Regional-Stadtbahn Reutlingen
: Garten- oder Lederstraße – wo fährt die Stadtbahn?

Der Reutlinger Gemeinderat entscheidet am Dienstag, 16. Dezember, über die Trasse der RSB durch die Innenstadt. Die Wahl wird das Stadtbild für Jahrzehnte prägen.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Regional-Stadtbahn Reutlingen

Offiziell gibt es drei mögliche Streckenführungen durch Reutlingen. Doch die Trasse Honauer Bahn ist absoluter Außenseiter. Hier zu sehen sind links die Gartenstraße und rechts die Lederstraße.

Zweckverband Regional-Stadtbahn/Collage: SWP
  • Reutlingens Gemeinderat entscheidet am 16. Dezember über die Innenstadtstrecke der Regional-Stadtbahn.
  • Gartenstraße: 4,7 km, 6 Haltestellen, 140,7 Mio. Euro, Favorit der Stadtverwaltung, weniger Autoverkehr.
  • Lederstraße: 5 km, 6 Haltestellen, 192,8 Mio. Euro, höheres Fahrgastpotenzial, aber teurer und baulich komplex.
  • Honauer Trasse: 5,7 km, Außenseiter, geringstes Fahrgastpotenzial, kaum als Stadtbahn geeignet.
  • Weitere Strecken in Betzingen und Ohmenhausen sollen ebenfalls am 16. Dezember beschlossen werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gartenstraße, Lederstraße oder Honauer Trasse: Wenn der Gemeinderat am Dienstag, 16. Dezember, über die Streckenführung der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb entscheidet, wird dies das Stadtbild Reutlingens für Jahrzehnte prägen. Im Vorfeld hatten sich die Fraktionen nicht festgelegt, welche der drei Optionen sie bevorzugen. Zumindest nicht öffentlich. Für Garten- und Lederstraße gibt es gute Argumente, ebenso gibt es für die Strecken manche offenen Fragen. Die SÜDWEST PRESSE fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile für die Trassen Gartenstraße und Lederstraße zusammen; weil die Honauer Bahn absoluter Außenseiter in der Trassenentscheidung ist, wird diese hier nicht ausführlich berücksichtigt.

Und: Es gab im Vorfeld der Entscheidung am Dienstag Gemunkel, die Abstimmung konnte auf Antrag einer Fraktion verschoben werden. Dazu äußerte sich Prof. Dr. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn, bereits in einem Pressegespräch vor wenigen Wochen: „Alle Informationen, die das Gremium für eine Entscheidung benötigt, liegen vor. An diesen Fakten wird sich auch bis zum Frühjahr 2026 nichts ändern, daher ergibt eine Verschiebung aus unserer Sicht keinen Sinn.“

Gartenstraße bietet mehrere Haltestellen mitten im Zentrum

Die Strecke durch die Gartenstraße ist 4,7 Kilometer lang und hat sechs Haltestellen. Die Tram-Trains benötigen vom Hauptbahnhof bis zum Südbahnhof eine Fahrzeit von 7,50 Minuten. Das Fahrgastpotenzial wird mit 31.800 Fahrgästen pro Tag angegeben. Die Baukosten liegen bei 140,7 Millionen Euro. Nutzen-Kosten-Index: 1,20.

Für die Stadtverwaltung ist die Gartenstraße der Favorit – Oberbürgermeister Thomas Keck bezeichnete sie mehrfach als „wirtschaftlichste Lösung“. Der Bau der Schienen auf dieser Trasse wäre 50 Millionen Euro günstiger als bei der Lederstraße. Gemeinsam mit vielen Stadtbussen wäre die Gartenstraße die zentrale Route des ÖPNV in Reutlingen. „Dort könnte die RSB ihren Charakter als Stadtbahn ideal ausspielen“, sagt Stadtplaner Stefan Dvorak. Die Haltestelle am Albtorplatz verbinde die Wilhelmstraße mit der Oberen Wässere und die Anbindung an den Hauptbahnhof gelingt über eine unterirdische, diagonale Querung von der Tübinger Straße aus bis zum Haltepunkt in der Eberhard-/Karlstraße.

Außer Anlieger dürfen keine Autofahrer durch die Gartenstraße

Dort zeigt sich aber auch einer der wenigen Nachteile der Gartenstraße. Aufgrund dieser Anbindung unter dem Industriemuseum und der Post müsste das alte Postgebäude, das selbst viel Entwicklungspotenzial bietet, mindestens zum Teil abgerissen werden. Ein weiterer, kleiner Nachteil: Nicht alle Buslinien können weiterhin über die Gartenstraße fahren. Sonst stehen sich Stadtbahn und Busse im Weg; die Takte könnten nicht gehalten werden. Für den Autoverkehr würde die Gartenstraße gesperrt; ausgenommen wären Anlieger. Auch auf der Karlstraße würden zwei von vier Spuren für Autofahrer wegfallen.

Lederstraßen-Strecke entlang der Echaz hätte Charme

Die Strecke durch die Lederstraße ist 5,0 Kilometer lang und hat ebenfalls sechs Haltestellen. Die Tram-Trains fahren diese Strecke in 6,50 Minuten und das Fahrgastpotenzial liegt bei 33.100 Passagieren pro Tag. Die Baukosten: 192,8 Millionen Euro. Nutzen-Kosten-Index: 1,07.

Für Befürworter dieser Variante bietet die Führung entlang des Echazufers Charme. Eine geradlinige Strecke auf der B464 nahe am Stadtzentrum, aber nicht mittendrin. Das hat Vorteile. Die Haltestelle nahe des Matthäus-Alber-Hauses wäre lediglich 50 Meter von der Marienkirche entfernt, es sind kurze Wege zum Marktplatz und in die Wilhelmstraße.

Aber die Liste an Nachteilen ist bei der Lederstraße deutlich länger als bei der Gartenstraße. Auf der Allee entlang des Echazufers müssten mehr als 20 gesunde Platanen gefällt werden. Vor dem Tübinger Tor müsste Grünfläche für die Gleise weichen.

Hinzukommen die hohen Kosten, die vor allem beim Umbau für die Anbindung an den Hauptbahnhof entstehen. Die Bahnbrücke Unter den Linden ist zu eng und müsste neu gebaut werden. Die Stadt müsste sich an diesen Kosten beteiligen. Und: Der Fischbachbau am Eck zur Karlstraße müsste abgerissen werden – dieser befindet sich in Privateigentum. Für die Stadt würde das schwierige Verhandlungen mit einer schwierigen Ausgangslage bedeuten.

Die Stadtverwaltung argumentiert zudem, dass sie das Areal Lederstraße und den ZOB gerne anders entwickeln würde. Stadtplaner Dvorak sprach von einer Terrasse hin zum Bürgerpark und einer somit zu beiden Seiten geöffnete Echaz als Aufwertung des Gerberviertels. Allerdings sind das lediglich Ideen ohne festen Zeit- und Finanzierungsplan.

Honauer Bahn wäre ein „Schildbürgerstreich“

Der Trassenverlauf Honauer Bahn ist mit 5,7 Kilometern die längste Strecke, aber weil die Tram-Trains außerhalb der Stadt schneller fahren können (70 km/h), liegt die Fahrzeit bei 6 Minuten. Das Fahrgastpotenzial ist deutlich niedriger als bei den beiden Alternativen durch die Stadt und wird mit 23.700 Fahrgästen pro Tag angegeben. Die Baukosten: 151,5 Millionen Euro und der Nutzen-Kosten-Index liegt bei 1,17.

Im Gemeinderat wurde die Honauer Trasse bereits als möglicher Schildbürgerstreich bezeichnet. Dann lieber keine Regional-Stadtbahn als diese Streckenführung, die den Namen „Stadtbahn“ kaum verdient hätte. Einziger Vorteil wäre eine Haltestelle beim neuen Landratsamt, aber hier könnte abends und nachts ein Angstraum entstehen, weil die Haltestelle verdeckt liegt. Die Anbindung an den Hauptbahnhof würde zudem bedeuten, dass der Listplatz von mehreren Gleisen „überfahren“ wird.

Rat wählt auch Trassen in Betzingen und Ohmenhausen

In der Sitzung am Dienstag, 16. Dezember, soll der Reutlinger Gemeinderat nicht nur über die Innenstadtstrecke entscheiden. Auch die Trassen für Betzingen (Gomaringer Spange), Ohmenhausen und die Strecke zwischen den beiden Bezirken sollen nach der Sitzung feststehen.