Nachruf
: Reutlinger SPD-Politiker Ulrich Lukaszewitz gestorben

Ulrich Lukaszewitz ist am Sonntag im Alter von 77 Jahren gestorben. Als Stadt- und Kreisrat sowie Künstler prägte er die Stadt. Weggefährten erinnern sich.
Von
mwi, suv
Reutlingen
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  • Ulrich Lukaszewitz vor einem seiner Werke: Er bemalte – oft großformatig – alles was ihm unter den Pinsel oder den Schrubber kam, auch Fensterläden, Spanplatten und Regalbretter. ⇥

    Ulrich Lukaszewitz vor einem seiner Werke: Er bemalte – oft großformatig – alles was ihm unter den Pinsel oder den Schrubber kam, auch Fensterläden, Spanplatten und Regalbretter. ⇥

    Bausinger Ralph
  • Das Rathaus als zweite Heimat: Ulrich Lukaszewitz auf der Treppe im Rathausfoyer.⇥

    Das Rathaus als zweite Heimat: Ulrich Lukaszewitz auf der Treppe im Rathausfoyer.⇥

    Privat
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Die politische Landschaft Reutlingens trauert um einen langjährigen Mitstreiter. Ulrich Lukaszewitz ist am Sonntag nach schwerer Krankheit verstorben.

Lukaszewitz war der jüngste Stadtrat, als er 1968 im Alter von 25 Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde. Er sollte sich dort 51 Jahre lang engagieren und eine imposante politische Karriere hinter sich bringen: 22 Jahre war er Fraktionsvorsitzender der SPD und fungierte 28 Jahre lang als zweiter ehrenamtlicher Stellvertreter der Oberbürgermeister. Mit vier Oberbürgermeistern und einer Oberbürgermeisterin hat er gerungen und gestritten. „Dabei erlebten dich deine Mitstreiter und Wegbegleiter als leidenschaftlich und klug, als begnadeten Redner, als Taktiker und Instinktmensch mit Verstand, Herz, Mut, großer Tatkraft und spitzer Zunge“, würdigte ihn Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck, als er „Luka“  im Januar die Bürgermedaille in Gold verlieh.

Als einen der „großen Lokalpolitiker“ Reutlingens bezeichnet ihn Fraktionskollege und Vertrauter Helmut Treutlein. „Luka hat immer Widerspruch erzeugt und aufgefordert, genau hinzuschauen“, sagt der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion. Dabei habe Lukaszewitz parteiübergreifend agiert und eine zuvor nie dagewesene Verbindung zwischen Politik und Kultur gepflegt. „Er war ein Vollblut-Lokalpolitiker, der sich für die Bürger eingesetzt und viel bewegt hat“, sagt Treutlein.

Nicht nur für die Genossen der SPD ist der Tod Lukaszewitz’ eine schmerzhafte Nachricht. Andreas vom Scheidt, Gemeinderatsmitglied und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, hat über 20 Jahre mit Lukaszewitz zusammengearbeitet, „dabei hat sich eine Freundschaft zwischen unseren Familien entwickelt,“ so vom Scheidt am Montag. „Er war sicherlich ein streitbarer Sozialdemokrat, aber immer mit dem Ziel vor Augen, das Beste für die Menschen in der Stadt Reutlingen zu erreichen.“ Vom Scheidt erinnert an Lukaszewitz als verlässlichen Partner in der Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen.  „Es ist ein großer Verlust,“ so vom Scheidt: „Wir haben einen Freund verloren.“

Von 1968 bis zu seiner Pensionierung vor zehn Jahren unterrichtete der Sozialdemokrat als Lehrer an der Eichendorff-Realschule. Als „Pauker im Besten Sinne“ habe er jungen Menschen nicht nur Wissen sondern auch Bildung vermittelt, sagte Andreas vom Scheidt bei der Verleihung im Januar: „Völkerverständigung en Detail war Dein Ziel.“ Denn 22 Jahre lang hatte Lukaszewitz den Vorsitz der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Reutlingen inne.

Oskar Kalbfell selbst hatte Lukaszewitz 1968 auf die SPD-Liste geholt. Der damals 25-Jährige, der in Tübingen Romanistik, Geschichte und Politik studierte und ein Zusatzstudium in Psychologie und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule absolvierte, war damals bereits Vorsitzender der Reutlinger Jusos und Präsident der Deutsch-französischen Gesellschaft. Die Affinität zu Frankreich hat sich „Luka le rouge“, Spitzname „Lu“ (für Filou, wie Freunde sagen), über die Jahrzehnte bewahrt.

Doch Lukaszewitz hat nicht nur durch sein politisches Wirken Spuren in der Stadt hinterlassen: Die offensichtlichste ist sein feuerrotes Kunstwerk am Business­bau in der Rommelsbacherstraße. Als Künstler und Politiker arbeitete er mit Heinrich Pfingsten und HAP Grieshaber zusammen. Er malte und organisierte Kunstausstellungen in Frankreich – aber immer auch in seinem Reutlinger Atelier.

2008 wurde Ulrich  Lukaszewitz mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Bereits 1985 erhielt er für sein Engagement für die deutsch-französische Freundschaft den französischen Kultur­orden „Chevalier dans l‘Ordre des Palmes académiques“. Außerdem ist er Träger der Willy-Brandt-Medaille der SPD, der Landkreismedaille in Gold sowie des Verdienstordens des Städtetags in Gold mit Lorbeerkranz und Brillant.

Er hinterlässt seine Frau Elke und Tochter Aline.