höhe von 200.000 Euro für „Reutlingen brennt“ bereits genehmigt.
Leuchtend rote Metallskulptur als Gedenkstele
Darin inbegriffen ist auch eine neue Gedenkstele für 55.000 Euro. Weil bisher nur wenige Inschriften und die Stele auf dem Marktplatz, auf der mehrere Ereignisse der Stadthistorie erwähnt sind, an den Stadtbrand erinnern, soll eine 3,25 Meter hohe Metallskulptur von Künstlerin Susanne Immer dauerhaft an die größte Katastrophe der Stadthistorie erinnern.
Immer ist eine über die Stadtgrenzen hinaus anerkannte Reutlinger Künstlerin und arbeitet mit gebogenen Metallbändern. „Durch die Art der Biegung der Metallbänder ist eine Assoziation zu einem Flammensymbol gegeben“, erklärt das Kulturamt. Die prägnante Metallskulptur in leuchtend roter Farbe soll ebenerdig aufgestellt werden –als Standort ist der Eingang zur unteren Wilhelmstraße vorgesehen. Also in der Nähe des Ortes, wo vor 300 Jahren der Brand ausgebrochen war. Die Stele soll in der Nacht mit Bodenlampen beleuchtet werden.
Weitere Akteure und Aktionen bei „Reutlingen brennt“
Neben diesen beiden Höhepunkten ist eine Spendenmappe (siehe Infokasten) geplant; zudem hat die Verwaltung dazu aufgerufen, sich mit Ideen, Projekten oder Veranstaltungen einzubringen. Alle Abteilungen des Kulturamts werden sich beteiligen; mit Ausstellungen, Konzerten, Veranstaltungen. Die Feuerwehr wird sich am Tag der offenen Tür und mit Aktionen beim Sicherheitstag einbringen, ebenso mit Aktionen im Feuerwehrmuseum.
Die Stadtführer werden 2026 verstärkt Führungen anbieten und das Thema Stadtbrand in den Fokus stellen. Das Stadtarchiv hat in Kooperation mit dem Geschichtsverein und dem Stadtplanungsamt bereits ein Forschungsprojekt begonnen, bei dem die Häuser, die nach dem Stadtbrand gebaut wurden, untersucht werden. In Zusammenarbeit mit der Pressestelle wird eine Internetseite mit dem Titel „Stadtbrand“ eingerichtet. Und: Am Mittwoch, 23. September 2026 – dem Tag des Ausbruchs des Feuers vor 300 Jahren – ist um 20 Uhr ein Festakt im Rathaus zum Gedenken geplant.
Faksimiledrucke in limitierter Auflage
Angelehnt an die sogenannten „Bettelbriefe“, mit denen nach dem Brand Spenden weit über die Grenzen des damaligen Reichs eingesammelt wurden, werden nach den originalen Drucken zum Stadtbrand Faksimiledrucke angefertigt. Die Mappe wird in einer limitierten Auflage von 120 Stück gefertigt. Um die Wertigkeit dieser Mappen zu erhöhen, wird die Künstlerin Susanne Immer eine originale Druckgrafik anfertigen, die den Mappen beigelegt wird.
Diese Mappen werden zum Einwerben von Spenden und Sponsorengeldern verwendet, „der erwünschte Durchschnittspreis wird bei 350 Euro liegen“, schreibt das Kulturamt. Die Spenden aus der Spendenmappe sollen für die Gedenkstele von Susanne Immer zum Stadtbrand verwendet werden.


