Polizeieinsatz in Reutlingen: Rathaus wegen Mann mit Pistole evakuiert – Einsatz beendet

Die Polizei hatte das Reutlinger Rathaus großräumig abgesperrt. Vor der Tiefgarage des Rathauses patrouillierten Einsatzkräfte. Geparkte Fahrzeuge konnten nicht bewegt werden.
Mathias GrimmDie Polizei war am Dienstagmorgen mit einem Großaufgebot vor und im Rathaus in Reutlingen im Einsatz. Laut Polizeisprecherin Ramona Döttling hatte ein Mann gegen 8.30 Uhr das Rathaus betreten, dabei soll er vermeintlich eine Pistole bei sich gehabt haben. „Wir durchsuchen nun das Gebäude“, sagte Döttling kurz danach auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE.
Reutlinger Rathaus evakuiert – Mann mit Waffe vermutet
Das Rathaus wurde evakuiert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen zunächst vor dem Gebäude, mussten anschließend aber weiter wegrücken und sammelten sich vor der Stadthalle. Vor der Einfahrt zur Tiefgarage standen mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten und sicherten das Gebäude ab.

Polizeieinsatz am Reutlinger Rathaus: Das Gebäude wurde evakuiert, nachdem sich dort ein bewaffneter Mann aufhalten soll.
Thomas de MarcoPolizei: Keine Gefahr für Bevölkerung in Reutlingen
Für die Bevölkerung und Passanten in der Innenstadt bestand laut der Polizeisprecherin keine Gefahr. „Wir gehen stark davon aus, dass sich der Einsatz aufs Rathausgebäude begrenzt.“
Aus dem Rathaus waren Dauersirenen zu hören, und auch zwei Stunden nach der ersten Meldung einer verdächtigen Person sperrten Polizisten alle Eingänge. Passanten und Marktbesucher standen an den Absperrungen und mutmaßten, ob der Mann noch im Gebäude ist. Das konnte gegen 10 Uhr aber auch Polizeisprecher Lutz Jaksche nicht bestätigen: „Wir wissen aktuell nicht, ob sich die gemeldete Person noch im Gebäude befindet.“ Da man aber jedes Büro überprüfe, dauerte der Einsatz an.
Menschen frühstücken und kaufen auf dem Markt ein
Es war eine skurrile Situation in der Innenstadt. Während überall teils schwer bewaffnete Polizisten standen, saßen beispielsweise in der Alten Bank Menschen und frühstückten – direkt am gesperrten Bereich.

Das komplette Reutlinger Rathaus wurde am Morgen um 9 Uhr evakuiert. Der Alarm im Gebäude war noch lange zu hören.
Mathias GrimmWochenmarkt läuft weiter
Der Wochenmarkt lief ebenfalls weiter, Frauen und Männer kauften während des Großeinsatzes Obst, Gemüse und Käse. Frank Kuhn, Chef-Organisator des Reutlinger Markts, hatte in Abstimmung mit der Stadtverwaltung entschieden: Jeder Beschicker, der gehen möchte, soll gehen. „Eigentlich gehört das Areal vorsichtshalber weitläufig abgesperrt.“ Jaksche und die Polizei sahen dafür keinen Anlass. „Wir haben seit der ersten Meldung keine weitere Meldung über verdächtige Personen erhalten. Für Passanten und Marktbesucher besteht keine Gefahr.“ Weil das Gebäude über mehrere Ein- und Ausgänge verfügt, könne es sein, dass der eventuell bewaffnete Mann das Rathaus verlassen hat, nur kurz, nachdem er hineingegangen war. Diese Möglichkeit bestehe.
Schule informierte Eltern per App
Auch unter Eltern des Friedrich-List-Gymnasiums sorgte der Einsatz für Unruhe. Um sie zu beruhigen, verschickte die Schule eine Nachricht über die App "Sdui", dass keine Gefahr für die Kinder besteht. Auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck meldete sich zu Wort: Über Instagram rief er dazu auf, den Bereich zu meiden.
Polizeieinsatz in Reutlingen beendet
Um 11.15 Uhr war der Einsatz beendet. Die Einsatzkräfte konnten nichts Verdächtiges feststellen. Die behelmten Polizisten verließen den Haupteingang, die Absperrbänder wurden entfernt. Das Gebäude wurde vollständig durchsucht und es bestand keine Gefahr, auch nicht im Gebäude. Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck sprach in der Stadthalle zu den Rathaus-Beschäftigten. Er bedankte sich bei den Mitarbeitern, die in dieser Situation ruhig geblieben sind. Ebenso bei den Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr, des DRK und weiteren Rettungsdiensten. „Es war eine gute Zusammenarbeit. Auch die Evakuierung des Rathauses hat gut funktioniert.“ Zum Einsatz selbst sagt Keck: „Es gab drei unabhängige Meldungen von Mitarbeitern, also war die Situation real. Allerdings bestand wohl zu keiner Zeit eine Bedrohungslage. Das Gebäude wurde vom Keller bis unters Dach gründlich durchsucht.“ Laut DRK-Einsatzleiter Timo Merz wurde keine Person körperlich verletzt.
Warum sucht die Polizei den Unbekannten nicht?
Doch warum gibt die Polizei das Rathaus und die abgesperrten Bereiche in der Innenstadt frei, obwohl der bewaffnete Mann noch nicht gefunden wurde? Ein Polizeisprecher dazu: „Auch drei Stunden nach der ersten Meldung gab es keinerlei Informationen oder Anrufe, dass sich ein Mann mit Pistole in der Innenstadt aufhalten würde.“ Es sei Markt, gutes Wetter, die Cafés sind voll. Wenn ein bewaffneter Mann herumlaufen würde, hätte die Polizei weitere Meldungen erhalten. Die Polizei sucht also nicht nach dem Unbekannten, auch „weil wir keinerlei Ansatzpunkte hätten, wo wir überhaupt suchen sollten“. Das bedeute nicht, dass nicht ermittelt werde. Die Polizei hofft, über Zeugenaussagen und Videoaufnahmen mehr Hinweise zu bekommen.